Am normalen Sonntagabend führt an Thiel und Boerne kein Weg vorbei – auch dann nicht, wenn man den Wintervorteil berücksichtigt.
Die stärkste
«Tatort»-Reihe auf dem klassischen Sonntagabend-Sendeplatz kommt weiterhin aus Münster. In Auswertung mit 120 Erstausstrahlungen zwischen September 2022 und Mai 2026 erreichten Thiel und Boerne im Schnitt 12,74 Millionen Zuschauer. Das ist ein gewaltiger Vorsprung: Köln folgt mit Ballauf und Schenk bei 9,41 Millionen, Dresden mit Gorniak, Winkler und Schnabel bei 9,37 Millionen. Schon diese Lücke von mehr als 3,3 Millionen Zuschauern zeigt, dass Münster nicht nur knapp vorne liegt, sondern in einer eigenen Quotenliga spielt.
Besonders auffällig ist der Marktanteil: Die sieben Münster-Fälle kamen im Mittel auf 40,97 Prozent. Keine andere Reihe erreichte auch nur annähernd diese Dimension. Köln lag bei 31,21 Prozent, Stuttgart mit Lannert und Bootz bei 30,85 Prozent, München mit Batic und Leitmayr bei 30,37 Prozent und Dresden bei 30,22 Prozent. Münster war also nicht nur absolut stark, sondern auch relativ zum jeweiligen Fernsehabend überragend.
Allerdings muss man die Jahreszeit einrechnen. In den Wintermonaten sitzen traditionell mehr Menschen vor dem Fernseher, während Mai, Juni oder September schwächere Reichweiten begünstigen. Die Monatsdurchschnitte der Liste belegen das klar: Im November wurden im Schnitt 9,38 Millionen Zuschauer erreicht, im Dezember 9,23 Millionen, im Januar 9,06 Millionen und im März 9,26 Millionen. Im Juni lag der Schnitt dagegen nur bei 6,97 Millionen, im Mai bei 7,78 Millionen und im September bei 7,91 Millionen. Deshalb ist es wichtig, nicht nur die Roh-Reichweite zu betrachten.
Auch nach einer einfachen Monatsbereinigung bleibt Münster vorne. Thiel und Boerne kommen saisonal normalisiert auf 12,02 Millionen Zuschauer. Dahinter rücken die Abstände etwas zusammen: Lindholm und Schmitz landen bei 9,17 Millionen, Köln bei 9,06 Millionen, Franken mit Voss und Ringelhahn bei 8,94 Millionen, Dresden bei 8,92 Millionen, Stuttgart bei 8,87 Millionen und München bei 8,86 Millionen. Der Münster-Vorsprung schrumpft also leicht, bleibt aber riesig.
Der erfolgreichste einzelne Film der Liste war „MagicMom“ aus Münster mit 13,93 Millionen Zuschauern und 40,5 Prozent Marktanteil. Dahinter folgten ebenfalls Münster-Fälle: „Ein Freund, ein guter Freund“ mit 13,63 Millionen, „Unter Gärtnern“ mit 13,32 Millionen, „Fiderallala“ mit 12,51 Millionen und „Die Erfindung des Rades“ mit 12,20 Millionen. Erst danach kamen „Man stirbt nur zweimal“ mit 11,97 Millionen und „Der Mann, der in den Dschungel fiel“ mit 11,61 Millionen – ebenfalls Münster. Der erste Nicht-Münster-Fall war „Spur des Blutes“ aus Köln mit 11,05 Millionen.
Auch beim jungen Publikum bleibt Münster vorn. Thiel und Boerne erreichten im Schnitt 2,33 Millionen 14- bis 49-Jährige und 31,59 Prozent Marktanteil. Dahinter folgte Dortmund mit Faber, Pawlak und Herzog bei 1,89 Millionen jungen Zuschauern und 24,67 Prozent. Dresden kam auf 1,83 Millionen und 24,59 Prozent, Köln auf 1,62 Millionen und 23,15 Prozent. Auch hier ist Münster also nicht nur ein älteres Reichweitenphänomen, sondern weiterhin sehr breit anschlussfähig.
Interessant ist das Mittelfeld. Köln hatte mit zwölf Filmen die größte Fallzahl und kam trotz einzelner Ausreißer nach unten auf starke 9,41 Millionen Zuschauer. „Freddy tanzt“ drückte den Schnitt mit 6,97 Millionen deutlich, während „Spur des Blutes“ 11,05 Millionen erreichte. Stuttgart war mit 9,00 Millionen sehr konstant, Dresden mit 9,37 Millionen ebenfalls stark, profitierte aber davon, dass alle fünf Fälle des Teams Gorniak/Winkler/Schnabel in den zuschauerstärkeren Monaten liefen.
Bei den schwächeren Reihen muss man besonders auf die Terminlage achten. Janneke und Brix kamen in Frankfurt auf nur 6,43 Millionen Zuschauer, liefen aber ausschließlich außerhalb der klassischen Wintermonate. Murot und Wächter erreichten 6,32 Millionen. Bremen mit Moormann und Selb lag bei 7,18 Millionen, Zürich mit Grandjean und Ott bei 7,39 Millionen. Der schwächste Einzelwert war „Schattenleben“ aus Bremen mit 4,68 Millionen und 18,5 Prozent Marktanteil.
Das Fazit ist eindeutig: Selbst wenn man den Wintervorteil herausrechnet, bleibt Münster die erfolgreichste «Tatort»-Reihe. Köln, Dresden, Stuttgart, München und Kiel bilden ein starkes Verfolgerfeld, aber Thiel und Boerne spielen auf dem normalen Sonntagabend weiterhin in einer eigenen Klasse.
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