Während deutsche Castingformate schwächeln, liefert TF1 mit «Star Academy» konstant starke Quoten und begeistert vor allem junge Frauen.
Die von John de Mol Jr. und Tim van Rongen im Jahr 2000 entwickelte Fernsehshow
«Star Academy» hat in den Niederlanden nur ein Jahr überlebt. Gijs Staverman konnte die 82-teilige Show bei Veronica nicht zum Erfolg führen. Bei BBC One und BBC Three war die von Patrick Kiety und Cat Deeley präsentierte Sendung «Fame Academy» ebenfalls kein wirklicher Hit. In Deutschland versuchte sich RTLZWEI an dem Format, jedoch wurde die Produktion nach einem Jahr abgebrochen. Trotz erster Rückschläge konnte EndemolShine die Show unter anderem nach Thailand, Taiwan, die Ukraine und Polen verkaufen.
In Frankreich hingegen ist die Show weiterhin ein großer Erfolg. Bereits 13 Staffeln sind seit dem 20. Oktober 2001 produziert worden. Das Format wurde im Dezember 2008 zunächst abgesetzt, ehe es vom Sender NRJ 12 übernommen wurde. Seit 2021 ist das Format wieder bei TF1 zu Hause und fährt starke Werte ein. Die Show kam gerade in Frankreich so gut an, weil sich das Konzept von anderen Länderversionen unterscheidet. Die Kandidatinnen und Kandidaten streben nicht zwingend eine Gesangskarriere an, der Sender arbeitet daher ohne große Superlative. Außerdem sind die Teilnehmenden älter und die musikalische Vielfalt ist größer. Der Sender richtet sich gezielt an Frauen unter 50 Jahren. Bei der Show handelt es sich um eine Mischung aus «Deutschland sucht den Superstar» und «Big Brother».
Eine 14. Staffel wird im Herbst starten, weil TF1 mit den Quoten sehr zufrieden ist. Der Gewinner der Show erhält 100.000 Euro (früher 1.000.000 Euro), einen Vertrag mit Sony Music France sowie eine Tour. In der vergangenen Staffel setzte sich Amber Jadah unter 17 Schülern durch, die Show war 16 Wochen im Fernsehen zu sehen. Der Auftakt erfolgte am Samstag, den 18. Oktober 2025, um 21.10 Uhr. 3,26 Millionen Menschen schalteten in der ersten Stunde ein, danach blieben 2,50 Millionen Zuschauer bis 23.45 Uhr dran. Die Marktanteile lagen bei 18,1 und 19,6 Prozent, bei den Frauen unter 50 Jahren wurden 34,8 sowie 36,1 Prozent eingefahren.
Die im Anschluss gesendete Aftershow sahen zwischen 23.50 und 00.50 Uhr noch 0,93 Millionen Fernsehzuschauer, der Marktanteil lag bei 16,9 Prozent – ein sehr starkes Ergebnis. TF1 dominierte damit fast wöchentlich den Samstagabend beim Gesamtpublikum in der TV-Saison 2025/2026. Am Montag, den 20. Oktober, begann um 17.25 Uhr die Tageszusammenfassung. Diese startete mit 1,59 Millionen Zuschauern und 16,6 Prozent. Bei den jungen Frauen war sogar ein Wert von 34,3 Prozent möglich. Selbst über Weihnachten schalteten zwischen 1,38 und 1,58 Millionen Zuschauer ein, die letzten Folgen erreichten noch 1,22 Millionen auf dem werktäglichen Sendeplatz – wohlgemerkt bei über 110 Ausgaben.
Am Samstagabend fuhr TF1 mit «Star Academy» mindestens 2,31 Millionen Zuschauer ein, Anfang Januar wurden sogar 3,86 Millionen gemessen. Gerade am Samstagabend schickt der öffentlich-rechtliche Sender France 2 Versionen der Spielshows «The Floor» und «Das 1% Quiz» ins Rennen, um der Gesangsshow Paroli zu bieten. Doch die TF1-Produktion aus dem Banijay-Katalog erreichte im Durchschnitt 3,05 Millionen Zuschauer in der ersten Stunde, der Marktanteil lag bei guten 16,7 Prozent. Bei den Frauen unter 50 Jahren wurden 33,6 Prozent verbucht. Der zweite Teil, der sich bis Mitternacht erstreckte, wurde von 2,69 Millionen Zuschauern verfolgt. Die Marktanteile stiegen auf 22,5 Prozent bei allen sowie 39,4 Prozent bei den kaufkräftigen Frauen unter 50 Jahren. Sollte «Deutschland sucht den Superstar» weiterhin nur mittelmäßig laufen, könnte die RTL-Geschäftsführung durchaus über einen zweiten Versuch mit diesem Format nachdenken.
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