Michael A. Grimm: ‚Zwischenmenschliche Konflikte sind der Kern‘

Mit «Die Maiwald» startet im ZDF eine neue Reihe, die Tierarztalltag, Familienkonflikte und Dorfleben miteinander verbindet. Michael A. Grimm spielt Bürgermeister Georg Maiwald – eine Figur zwischen politischer Verantwortung und privaten Verstrickungen. Im Interview spricht er über die besondere Mischung aus Fernsehfilm und Serie, die Faszination regionaler Stoffe und darüber, warum gerade kleine menschliche Dramen die größte Wirkung entfalten.

«Die Maiwald» verbindet Tierarztalltag, Dorfleben und zwischenmenschliche Konflikte. Was war für Sie der entscheidende Punkt, der Sie an der Serie gereizt hat?
Also zwischenmenschliche Konflikte sind ja der Grundstein jeder Theater- und Filmarbeit. Das ist eigentlich der Kern meiner Arbeit. In diesen Situationen des Dorflebens, des engen Beieinanderseins – auch mit dem lieben Vieh – dürfen sich die menschlichen Dramen, mal größer, mal kleiner abspielen. Die zu erzählen, macht mir Freude.

Sie spielen Georg Maiwald, den Bürgermeister von Maria Alm – also jemanden zwischen Verantwortung, Politik und familiärer Nähe. Wie würden Sie seine Rolle im Gefüge der Serie beschreiben?
Im Zentrum der Serie steht Johanna Maiwald, die Tierärztin, die auch mal Menschen heilt, zumindest indirekt. Ihre beste Freundin ist ihre Schwägerin, die Tourismuschefin des Ortes. Diese beiden wundervollen Damen haben einen Bruder bzw. Ehemann, also mich, der sie nicht minder beschäftigt, als die täglichen Probleme mit Mensch und Tier im Dorf. Wir sind einander zugetan, die Damen und ich, aber machen uns das Leben manchmal auch schwer. Da kann das Publikum mitleiden, mitfühlen und bestimmt auch drüber schmunzeln.

Ihre Figur steht im Spannungsfeld zwischen öffentlicher Funktion und privater Loyalität zur Schwester. Wie konfliktbeladen ist dieses Verhältnis – und wie sehr prägt es die Handlung?
Natürlich sind die Interessen des Ortsvorstandes nicht immer mit der einer Naturschützerin und Frau, die viel mit den Leuten aus der Landwirtschaft zu tun hat, deckungsgleich. Die Diskussionen darüber streuen auch ins Private, stellen keinen tragenden Grundkonflikt der Reihe dar. Aber das Potential dafür hätte es natürlich. Also, wer weiß… Die Geschwister gehen mit dieser Problematik eigentlich recht vernünftig um: Erkennen sie, debattieren, verstehen das Gegenüber meist, lassen andere Meinungen zu, ohne die eigene zu „verraten“. Das handhaben sie ganz gesund – manch privates Problem dagegen deutlich ungünstiger.

Serien mit starkem regionalem Setting haben im ZDF Tradition. Was unterscheidet «Die Maiwald» aus Ihrer Sicht von anderen Heimat- oder Familienformaten?
Das grobe Genre – kleine bis mittlere menschliche Dramen, Berge und Tiere – erfüllt die Serie gut. Da will sie sein, was sie ist. Da gibt es nichts Neues hinzuzuerfinden. Aber in dieser Welt will sie halbwegs authentisch, ein bisschen skurril, nah am Ort Maria Alm, nah am Vieh, an den Menschen sein.

Die Serie erzählt viel über Gemeinschaft, Zusammenhalt und Moral auf dem Land. Ist Maria Alm hier eher Sehnsuchtsort oder bewusst kein idyllischer Schonraum?
Eigentlich: weder noch. Wir erzählen nicht die Geschichten, dass „auf dem Land“ die Moral und das Beim-Nachbarn-übern-Zaun-Schauen, das enge und vielleicht abhängige Miteinander große Qual oder Last sind, was bestimmt im Wirklichen auch sein kann. Das darf bei uns schon anklingen, ist aber nicht Thema. Wir haben da einen echt sehr schönen, geradezu idyllischen Ort, der bei vielen Sehnsüchte wecken wird (und natürlich schön anzuschauen ist). Mancher Umgang miteinander, mit Konflikten wird auch in vorbildlicher Art und Weise erzählt werden.
Aber die Menschen, die Situationen werden angemessen menschlich, also fehlerhaft bleiben – keinesfalls abgehoben idealisiert.

