Vier Südfranzosen gründen einen Escort-Service: Die neue ZDFneo-Serie macht daraus eine herzerwärmende Comedy-Serie.
Serien wie «Escort Boys» wollen nicht einmal so tun, als hätten sie ihre Kanten poliert. Sie kommen eher mit einem Achselzucken daher, einem verschmitzten Grinsen – und einem Plot, der so unerquicklich wie reizvoll ist: Vier junge Männer gründen in der südfranzösischen Camargue einen Escort-Service, um eine verschuldete Imkerei zu retten.
Das klingt zunächst wie ein Pitch, der bei einer schlecht gelaunten Redaktionskonferenz zwischen zwei Espressi entstehen könnte. Und doch liegt genau darin die Stärke dieser französischen Dramedy, die nun auch ihren Weg zu ZDFneo gefunden hat: Sie nimmt ihren absurden Ausgangspunkt ernst genug, um daraus echte Figuren zu formen – und nicht bloß Karikaturen.
Im Zentrum steht Ben, ein Schauspieler mit überschaubarem Erfolg und umso größeren Sorgen. Nach dem Tod seines Vaters bleibt ihm wenig Zeit für Trauer, denn die Familienimkerei steht kurz vor dem Ruin, das Jugendamt schaut vorbei, und irgendwo zwischen Verantwortung und Überforderung blitzt dann diese eine Idee auf: Wenn schon alles verkauft werden muss – warum nicht auch ein bisschen Körper?
Das hätte nun unerquicklich zynisch werden können. Oder platt. Oder beides. Aber «Escort Boys» entscheidet sich für einen anderen Weg: Das Format balanciert erstaunlich leichtfüßig zwischen Humor, Melancholie und einer gewissen, ja, fast altmodischen Wärme. Das liegt vor allem daran, dass die Serie ihre Figuren nie verrät. Die vier Männer, die ihr Zentrum ausmachen, – Ben, Ludo, Zak und Mathias – stolpern nicht einfach durch eine Aneinanderreihung erotischer Episoden, sondern durch ein Leben, das sie sichtbar überfordert.
Und genau hier entfaltet sich ein Tonfall, der irgendwo zwischen französischer Nonchalance und leiser Tragikomik liegt: etwa in einem Moment, in dem jemand eine Entscheidung trifft, die objektiv betrachtet komplett daneben ist – aber subjektiv vollkommen nachvollziehbar. «Escort Boys» hat ein gutes Gespür für diese Situationen. Für das Dazwischen. Für die kleinen Niederlagen, die man sich schönredet, und die großen Hoffnungen, die plötzlich ganz banal wirken.
Natürlich ist das alles auch ein Spiel mit Rollenbildern. Männer als Ware, Frauen als zahlende Kundschaft – die Serie dreht das bekannte Machtgefüge einmal um und beobachtet dann, was passiert. Dabei geht es weniger um Provokation als um Perspektivwechsel. Die Begegnungen mit den Kundinnen sind oft überraschend zärtlich, manchmal absurd, gelegentlich auch unbequem, aber selten voyeuristisch.
Das ist vielleicht die größte Überraschung: «Escort Boys» interessiert sich weniger für den Skandal als für die Menschen dahinter. Für ihre Einsamkeit, ihre Sehnsucht, ihre Versuche, sich selbst irgendwie zu erklären. Die Escort-Idee ist letztlich nur der Katalysator für eine Geschichte über Verantwortung, Familie und das diffuse Gefühl, dass das Leben einen gerade überholt hat.

Visuell badet das Format dabei genüsslich im südfranzösischen Licht. Die Camargue wirkt nicht wie eine Postkarte, sondern wie ein Ort, an dem Dinge passieren – auch solche, über die man lieber nicht spricht. Das gibt der Serie eine Erdung, die ihr gut steht. Der Humor ist derweil kein Klamauk, keine Pointe mit Ansage, sondern eher das trockene, manchmal fast beiläufige Komische. Wenn etwa ein erster Escort-Auftrag weniger glamourös verläuft als gedacht oder das Doppelleben erste Risse bekommt, dann entsteht daraus keine große Farce, sondern ein leises, oft sehr treffendes Bild menschlicher Verlegenheit.
Am Ende ist «Escort Boys» nämlich keine Serie über Sex, sondern über das, was Menschen tun, wenn ihnen die Optionen ausgehen – und sie trotzdem irgendwie weitermachen. Vielleicht ist das die eigentliche Pointe: Dass ausgerechnet eine Geschichte über bezahlte Nähe so viel ehrliche, unbezahlte Emotion enthält. Und dass sie dabei nie vergisst, wie absurd das alles eigentlich ist.
Die Serie «Escort Boys» wird am Dienstag, den 21. April um 22.45 Uhr in ZDFneo ausgestrahlt.
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