«Spreewaldkrimi»-Aus: Produzent Esser zeigt sich enttäuscht

Er hebt die scheinbar anspruchsvolle Konstruktion seiner Produktion hervor, die es bei kürzer werdenden Aufmerksamkeitsspannen schwerer habe - doch macht er es sich damit vielleicht zu leicht?

Bereits vor einigen Wochen berichtete Quotenmeter: Das ZDF wird seine Reihe «Spreewaldkrimi» nach 20 Jahren beenden. Denn der Drehstartmeldung für den aktuellen Fall war zu entnehmen, dass dieser gleichzeitig auch der letzte sein soll. Die letzte Klappe fiel am 31. März 2026. Das ZDF begründete die Entscheidung damit, Raum für Neuentwicklungen schaffen zu wollen.

Nun hat sich Produzent Wolfgang Esser gegenüber t-online geäußert: Er finde das punktuelle Beenden alter Reihen "grundsätzlich nachvollziehbar". Dennoch erklärt Esser: "Ich halte das Aus tatsächlich für unnötig." Stattdessen habe der Produzent t-online zufolge auf eine Erneuerung innerhalb der bestehenden Marke setzen wollen und habe dafür bereits Ideen gesammelt: Er und sein Team haben "bereits ein innovatives Konzept für einen Generationswechsel entwickelt und waren schon deutlich weiter als nur in der Konzeptphase". Esser sagt: "Vieles hätte gut funktionieren können. Man muss es allerdings auch wollen."

Dann schlägt Esser einen weiteren Haken, denn das Aus habe ihm zufolge vor allem damit zu tun, dass der «Spreewaldkrimi» eher ungewöhnlich sei, was die Erzählweise und die filmische Umsetzung angehe: "Er ist nicht einfach konsumierbar. Man muss sich vor allem bewusst darauf einlassen. Beim linearen Fernsehen sind viele Zuschauer das heutzutage jedoch nicht mehr gewohnt." sagte er laut t-online. Weiter ergänzt er: "Das Fernsehen hat sich stark verändert." und verweist auf Serien-Konsum via Handy. "Da verliert man irgendwann die Argumente für aufwendige Qualität. Kaum jemand konzentriert sich heute noch 90 Minuten auf einen Film."

Was Wolfgang Esser in seinen Ausführungen allerdings nicht berücksichtigt: Seine Reihe lag mit Reichweiten über fünf Millionen und über 20 Prozent am Gesamtmarkt völlig im Rahmen von anderen erfolgreichen ZDF-Krimi-Reihen, die beim jüngeren Publikum aber teils ebenso zu kämpfen haben, teils aber auch erfolgreicher laufen. Übergeordnet könnte man seinen Ausführungen also entgegenhalten, dass sie zu kurz greifen. Auch kann entgegengehalten werden, dass «Tatort»-Fälle (vor allem Münster) auch bei den 14-49-Jährigen starke Resonanzen erzielen können. Gelungen war dies beispielsweise ebenfalls einem «Morden im Norden»-Primetime-Special am 5. Januar 2026: Das jüngere Publikum war hier in einer Größenordnung von klasse 13,0 Prozent und 0,57 Millionen zugegen. Vielleicht ist der Faktor der Aufmachung also doch größer, als sich Esser eingestehen mag...
31.03.2026 11:36 Uhr Kurz-URL: qmde.de/170350
Mario Thunert

super
schade


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Spreewaldkrimi Tatort Morden im Norden

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