In «Ein starkes Team» spielt Leonard Kunz einen Mann zwischen Trauer, Wut und Verdacht. Im Interview spricht er über moralische Grauzonen, psychologische Belastung und Figuren, die sich nicht eindeutig erklären lassen.
Herr Kunz, Sie spielen in «Ein starkes Team» Falk Weber, den Bruder des Mordopfers. Was hat Sie an dieser Figur besonders gereizt?
Dass er sich nicht sofort erklärt. Viel liegt unter der Oberfläche – und genau da wird’s spannend. Kein klarer Typ, eher jemand, der arbeitet, ohne dass man es gleich sieht.
Falk steht schnell im Fokus der Ermittlungen. Wie haben Sie diese Mischung aus Trauer, Wut und möglicher Schuld angelegt?
Ich hab versucht, nichts zu glätten. Wenn du jemanden verlierst, bist du kein sauber sortierter Mensch mehr. Da ist Chaos – und das darf man sehen.
Die Beziehung zwischen Falk und seiner Schwester Amina scheint konfliktgeladen gewesen zu sein. Wie wichtig ist dieses familiäre Spannungsfeld für die Geschichte?
Sehr. Familie ist der Ort, wo Nähe und Verletzung am dichtesten beieinander liegen. Das gibt der Figur Gewicht – und macht die Geschichte ehrlich.
Ihr Charakter bewegt sich in einem moralisch ambivalenten Umfeld. War es Ihnen wichtig, Falk nicht eindeutig zu zeichnen?
Absolut. Ich glaube nicht an „gut“ oder „böse“. Wenn man zu schnell weiß, wer jemand ist, wird’s langweilig. Falk darf Fragen offenlassen.
In vielen Szenen geht es um emotionale Ausnahmesituationen. Wie bereitet man sich als Schauspieler auf solche intensiven Momente vor?
Mit Ruhe. Weniger Kontrolle, mehr Vertrauen. Du kannst Emotion nicht planen – du musst sie zulassen.
«Ein starkes Team» ist eine etablierte Krimireihe mit klaren Strukturen. Wie war es für Sie, in dieses eingespielte Ensemble einzusteigen?
Sehr entspannt. Viel Erfahrung am Set, wenig Ego. Du gehst rein, machst deinen Job, und wirst getragen.
Der Fall dreht sich auch um wirtschaftliche Interessen und Betrug im Wohnungsmarkt. Wie stark haben Sie sich mit diesen gesellschaftlichen Themen auseinandergesetzt?
Das ist kein abstraktes Thema. Das passiert gerade überall. Mir war wichtig, dass man die Menschen dahinter spürt.
Falk wirkt teilweise unberechenbar. Wie findet man die Balance zwischen Bedrohlichkeit und Nachvollziehbarkeit?
Ich urteile nicht über ihn. Ich spiele ihn ehrlich. Der Rest entsteht von allein – und manchmal wird genau das als bedrohlich empfunden.
Sie haben in den letzten Jahren viele markante Rollen gespielt. Was unterscheidet Falk Weber von Ihren bisherigen Figuren?
Er ist reduzierter. Mehr nach innen. Weniger Lautstärke, mehr Druck. Er hält aus – und das kann gefährlich sein.
Wie wichtig ist es für Sie, dass auch Nebenfiguren wie Falk eine eigene Geschichte und Tiefe bekommen?
Sehr. „Nebenfigur“ ist nur ein Begriff. Für die Figur selbst ist sie immer die Hauptrolle – und genau so sollte man sie auch behandeln.
Und persönlich – wie bleiben Sie bei solchen Rollen stabil?
Ich merke immer mehr, wie wichtig es ist, mich auch im Bereich Psychologie weiterzubilden. Mein Job verlangt, in extreme Zustände einzutauchen und sie glaubwürdig zu halten – ohne sich selbst darin zu verlieren. Da hilft Wissen, aber auch Disziplin. Am Ende geht’s darum, offen zu sein, aber trotzdem bei sich zu bleiben.
Danke!
Das ZDF strahlt «Ein starkes Team» am Samstag, 16. Mai, um 20.15 Uhr aus. „Mörderische Gier“ ist seit 9. Mai in der ZDFmediathek abrufbar.
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