Christian Oberfuchshuber sorgt beim diesjährigen «Eurovision Song Contest» in Wien als Warm-Upper für Stimmung in der Halle. Im Interview spricht er über Zeitdruck, internationale Fans und warum er den ESC genauso ernst nimmt wie jede andere Show.
Herr Oberfuchshuber, Sie betreuen beim diesjährigen «Eurovision Song Contest» gleich neun Shows als Warm-Upper – was genau umfasst diese Aufgabe hinter den Kulissen?
Nachdem ich bereits vor elf Jahren in Wien dabei sein durfte, freue ich mich sehr, dass der ORF auch dieses Jahr wieder angefragt und mich dabei haben wollte. Das ist natürlich eine wahnsinnige Ehre, ein Teil der größten TV-Show der Welt zu sein. Die Zusammenarbeit ist, wie damals, sehr intensiv. Der ORF will nicht nur ein klassisches Warm-up haben, sondern eine richtige Pre-Show, um die Fans in der Halle bestmöglich zu unterhalten, bevor die Shows starten. Und da haben wir in unserem kleinen Team wieder ein Konzept erarbeitet, das den Zuschauern hoffentlich viel Spaß machen wird. Wir werden auch eine Kiss-Cam haben, mit der Hoffnung, dass dadurch keine Ehe zu Bruch gehen werden, wie beim Coldplay Konzert.
Der ESC ist ein hochgetaktetes Live-Event mit Millionenpublikum. Wie bereitet man sich mental und inhaltlich auf diese besondere Rolle vor?
Wir werden die Zuschauer in der Halle zweisprachig unterhalten und uns die Bälle zuwerfen. Meine Kollegin Sylvia Graf mit ihrem charmanten Wienerisch, ich werde den englischen Part moderieren. Und zusammen werden wir sogar „Merci Cheri“ singen. Mehr zum Inhalt wird aber nicht verraten. Generell sind beim «ESC» ja nur gut gelaunte Fans anzutreffen, die Lust auf die Show und eine bunte Party haben. Dass die Show im Anschluss von zig Millionen Menschen weltweit gesehen wird, macht uns nicht wirklich nervös - wir freuen uns einfach auf einen tollen Musikwettbewerb mit guter Stimmung.
Sie arbeiten mit einem internationalen Publikum. Funktioniert Humor beim «ESC» anders als bei rein deutschsprachigen Shows?
Laut den Kartenverkäufen werden wir zu 60 Prozent ein deutschsprachiges Publikum haben. Das heißt, dass wir die klassischen Warm-up-Gags ruhig raushauen können - und auch werden. Die Erfahrung hat gezeigt, dass auch das internationale Publikum drüber lacht, wenn ich die Gags im Anschluss übersetze.
Wie viel Ihrer Arbeit ist spontan – und wie viel ist tatsächlich geplant und einstudiert?
In der Regel ist mein Warm-up grundsätzlich spontan und ohne Drehbuch. Da wir hier aber kein klassisches Warm-up, sondern eine eigene Pre-Show mit diversen Programmpunkten in einer Doppelmoderation auf Deutsch und Englisch machen, gibt es schon ein genaues Script und Abläufe, damit jeder weiß wo wir gerade sind. Zumal wir auch unsere Zeiten exakt einhalten müssen, damit wir pünktlich 10 Sekunden vor Showstart fertig sind.
Beim «ESC» geht es oft um Sekunden. Wie gelingt es Ihnen, das Publikum in kürzester Zeit in die richtige Stimmung zu bringen?
Der Ton macht die Musik - vor allem bei einer Musikshow. Wir werden sehr viel mit Musik arbeiten und damit die Stimmung in der Wiener Stadthalle anheizen.
Sie betreuen gleich mehrere Shows innerhalb weniger Tage. Wie schaffen Sie es, die Energie konstant hochzuhalten?
Ich bin von Haus aus eine Rampensau und stehe grundsätzlich unter Strom - und brenne für meinen Job. Von daher fällt es mir nicht schwer, jeden Tag aufs neue Vollgas zu geben. Und das Privileg, bei diesem Event dabei sein zu dürfen, motiviert mich zusätzlich.
Gibt es Momente, in denen ein Warm-Upper auch improvisierend eingreifen muss, etwa bei technischen Pannen oder Verzögerungen? Oder beim Ausbuhen von Israel?
