Weil die ARD-Sendung in der Regel ein Stück hinter dem ZDF-Pendant liegt, besteht theoretisch durchaus die Chance, mit einem neuen Gesicht noch mehr Zuschauer anzuziehen. Ob Jörg Schönenborn dies einlösen kann, muss sich zeigen.
Vorige Woche Freitag verkündete die ARD, dass Jörg Schönenborn überraschender Weise die Nachfolge von Helge Fuhst bei den
«Tagesthemen» antreten und damit Teil des Moderations-Teams werden wird. In Zukunft steht er folglich neben den Haupt-Anchors Zamperoni und Wellmer sowie Julia-Niharika Sen für einige Ausgaben vor der Kamera. Vor diesem Hintergrund bietet es sich an, einmal auf die aktuelle Quotenverfassung der Sendung zu gucken, um abzuwägen, ob Schönenborn vielleicht Optimierungspotenziale freisetzen könnte.
Am Montag um 22.15 Uhr offenbarte die von Jessy Wellmer moderierte Woche jedenfalls schonmal, dass durchaus noch Luft nach oben besteht. Zu diesem Zeitpunkt holte sie nur einstellige 9,8 Prozent durch 1,62 Millionen am Gesamtmarkt - zum Teil könnte die schwache Gesamt-Performance der Doku-Primetime als Erklärung herhalten. Besser lief es im Verhältnis zum Senderschnitt bei den 14-49-Jährigen, welche auf gute 9,4 Prozent durch 0,27 Millionen kamen.
Der nächste Ausstrahlungstermin war am Dienstag dann wieder auf dem Slot um 22.15 Uhr. Hier waren merklich mehr Menschen zugegen, denn die Reichweite stieg insgesamt über zwei Millionen, genauer gesagt auf 2,01 Millionen. Resultiert ist daraus ein Anteil von klar soliden 13,7 Prozent. Bei den 14-49-Jährigen ging es im Angesicht 0,20 Millionen zu mittelmäßigen 7,6 Prozent in die entgegengesetzte Richtung im Vergleich zum Vortag.
Zur Wochenmitte reproduzierte die Nachrichtensendung ihre Gesamt-Reichweite exakt aufgrund 2,01 Millionen. Der dazugehörige Anteil sank allerdings ein wenig auf immer noch respektable 12,9 Prozent. Parallel war bei den Jüngeren wieder eine etwas intensivierte Flughöhe zu beobachten: Sie ließen sich zu 0,26 Millionen und überdurchschnittlichen 8,6 Prozent informieren.
Der Donnerstag brachte schließlich wieder einen moderaten Abfall - die Resonanzen fielen unter die Zwei-Millionen-Marke. Genauer gesagt 1,96 Millionen wohnten bei und reduzierten den Anteil auf mäßig passable 11,9 Prozent. Bezüglich der Jüngeren hingegen ergab sich weitestgehende Konstanz mit 0,27 Millionen und ordentliche 8,4 Prozent. Zum Wochenende am Freitag duplizierte sich abermals die Vortages-Beteiligung: Folglich wurden insgesamt 1,96 Millionen gemessen, die wohl auch wegen der früheren Sendezeit (21.45 Uhr) aber nur für niedrigere 10,0 Prozent langten - ein ausbaufähiger Quotenwert. Als wirklich schwach ist die Leistung mit Blick auf die Unter-50-Jährigen zu bewerten, die nur noch magere 5,9 Prozent wegen 0,20 Millionen markierten.
Alles in Allem eine d'ccord gehende, aber sicher nicht weltbewegende Woche für die «Tagesthemen». Klar ist auch, dass die Quotenperformance mit wechselhaften Startzeiten und Vorprogrammen entsprechenden Schwankungen unterlegen ist. Meistens bewegt sich die Sendung insgesamt in einem Korridor zwischen 10 und 13 Prozent sowie zwischen fünf und acht Prozent. Mal mehr, mal weniger oft sind Ausreißer über 15 Prozent, sprich über zehn Prozent bei den Jüngeren zu beobachten.
Vor allem wenn man die Gesamtreichweite betrachtet, die größtenteils deutlich unter drei Millionen liegt, ist aber zu konstatieren, dass das ARD-Format nicht mit dem ZDF-Pendant «Heute Journal» mithalten kann, welches regelmäßig über drei und sogar vier Millionen liegt. Theoretisch wäre also durchaus Optimierungsfläche da, auf der Schönenborn noch mehr Informationsbedürftige binden könnte, wenngleich die «Tagesthemen» auch so in einer intakten Verfassung sind.
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