‚Kein Rebell, sondern ein Pragmatiker‘ – Stephan Zinner über «Himmel, Herrgott, Sakrament»

Mit der zweiten Staffel von «Himmel, Herrgott, Sakrament» kehrt Pfarrer Hans Reiser zurück – und steht vor neuen persönlichen und institutionellen Konflikten. Stephan Zinner spricht über Glauben im Alltag, die Balance zwischen Humor und Ernst – und warum seine Figur Kirche anders denkt.

Herr Zinner, die erste Staffel von «Himmel, Herrgott, Sakrament» war ein enormer Erfolg mit sehr starken Quoten in Bayern. Spürt man beim Dreh einer zweiten Staffel einen besonderen Druck – oder eher Rückenwind?
Nein, Druck überhaupt nicht. Rückenwind ist ein schönes Wort – und genau den haben wir gespürt. Die Bücher von Franz waren und sind super, und so haben wir wunderbar arbeiten können.

Pfarrer Hans Reiser ist nun offiziell mit Lisa zusammen. Wie verändert diese Beziehung die Figur – und vielleicht auch die Tonalität der Serie?
Das ändert natürlich einiges. Für Hans Reiser ist es etwas vollkommen Neues. Und wie immer, wenn etwas neu ist, macht man nicht alles richtig bzw. braucht es da eine gewisse Lernphase.

Der Kardinal fordert eine Entscheidung zwischen Priesteramt und Liebesbeziehung. Ist dieser Konflikt für Reiser eher eine moralische oder eine institutionelle Frage?
Oha, da möchte ich nicht zu viel verraten … das müssen Sie sich anschauen!

Die Serie verbindet Humor mit ernsthaften gesellschaftlichen Themen – etwa Flüchtlingshilfe, kirchliche Regeln oder Resozialisierung. Wie wichtig ist dieser Spagat für das Format?
Der ist sehr wichtig. Das ist halt auch genau das, was Franz hervorragend kann. Und bei der Umsetzung hat er uns – also Anne Schäfer und mir – sehr geholfen. Er hat da eine klare Vorstellung, und es ist spannend, daran, also an diesem Spagat, zusammenzuarbeiten.

Hans Reiser kümmert sich in der neuen Staffel unter anderem um eine Selbsthilfegruppe für Ex-Kriminelle. Was sagt das über seine Vorstellung von Kirche und Nächstenliebe?
Ich glaube, das zeigt ganz gut, dass Reiser Kirche nicht als etwas Abgeschlossenes versteht, sondern als einen Ort, der sich gerade um die kümmert, die sonst eher durchs Raster fallen. Ihm geht’s weniger um große Worte, sondern eher um das konkrete Dasein für Menschen – auch oder gerade dann, wenn deren Lebenslauf nicht ganz geradlinig war.

Der Konflikt zwischen Reiser und Kardinal Brunnenmayr scheint sich deutlich zuzuspitzen. Wie würden Sie die Beziehung der beiden beschreiben – eher Vater-Sohn-Konflikt oder Machtkampf?
Ich finde, es ist von beidem ein bissl. Da gibt es schon Momente, die fast etwas Väterliches haben. Gleichzeitig ist es aber auch ein klassischer Konflikt zwischen zwei sehr unterschiedlichen Vorstellungen davon, was Kirche heute sein soll.

Die Serie basiert auf Erfahrungen von Rainer Maria Schießler. Wie stark spürt man beim Spielen, dass viele Situationen aus realen kirchlichen Erfahrungen entstanden sind?
Das Bauchgefühl sagt einem, dass da was Wahres dran ist.

«Himmel, Herrgott, Sakrament» erzählt Kirche ungewöhnlich nah am Alltag – mit Humor, Zweifeln und Widersprüchen. Ist das vielleicht der Grund, warum sich auch kirchenferne Zuschauer angesprochen fühlen?
Mit Sicherheit!

In Staffel zwei muss sich Reiser auch seiner eigenen Vergangenheit stellen, etwa im Verhältnis zu seinem Vater. Wie wichtig sind diese privaten Geschichten für die Figur?
Diese privaten Geschichten sind total wichtig, weil sie erklären, warum jemand so handelt, wie er handelt – gerade bei einer Figur wie Reiser. Der ist ja nicht einfach nur Pfarrer, sondern auch ein Mensch mit einer Biografie, mit Prägungen, mit Erfahrungen, die vielleicht nie ganz aufgearbeitet wurden.

Der Weg nach Rom deutet auf eine größere Eskalation hin. Wird die Serie dadurch politischer – oder bleibt sie vor allem eine Geschichte über Menschen und Glauben?
Die Serie bleibt im Kern immer eine Geschichte über Menschen und über Glauben – alles andere ergibt sich eher daraus. Natürlich berührt sie auch größere Fragen und Strukturen, gerade wenn es Richtung Rom geht. Und sagen wir so: Rom ist ein guter Ort, um große Fragen zu stellen – aber nicht unbedingt, um einfache Antworten zu bekommen.

Wenn Sie auf Pfarrer Reiser schauen: Ist er für Sie eher Rebell innerhalb der Kirche oder einfach jemand, der Glauben sehr pragmatisch lebt?
Ich glaube, er ist kein Rebell um des Rebells willen – er nimmt den Glauben einfach ernst im Alltag. Und das wirkt dann manchmal wie Rebellion.

Danke für Ihre Zeit!

Die zweite Staffel von «Himmel, Herrgott, Sakrament» startet am Freitag, 10. April, um 20.15 Uhr bei BR Fernsehen. Die Episoden stehen seit 2. April in der ARD Mediathek zum Abruf bereit.
09.04.2026 12:03 Uhr Kurz-URL: qmde.de/170381
Fabian Riedner

super
schade


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Himmel Herrgott Sakrament

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