Wir sind ja live. Auch jede Probe wird wie eine Liveshow behandelt. Von daher ist es nicht geplant, dass ich dann nochmal auf die Bühne gehen muss, sollte die LED-Wand ausfallen. Und sollte tatsächlich ein Teilnehmer ausgebuht werden, was ich natürlich nicht hoffe, liegt es dann auch nicht in meiner Hand. Ich weise im Vorfeld natürlich auch auf das Fairplay hin und versuche, eine harmonische & gute Partystimmung zu erzeugen.
Sie haben bereits mehrere hundert Formate begleitet. Was unterscheidet den «ESC» von anderen großen TV-Produktionen?
Der Aufwand und das ganze Tohuwabohu um die Show ist jedes Jahr enorm - egal ob bei den Finals oder den deutschen Vorentscheiden, bei denen ich in der Regel auch immer dabei bin. Die Stimmung ist einfach eine ganz andere weil jeder weiß, wir machen hier wirklich ein großes internationales Event. Jedoch nehme ich den «ESC» genauso ernst wie eine Comedyshow bei uns. Ich will dort einen guten Job machen.
Seit dem vergangenen Jahr sind Sie mit «Bitte lächeln» auch selbst als Moderator im Fernsehen zu sehen. Wie hat diese Erfahrung Ihren Blick auf Ihre Arbeit verändert?
Seit September darf ich die Clipshow «Bitte lächeln» auf Sport1 moderieren. Und das macht wahnsinnig Spaß, weil wir wirklich komplette freie Hand in der Gestaltung der Sendung haben. Einfluss auf Warm-up-Jobs oder andere Eventmoderationen hat das nicht. Höchstens, dass ich jetzt mehr Autogramme geben muss.
Die Show läuft mit eher überschaubarem Erfolg – gehen Sie mit solchen Erfahrungen bewusst um oder haken Sie das schnell ab?
Bitte? Wir sind das erfolgreichste Entertainment-Format bei Sport1 und laufen teilweise drei Mal pro Tag. Und fast immer belegen wir dann die Plätze 1 bis 3 unter den erfolgreichsten Sendungen des Tages von Sport1. Dabei bewegen wir uns auch immer auf Augenhöhe des Senderschnitts. Nur wenn «Doppelpass», Frauenfußball, Darts oder andere Sporthighlights laufen, rutschen wir etwas runter in der Tabelle. Von daher ist der Erfolg unserer Show durchaus beachtlich. Und ich weiß, dass auch andere Sender unsere Quotenkurve ganz genau beobachten.
Viele Zuschauer unterschätzen die Rolle eines Warm-Uppers. Was würden Sie sagen: Wie entscheidend sind Sie für die Atmosphäre einer Live-Show?
Natürlich ist der Inhalt der Show das Hauptkriterium, wie die Stimmung während der Show ist. Wenn das Studiopublikum eine Show langweilig findet, kann auch ein guter Warm-upper nichts dran ändern. Dennoch ist ein gutes Warm-up unabdingbar, um erstmal eine gute Grundstimmung zu erzeugen, damit die Zuschauer gelöst und voller Vorfreude in die Aufzeichnung oder Liveshow gehen. Und natürlich ist unser Job auch, die Stimmung hochzuhalten - gerade wenn‘s mal wieder länger dauert. Das wird dann oft unterschätzt. Aber in meinen nunmehr 28 Jahren in diesem Geschäft habe ich mir ein gewissen Repertoire und Tricks erarbeitet, wie man das Publikum trotzdem noch bei Laune halten kann, auch wenn‘s mal wieder länger dauert.
Wenn Sie auf Ihre Karriere blicken: Zieht es Sie künftig stärker vor die Kamera – oder reizt Sie weiterhin die Arbeit hinter den Kulissen mehr?
Ich finde den aktuellen Mix aus meinen Jobs vor und hinter der Kamera eigentlich gerade perfekt. Mir macht beides wahnsinnig Spaß. Sollte durch den Erfolg von «Bitte lächeln» noch mehr interessante Angebote für vor der Kamera kommen, würde ich wohl nicht nein sagen. Dass ich eine gute Quote bringen kann, habe ich ja bereits bewiesen. Daher spekuliere ich, eigentlich wie jedes Jahr, auf einen Fernsehpreis. Verdient hätte mein Team und ich es auf jeden Fall. Oder den Grimme Preis. Ich würde mich auch über die Tuttlinger Krähe, den Heinz Schenk Preis oder das Scharfrichterbeil freuen. Vermutlich bekomme ich aber nur die Dino-Tasse meiner Tochter überreicht - aber das ist eh mehr wert.
Danke für Ihre Zeit!
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