Neben tierischen Notfällen geht es immer wieder auch um menschliche Abgründe. Wie wichtig ist dieser doppelte Blick – auf Tiere und Menschen – für den Ton der Serie?
Wie gesagt, beschreiben wir den Umgang der Menschen miteinander, aber natürlich auch den Umgang von uns Menschen mit den Tieren. Also klassische Aspekte von Umweltschutz, Landwirtschaft und verschiedenen Interessen und Bedürfnissen der verschiedenen Spezies. Doch am nettesten zusehen kann man, wenn der Weg zu Menschen über das liebe Vieh geht.

«Die Maiwald» startet direkt mit zwei 90-Minütern. Spürt man beim Spielen eher die Nähe zum Fernsehfilm oder bereits klar eine serielle Handschrift?
Das Schöne am Konzept dieser Serie ist ja, dass sie zwischen beidem angesiedelt ist. Wir haben serielle Elemente wie z.B. die Beziehungen zu meiner Frau und meiner Schwester, die sich natürlich über mehrere Sendungen hinweg entwickeln, auf der anderen Seite werden in jeder Folge abgeschlossene Geschichten erzählt, denn es sind 90-minütige Filme. Wir dürfen also aus beiden Gattungen schöpfen.

Sie sind vielen Zuschauerinnen und Zuschauern seit Jahren aus den «Rosenheim-Cops» vertraut. Was macht für Sie persönlich den anhaltenden Erfolg dieser Serie aus?
Neben einem Setting im schönen Oberbayern sind es vor allem die Charaktere der Hauptfiguren, die mit Charme und Eigensinn ausgestattet sind. Es bereitet Freude, ihnen beim Lösen eines nicht wirklich komplexen Kriminalfalls zuzusehen. Der Krimi ist nur der groben Definition nach einer. Die Verbrechen machen den Zuschauern nicht Angst, sondern sorgen für eine gewisse Grundspannung und eine Erlösung beim Lösen des Falles.

Die «Rosenheim-Cops» haben einen sehr eigenen Ton zwischen Krimi und Humor. Wie schwer ist es, diese Balance über so viele Jahre frisch zu halten?
Ziemlich schwer. Die Frage ist natürlich immer: Bleibe ich bei Bewährtem oder suche ich nach neuen Wegen, Krimi und Humor, Spannung und Unterhaltung zu vereinen. Stöckels „es gabad a Leich“ ist legendär und verlangt nach Wiederholung. Josef Hannesschläger, Andreas Giebel, Dieter Fischer und ich haben natürlich in den Rollen, die wir verkörpert haben, große Gemeinsamkeiten gehabt (simpel gesagt: die dicken Bayern). Jeder von uns musste aber seinem Charakter auch eine eigene Note geben. Diesen Prozess macht die ganze Serie durch.

Wenn Sie Formate wie «Die Maiwald» und die «Rosenheim-Cops» vergleichen: Was lernt man aus einer langlebigen Serie für neue Stoffe – und was sollte man bewusst anders machen?
Diese Frage ist natürlich für Produktionen und Redaktionen interessant. Da ich keiner von beiden angehöre, kann ich zum großen Rahmen wenig beitragen. Aber als Schauspieler ist es immer meine Aufgabe, aus all den Rollen, die ich gespielt habe, für die, die ich spielen werde, etwas herauszuziehen. Das betrifft viele Belange wie die Rollengestaltung, Konstellationen, Situationen, aber besonders ein dramaturgisches Denken, ein Gestalten von langen Handlungsbögen, und dies fordert natürlich Erfahrungen mit langlebigen seriellen Charakteren. Sprich, bei den Rosenheim-Cops und anderen langlebigen Serien, an denen ich mitwirken durfte, konnte ich lernen, für meine Rolle nicht nur in den einzelnen Situationen, den einzelnen Szenen, den einzelnen Folgen zu denken, sondern neben den gleichbleibenden charakteristischen Eigenheiten der Figur auch Entwicklungen über viele Folgen hinweg zu spielen. Sollte die Maiwald also weitergehen, sehe ich da durchaus einen Nutzen für meine Arbeit an der Rolle.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

«Die Maiwald» ist am 26. März und 2. April im ZDF zu sehen. Die Folgen sind schon in der ZDFmediathek abrufbar.
26.03.2026 00:01 Uhr Kurz-URL: qmde.de/169978
Fabian Riedner

super
schade


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Die Maiwald Rosenheim-Cops

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