ZDF blickt auf deutsche Rentner in der Türkei

Eine neue «ZDF.reportage» zeigt, warum immer mehr Ruheständler ihr Glück an der türkischen Riviera suchen – und welche Probleme entstehen.

Mit der «ZDF.reportage: Rentnerglück Türkei – Viel Sonne fürs Geld» widmet sich ZDF am Samstag, 6. Juni 2026, um 17.35 Uhr einem Phänomen, das seit Jahren wächst: Deutsche Rentner, die ihren Lebensabend im Ausland verbringen. Der Film von Enrico Demurray und Charlotte Gerling ist bereits ab 5. Juni in der Mediathek abrufbar und zeichnet ein differenziertes Bild zwischen Sehnsucht nach Sonne und den Herausforderungen des Alltags.

Im Zentrum steht die Stadt Alanya an der türkischen Riviera, wo rund 9.200 Deutsche leben – viele von ihnen im Ruhestand. Die Attraktivität liegt auf der Hand: ein mildes Klima, unmittelbare Nähe zum Meer und im Vergleich zu Deutschland lange Zeit deutlich niedrigere Lebenshaltungskosten. Gerade Letztere haben viele Auswanderer angelockt, doch die Reportage zeigt auch, dass dieses Argument zunehmend an Gewicht verliert.

Ein Beispiel sind Herbert und Petra, die vor fünf Jahren aus Dresden nach Alanya gezogen sind. Früher betrieben sie eine Tanzschule, heute genießen sie ihren Ruhestand – inklusive regelmäßiger Tanznachmittage beim „Alanya Treff Germany“. Rund 40 Deutsche kommen dort zusammen, um Kontakte zu pflegen und ein Stück Heimat zu bewahren. Die Reportage macht deutlich, wie wichtig solche Gemeinschaften für viele Auswanderer sind. „In der Fremde sucht man sich Anschluss“, heißt es sinngemäß – ein Motiv, das sich durch viele der porträtierten Geschichten zieht.

Gleichzeitig zeigt der Film, dass das Leben im vermeintlichen Rentnerparadies nicht frei von Sorgen ist. Heidi, die ebenfalls seit mehreren Jahren in der Türkei lebt, berichtet von der steigenden Inflation, die zuletzt offiziell bei rund 35 Prozent lag. Zwar profitieren viele deutsche Rentner davon, dass sie ihre Bezüge in Euro erhalten, doch die Preissteigerungen sind auch für sie spürbar – und für die lokale Bevölkerung oft noch drastischer.

Ein besonders sensibles Thema ist die Gesundheitsversorgung. Anita und Jürgen, die seit 17 Jahren in der Türkei leben, denken inzwischen über eine Rückkehr nach Deutschland nach. Nicht aus finanziellen Gründen, sondern wegen der medizinischen Betreuung. Zwar seien die Ärzte kompetent, doch die Abläufe in den Kliniken wirkten für sie oft unübersichtlich. Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede erschweren den Alltag zusätzlich – gerade im Alter ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Die Reportage liefert damit mehr als nur Postkartenbilder vom Leben unter südlicher Sonne. Sie zeigt die Ambivalenz eines Lebensmodells, das auf den ersten Blick verlockend erscheint, bei genauerem Hinsehen aber zahlreiche Herausforderungen mit sich bringt. Viele Deutsche bewegen sich zwischen zwei Welten: Sie genießen die Vorteile des Auslands, bleiben aber emotional und organisatorisch eng mit Deutschland verbunden – etwa durch gemeldete Wohnsitze oder soziale Netzwerke.
03.05.2026 08:05 Uhr Kurz-URL: qmde.de/171322
Fabian Riedner

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