In «REM» wird der Schlaf zur tödlichen Falle: Träume verschwinden nicht mehr, sondern bleiben – und könnten das letzte sein, was man erlebt.
Schauspielerin Luna Wedler leiht der traumatisierten Alysee ihre Stimme und begibt sich in ein düsteres Hörspiel zwischen psychologischem Thriller und Horror. Im Interview spricht sie über die besondere Herausforderung des Spiels ohne Kamera, die Kraft innerer Bilder – und warum Angst hier nicht im Traum, sondern beim Aufwachen beginnt.
Frau Wedler, in «REM» wird der Schlaf eigentlich ein Ort der Erholung zur tödlichen Bedrohung. Was hat Sie an dieser Umkehrung besonders gereizt?
Mich hat genau diese Umkehrung gereizt. Schlaf an sich ist nicht für jede Person ein Erholungsort. Zudem beschäftige ich mich privat stark mit den unterschiedlichen Schlafphasen und dem noch wenig erforschten Träumen. Das war ein Hauptgrund für meine Entscheidung dieses Hörspiel zu sprechen.
Ihre Figur Alysee trägt seit ihrer Kindheit die Angst vor dem Einschlafen in sich. Wie nähert man sich einer Figur, deren Trauma buchstäblich jede Nacht zurückkehrt?
Für mich ist das noch Neuland, es ist meine zweite Sprechrolle. Dass ich viel über Alysees Kindheit und das, was ihr passiert ist, erfahre, gibt mir einen direkten Zugang zu ihrem Inneren. Das habe ich versucht über meine Stimme spürbar zu machen.
Horror entsteht hier nicht nur im Traum, sondern vor allem im Moment des Erwachens. Wie spielt man diese fragile Grenze zwischen Realität und Albtraum allein mit der Stimme?
Es ist wie beim Schauspiel: fallen lassen, ins Gefühl gehen. Im Studio konnte ich mich einfach ausprobieren z.B. Zittern, Tonlagen, Atmung, Geräusche. Für mich war es wichtig mich nicht daran festzubeißen, dass es „nur“ Stimme ist. Außerdem hilft die Regie, die richtige Intensität zu treffen.
«REM» ist ein Hörspiel ohne Kamera, ohne Blick, ohne körperliche Präsenz. Welche schauspielerischen Werkzeuge gewinnen dadurch an Bedeutung?
Meine Stimme steht offensichtlich im Zentrum, aber die Arbeit bleibt grundsätzlich ähnlich: in die Figur eintauchen und mitfühlen. Ohne Kamera kann ich freier und intensiver spielen. Obwohl ich nicht gesehen werde, prägen meine Bewegung, Gestik und sogar Mimik hörbar meine Stimme.
Alysee begibt sich in ein verlassenes Luxushotel an der deutsch-polnischen Grenze, ein klassischer, fast gotischer Schauplatz. Wie sehr haben Sie beim Einsprechen mit inneren Bildern gearbeitet?
Das ist eine sehr schöne Frage, weil genau darin für mich auch der Zauber des Lesens liegt: Wir erschaffen unsere eigenen Bilder. Mit jedem Lesen beim ersten, zweiten, dritten Mal wurde meine innere Bilderwelt klarer und dichter. Beim Einsprechen sind diese Bilder dann ganz natürlich wieder aufgetaucht, was enorm hilft. Es fasziniert mich jedes Mal aufs Neue, wie stark unsere Vorstellungskraft sein kann.
Mit Sebastian Fitzek und Annika Strauss treffen psychologischer Thriller und kompromissloser Horror aufeinander. Spürt man diese doppelte Handschrift auch beim Spielen?
Ja, ich glaube schon. Durch den ständigen Wechsel zwischen Realität und Traum verliert man manchmal selbst kurz die Orientierung und fragt sich: Was ist gerade real, was nicht? Und diese zwei Dinge liegen vermutlich ohnehin schon sehr nah beieinander.
Der Satz „Du darfst nicht einschlafen!“ wirkt wie ein Mantra des Stücks. Gab es beim Einsprechen Momente, die Sie selbst emotional oder körperlich gefordert haben?
Ja, vor allem, weil ich mit Alysee gemeinsam dieses dunkle Geheimnis aufdecken und den entstehenden Wahnsinn durcharbeiten musste. Dieses Mitgehen, Aufdecken und der anschließende Versuch, das Ganze wenigstens ansatzweise zu begreifen und zu verdauen, hat mich sehr gefordert.
Sie sind aus Kino- und Serienproduktionen bekannt – etwa aus «Blue My Mind» oder «Biohackers». Was unterscheidet für Sie die Intensität eines Hörspiels von der Arbeit vor der Kamera?
Neu war für mich vor allem, dass ich sieben bis acht Stunden ganz allein im Studio nur mit meinen Kopfhörern und Text stand. Im Grunde spielt man die ganze Zeit mit sich selbst. Mit der Unterstützung der Regie, klar, aber trotzdem: Das ist sehr anspruchsvoll.
Alysee sucht im Hotel nicht nur Antworten auf den Tod ihres Vaters, sondern auch auf ihre eigene Vergangenheit. Ist «REM» für Sie eher ein Horror-Thriller – oder auch eine Geschichte über Identität und Erinnerung?
Beides.
Horror funktioniert oft über das Unsichtbare. Glauben Sie, dass das Medium Audio den Schrecken sogar verstärken kann, weil alles im Kopf der Hörerinnen und Hörer entsteht?
Vielleicht. Ich hoffe auf jeden Fall, dass ich diesem Genre, das für mich noch sehr neu ist, gerecht geworden bin und genau diese Wirkung erzeugen konnte.
Vielen Dank für Ihre Zeit!
Das Audible-Hörspiel «REM» von Sebastian Fitzek & Annika Strauss ist ab 19.3. auf Audible.de abrufbar.
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