Im DWDL-Interview sprach der neue Senderchef von notwendigen Verschiebungen in der Ausrichtung seines Unternehmens.
Am 12. November 2025 trat Thorsten Braun offiziell die Position des neuen Geschäftsführers von RTLZWEI an. Er beerbte seinen Vorgänger Andreas Bartl, der sich über zehn Jahre im Amt hielt. Auseinandersetzen muss sich Braun mit richtungsweisenden Entscheidungen, aber auch mit einigen Entlassungen im Unternehmen, denn schließlich macht seinem verhältnismäßig jung ausgerichteten Kanal die zunehmende Abwanderung der 14-49-Jährigen aus dem klassischen linearen TV besonders zu schaffen. Nun äußerte der Manager im DWDL-Interview, genau darauf reagieren zu wollen.
Das größte Problem, dem sich Braun gegenüber sieht, ist zweifellos folgender Umstand: Zwar liefert RTLZWEI einige erfolgreiche Reality-Formate für das Streaming von RTL+, die vor allem auch jüngeres Publikum ansprechen, im Gegenzug laufen diese Sendungen im linearen Programmablauf bei RTLZWEI aber nur noch schlecht («CoupleChallenge», «Promihof») oder mit nachlassender Tendenz («Kampf der Realitystars»).
Braun will aus diesen Umständen Konsequenzen ziehen: "Aus genau diesem Grund wollen wir Streaming und Fernsehen in Zukunft getrennter betrachten. In der Vergangenheit war es so, dass wir in der Primetime immer wieder Programme ausgestrahlt haben, die zwar im Streaming richtig stark funktionierten, im Linearen aber nicht. Das wollen wir ändern, indem wir beide Verbreitungswege künftig unabhängiger voneinander planen", sagt er gegenüber DWDL.
Konkret bedeute dies für ihn, dass eben nicht mehr zwangsläufig jedes Reality-Format für eine duale Auswertung ausgelegt sein müsse, sondern eben auch rein im Streaming laufen könne - ohne lineare Ausstrahlung, die mit hoher Wahrscheinlichkeit eh nicht sonderlich quotenträchtig wäre. Um diese veränderte Strategie auf den Weg zu bringen, die auch inhaltlich mehr Freiraum für neue Impulse bringen soll, würden in den nächsten Wochen im RTLZWEI-Team Prioritäts-Felder erarbeitet. Eine erste Sofortmaßnahme ist die Einrichtung neuer Fast-Channels der Marken «Grip», «Geissens» und «Wollnys».
In Puncto klassisches Fernsehen gehen die Überlegungen mit einer Verschiebung der fokussierten Zielgruppen einher. Dazu sagt Braun: "Früher war RTLZWEI mal als TV-Sender für die 14- bis 29-Jährigen positioniert. Das funktioniert heute nicht mehr [...] Wir werden uns im Linearen in Zukunft stärker an den 30- bis 59-Jährigen orientieren". Diese Entscheidung leitet er aus der Schlussfolgerung ab, dass die jüngere Altersgruppe nur noch 30 Prozent der linearen Zuschauerschaft ausmache und der Großteil über 50 Jahre alt sei.
Nicht zur Sprache gekommen im DWDL-Interview ist die Zukunft etlicher Show-Marken, die zuletzt pausierten, ursprünglich aber ja gerade als Maßnahme ergriffen wurden, eben auch ältere Interessenten anzusprechen. Haben Marken wie «NightWash», «Glücksrad», «Dinge gibts», «Genial daneben», «Preis ist heiß», «Retourenjäger» und «Genial Witzig» mit der neuen Strategie-Verschiebung also nun wieder eine größere Chance auf Fortsetzung bzw. Rückkehr ins Programm? Die Beantwortung einer dahingehenden Quotenmeter-Anfrage steht bisher noch aus.
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