Filme des Grauens: «Jeepers Creepers: Reborn»

Null Prozent bei Rotten Tomatoes, Rechtsstreitigkeiten und ein Monster vor Greenscreen-Kulissen: Dieses Reboot wurde zum Totalschaden.

Es gibt schlechte Horrorfilme. Und dann gibt es Filme, bei denen man sich fragt, ob überhaupt jemand am Set jemals überprüft hat, wie das Ganze aussieht. «Jeepers Creepers: Reborn» aus dem Jahr 2022 gehört klar zur zweiten Kategorie. Das vierte Abenteuer des geflügelten Monsters „The Creeper“ sollte die langlebige Horrorreihe modernisieren, ein neues Publikum ansprechen und die Franchise nach Jahren voller Kontroversen neu starten. Heraus kam ein Film, der aussieht, als wäre er in einer verlassenen Lagerhalle vor einem Greenscreen gedreht worden – mit Dialogen, die wirken, als hätte sie eine KI in fünf Minuten zusammengeschrieben.

Die Handlung folgt dem Paar Laine und Chase, das zu einem Horror-Festival nach Louisiana reist. Dort gibt es natürlich einen Escape Room, seltsame Okkultisten, Visionen, eine mysteriöse Schwangerschaft und irgendwann den Creeper, der wieder Jagd auf Menschen macht. Der Film versucht verzweifelt, moderne Horrortrends zu kombinieren: Meta-Horror, Escape-Room-Elemente, Social-Media-Atmosphäre und übernatürliche Mythologie. Doch nichts davon funktioniert wirklich.

Schon früh fällt auf, wie künstlich alles aussieht. Viele Szenen wirken, als stünden die Figuren vor digitalen Hintergründen aus einem billigen Computerspiel. Selbst Fans der Reihe waren schockiert darüber, wie unfertig der Film aussah. Die ursprünglichen «Jeepers Creepers»-Filme lebten zumindest von staubiger Landstraßen-Atmosphäre, praktischen Effekten und einem unangenehmen Südstaaten-Horrorfeeling. «Reborn» dagegen sieht aus wie ein Streamingfilm, der nie hätte veröffentlicht werden dürfen.

Besonders bitter: Die Reihe hatte trotz aller Probleme eigentlich Kultstatus erreicht. Der erste «Jeepers Creepers» aus dem Jahr 2001 wurde für seine bedrohliche Stimmung und den Creeper als Horrorfigur durchaus geschätzt. Doch die Franchise wurde immer wieder überschattet durch die Geschichte von Regisseur Victor Salva, der wegen schwerer Straftaten gegen Minderjährige verurteilt worden war. Viele Zuschauer lehnten die Filme deshalb grundsätzlich ab. «Reborn» sollte nun erstmals ohne direkte kreative Beteiligung von Salva funktionieren – ironischerweise ging genau das komplett schief.

Regie führte Timo Vuorensola, der zuvor mit der trashigen Science-Fiction-Satire «Iron Sky» bekannt geworden war. Damals galt Vuorensola noch als Regisseur mit schrägen Ideen und Spaß an B-Movie-Übertreibungen. Doch hier wirkt selbst er seltsam lustlos. Der Film hat weder den Wahnsinn eines echten Trashfilms noch die Spannung eines ernsthaften Horrorfilms. Stattdessen zieht sich alles durch sterile Räume, hektische Schnitte und billige CGI-Effekte.

Die Hauptrollen übernahmen Sydney Craven und Imran Adams. Beide konnten sich durch den Film kaum profilieren. Craven hatte zuvor eher kleinere Rollen gespielt, Adams kam aus dem britischen Fernsehen. Große Hollywood-Karrieren entstanden daraus wenig überraschend nicht. Selbst Horrorlegende Dee Wallace, bekannt aus «E.T.» und zahllosen Genreproduktionen, hat hier nur einen kurzen Auftritt, der eher wie ein verzweifelter Versuch wirkt, dem Film etwas Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Besonders peinlich wurde die Produktion hinter den Kulissen. Die Rechte an der Reihe waren offenbar so chaotisch, dass es sogar zu Klagen kam. Die Firma Myriad Pictures behauptete, «Jeepers Creepers: Reborn» sei praktisch ohne ordnungsgemäße Rechte produziert worden. Der Film wurde teilweise als „unauthorisierter Fanfilm“ bezeichnet – keine Formulierung, die man normalerweise bei einer offiziellen Kinoveröffentlichung lesen möchte.

Auch finanziell blieb der Erfolg überschaubar. Zwar spielte der Film weltweit rund 6 Millionen Dollar ein, doch das interessierte kaum jemanden. Viel Aufmerksamkeit bekam stattdessen das vernichtende Echo: null Prozent bei Rotten Tomatoes. Das schaffen selbst schlechte Horrorfilme selten. Kritiker bezeichneten das Werk als hässlich, spannungsfrei und unfreiwillig komisch. Manche verglichen die Optik mit billigen YouTube-Fanfilmen.

Und trotzdem ist «Jeepers Creepers: Reborn» auf eine seltsame Weise faszinierend. Nicht, weil der Film gut wäre – das ist er definitiv nicht. Sondern weil er exemplarisch zeigt, wie moderne Franchise-Wiederbelebungen scheitern können. Hier wurde offenbar geglaubt, dass ein bekannter Titel allein reicht. Atmosphäre? Figuren? Spannung? Offensichtlich zweitrangig. Am Ende bleibt ein Horrorfilm, der seinem Monster fast alles nimmt, was es einmal interessant gemacht hat. Der Creeper wirkt nicht mehr bedrohlich, sondern wie eine Figur aus einem mittelmäßigen Videospiel-Zwischensequenzvideo. Das ist vielleicht die größte Sünde eines Horrorfilms: Nicht schlecht zu sein, sondern langweilig. «Jeepers Creepers: Reborn» ist deshalb weniger ein Neustart als eine öffentliche Beerdigung der Reihe.
06.06.2026 12:42 Uhr Kurz-URL: qmde.de/171591
Sebastian Schmitt

super
schade


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Jeepers Creepers: Reborn Jeepers Creepers Reborn Iron Sky E.T.

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