Mit «Eat Pray Bark – Therapie auf 4 Pfoten» verbindet Petry Komödie mit Selbstreflexion und emotionaler Tiefe. Im Interview erklärt er, warum nicht die Hunde, sondern ihre Besitzer im Mittelpunkt stehen – und weshalb Veränderung immer beim Menschen beginnt.
Herr Petry, «Eat Pray Bark» verbindet Komödie mit einem fast therapeutischen Ansatz. Was hat Sie an diesem ungewöhnlichen Konzept besonders gereizt?
Genau dieser Kontrast hat mich gereizt: die Leichtigkeit einer Komödie mit echter emotionaler Tiefe zu verbinden. Hunde sind dabei für mich therapeutische Meister – wenn wir lernen, ihre Sprache wirklich zu verstehen, wird schnell deutlich, wie oft wir Menschen bestimmte Verhaltensweisen selbst auslösen oder verstärken. In gewisser Weise halten sie uns täglich einen Spiegel vor. Einen Film darüber zu machen und diese Thematik mit Humor und Leichtigkeit zu erzählen, empfand ich als großes Geschenk.
Im Zentrum stehen weniger die Hunde als ihre Besitzer. War es von Anfang an Ihr Ziel, den Menschen als „Problemfall“ zu erzählen?
Ja, das war von Beginn an die Prämisse der Geschichte. Und da ist wie gesagt viel Wahres dran. Denn obwohl es mittlerweile so viele Bücher und Fernsehsendungen zu dem Thema gibt, begegne ich immer wieder Hundehaltern, die ihr Tier kaum zu kennen scheinen bzw. sein Verhalten lesen können. Es lag nahe, von Figuren zu erzählen, die aus allen Wolken fallen, als sie hören, dass nicht ihre Hunde, sondern sie selbst das Problem sind.
Die Figuren sind bewusst skurril angelegt – von der imagegetriebenen Politikerin bis zum misstrauischen Einzelgänger. Wie findet man die richtige Balance zwischen Überzeichnung und Glaubwürdigkeit?
Ich verlasse mich da auf mein Bauchgefühl. Prinzipiell suche ich in der Komödie immer nach einer gewissen Überspitzung. Diese darf aber nie Selbstzweck werden, sonst kippt es in Klamauk um. Bei «Eat Pray Bark» lag die Herausforderung darin, dass wir fünf sehr unterschiedliche Figuren mit sehr unterschiedlich großen Päckchen haben. Mit den hervorragenden Schauspielern habe ich versucht, jeder Figur die ihrer Backstory angemessene Überzeichnung zu geben.
Der Hundetrainer Nodon wirkt fast wie eine Mischung aus Guru und Coach. Wie haben Sie diese Figur inszenatorisch angelegt?
Für die verzweifelten Hundebesitzer ist Nodon die letzte Rettung. Deshalb habe ich ihn bei seinen Auftritten als übergroße Lichtgestalt inszeniert. Interessant finde ich vor allem seine Ambivalenz: Nodon nutzt seine keltische Rituale zwar ganz bewusst als Showelement, um seine Kunden zu beeindrucken – nichtsdestotrotz ist er ein spiritueller Mensch, der tiefen Respekt vor der Natur und der Hundewelt empfindet.
Die Tiroler Berglandschaft spielt eine große Rolle. Welche Funktion hat das Setting für die Dynamik der Gruppe und die Entwicklung der Figuren?
Die Landschaft befreit die Gruppe aus ihren Alltagszwängen. Sie hilft den Leuten, sich von festgefahrenen Verhaltensweisen zu lösen und das Verhältnis zu ihren Tieren aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Während die Tiere sich sofort wohl in der Natur fühlen, brauchen die Menschen dafür deutlich länger. Die von Alexandra Maria Lara gespielte Urschi benötigt sogar ein reinigendes Gewitter, um zu sich selbst zu kommen.
Komödien leben stark vom Timing. Welche besonderen Herausforderungen bringt es mit sich, wenn Tiere ein zentraler Bestandteil der Szenen sind?
Die größte Herausforderung waren die Wartezeiten. Die Hunde kamen immer erst ans Set, wenn alles andere stand. Zuerst gingen also die sechs Schauspieler auf Position, dann kamen die fünf Hunde, dann mussten die Trainerinnen aus dem Bild. Ich habe noch nie so wenig Takes bei einem Dreh gemacht – einfach aus Zeitgründen. Ich hoffe, man merkt es nicht 🙂
Viele Szenen dürften mit improvisatorischen Momenten arbeiten – gerade im Zusammenspiel von Mensch und Tier. Wie viel Freiheit hatten die Schauspieler am Set?
Es wurde gar nicht so viel improvisiert. Natürlich gibt es Szenen wie die Hundetrainingsmontage, in der wir einfach laufen lassen haben. Und natürlich sind immer wieder zufällige Momente mit den Hunden entstanden, auf die die Schauspieler dann reagierten. Aber im Großen und Ganzen war im Vorfeld sehr genau besprochen, was die Hunde in ihren Szenen tun und können sollten. Das wurde alles über viele Wochen im Voraus mit den Trainerinnen eingeübt.
Der Film erzählt auch von Beziehungen – sei es zwischen Mensch und Tier oder zwischen den Figuren untereinander. Welche dieser Ebenen war Ihnen besonders wichtig?
Beide Ebenen gleichermaßen. Mir war wichtig zu erzählen, wie Menschen lernen, ihre Hunde mit anderen Augen zu sehen. Sie verstehen zu lassen, dass die Tiere eine eigene Sprache sprechen, die man als Mensch nur lernen kann, wenn man sich dafür öffnet. Dieses Öffnen spielt aber auch in den zwischenmenschlichen Beziehungen eine Rolle. Am Anfang sitzt in der Kutsche ein Haufen Fremder, die im Alltag nie miteinander in Kontakt gekommen wäre. Im Laufe des Wochenendes in den Bergen aber haben sie sich einander geöffnet, sind vielleicht sogar Freunde geworden.
Hinter der humorvollen Oberfläche steckt auch eine Botschaft über Selbstreflexion und Veränderung. Wie bewusst wollten Sie diese Themen in den Film integrieren?
Mit der Veränderung ist das ja so eine Sache. Sie ist nur möglich, wenn man sie auch wirklich aus vollem Herzen will. Aber vor der Veränderung kommt die Selbstreflektion, ein neuer Blick auf sich selbst. Diesen Moment gibt es eigentlich in jeder klassischen Heldenreise, hier aber ist er als Teil des Hundetrainings auch wirklich konkreter Teil der Handlung.
«Eat Pray Bark» könnte der nächste große Hit werden. «Spieleabend» erreichte 2024 über 25 Millionen Abrufe. Hätten Sie damit gerechnet?
Gerechnet nicht, aber ich habe es gehofft. Und bei «Eat Pray Bark» bin ich jetzt sehr gespannt. Es ist ja doch eine deutlich andere Form der Komödie, leiser und mit mehr Emotionen, und daher schwer zu vergleichen mit «Spieleabend».
Vielen Dank für Ihre Zeit!
«Eat Pray Bark» ist seit 1. April bei Netflix abrufbar.
Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel