Josia Krug: ‚Robin bringt frischen Wind in die Karlsklinik‘

Neuzugang in der Karlsklinik: Schauspieler Josia Krug verstärkt künftig das Ensemble der ZDF-Serie «Bettys Diagnose». Im Interview spricht er über seine Figur Robin van Kampen, den Balanceakt zwischen Selbstbewusstsein und Unsicherheit – und darüber, warum Sichtbarkeit und Vielfalt im Fernsehen weiterhin wichtig sind.

Herr Krug, mit Robin van Kampen steigen Sie neu in die Serie «Bettys Diagnose» ein. Was war Ihr erster Gedanke, als Sie die Rolle gelesen haben?
Als erstes hat mich gefreut, dass Robin in den Niederlanden aufgewachsen ist. Ich habe dort Familie, kenne die Niederlande ganz gut und spreche sogar die Sprache - da dachte ich: Das passt! Vor allem aber mochte ich seine Art, mit der er frischen Wind in die Karlsklinik bringt. Robin findet schnell einen Draht zu anderen Menschen, ist ein richtiger Lebemann, für den erstmal alles möglich scheint.

Robin wirkt charmant und locker – doch schon am Morgen danach kommen Zweifel auf. Wie spielen Sie diese feinen Brüche zwischen Selbstsicherheit und Unsicherheit?
Für mich als Schauspieler geht es immer darum, was eine Figur von sich Preis gibt und was sie verbirgt. Unsicherheiten sind bei jedem Menschen immer vorhanden, je nach Tagesfassung oder Situation lassen sie sich besser kontrollieren oder verstecken. Beides existiert gleichzeitig und genau das mache ich mir für diese Brüche zunutze. Ob es bei Robin bald schon anfängt zu bröckeln, müssen wir ja erstmal noch herausfinden.

„Vertrauen wagen“ erzählt von Missverständnissen, Nähe und Verletzlichkeit. Was macht diese Alltagsintensität für Sie als Schauspieler besonders reizvoll?
Ich liebe Emotionen - je verschiedener und intensiver, desto besser. Mich reizt es, die Lupe auf innere Konflikte zu legen, und zu sehen, was passiert, wenn meine Figur auf andere trifft. Was entdeckt sie über sich und wie geht sie aus jeder neuen Begegnung heraus?

Sie engagieren sich für mehr Sichtbarkeit queerer Personen in der Branche. Wie wichtig ist es Ihnen, dass queere Figuren selbstverständlich und nicht problemzentriert erzählt werden?
Sichtbarkeit bleibt grundsätzlich wichtig! Besonders für Menschen, deren Geschichten noch immer zu selten erzählt werden - dazu gehören auch queere Personen. Selbstverständlichkeit entsteht, wenn universelle Themen, wie Zugehörigkeit, Liebe, Identität usw. im Vordergrund stehen. Dennoch wird der Ton über queere Menschen im aktuellen gesellschaftlichen und politischen Diskurs immer schärfer und führt zu Stigmatisierung und Ausgrenzung, das ist problematisch. Deshalb brauchen wir auch heute noch Geschichten mit klarem, queeren Fokus, um diese Erfahrungen und Herausforderungen sichtbar zu machen, auch für Menschen, die damit im echten Leben (noch) keine Berührungspunkte haben. Wir alle teilen nämlich ähnliche Fragen, Sehnsüchte und Herausforderungen und sind am Ende gar nicht so verschieden.

Spüren Sie bei einer ZDF-Serie im Vorabendprogramm eine besondere Verantwortung, Diversität nicht nur abzubilden, sondern auch normalisieren zu helfen?
Diversität abzubilden trägt automatisch dazu bei, sie zu normalisieren. Diese Verantwortung sehe ich generell, nicht nur im ZDF oder im Vorabend. Sie gilt für alle. Je häufiger wir bisher weniger sichtbare Lebensrealitäten zeigen, desto selbstverständlicher werden sie. Wir können dem Publikum viel mehr zutrauen, als es bisher vielleicht getan wird. «Bettys Diagnose» bietet aber das ideale Setting, in dem viele unterschiedliche Geschichten zusammenkommen können, mal gefühlvoll, mal unterhaltsam.

Vertrauen ist ein zentrales Motiv der Folge – ob in Liebesbeziehungen oder in familiären Konstellationen. Was bedeutet Vertrauen für Ihre Figur Robin?
Robin würde wahrscheinlich sagen, dass man in erster Linie nur sich selbst wirklich vertrauen kann. Bei ihm ist das aber eben auch die Voraussetzung dafür, anderen zu vertrauen - nur alles zu seiner Zeit. Er vertraut vor allem dem Moment, dem „Jetzt“.

In derselben Episode wird auch sensibel mit dem Thema Down-Syndrom umgegangen. Wie wichtig ist es, dass eine Serie unterschiedliche Lebensrealitäten parallel erzählt?
Es ist unumgänglich - wir leben ja alle parallel unsere Leben. Im Alltag bewegen wir uns gerne in unseren eigenen Kreisen oder suchen uns Gleichgesinnte, Algorithmen befeuern das ganze noch auf digitaler Ebene. Aber wir lernen ja am meisten dazu, wenn wir uns mit anderen Perspektiven beschäftigen. Serien können für uns Zuschauende den Fokus auf Themen wie „Inklusion“ legen und für Rücksicht sensibilisieren. Ich finde aber nicht, dass es in der Episode um das Thema „Down Syndrom“ geht. Sondern darum, wie eine junge Erwachsene flügge wird und anfängt ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Sie lebt mit Down-Syndrom, aber das Entscheidende ist, zu sehen, wie ihr Umfeld damit umgeht. In diesem Fall ist es die Mutter, der es schwer fällt loszulassen und ihrer Tochter zu vertrauen - aus Sorge natürlich. Es geht um die Themen, die uns verbinden, und zwar in allen menschlichen Lebensrealitäten.

Als neuer Darsteller stoßen Sie in ein eingespieltes Ensemble. Wie haben Sie Ihren Platz im Team gefunden?
Wieder Teil eines Ensembles zu sein, habe ich seit dem Ende meines Theaterengagements schon vermisst. Alle Beteiligten haben es mir auch sehr leicht gemacht, bei „Bettys Diagnose“ anzukommen. Es herrscht generell eine familiäre Atmosphäre im ganzen Team, sowohl vor als auch hinter der Kamera. Insofern freue ich mich auch sehr darauf, dass die Arbeit am Set Mitte März wieder losgeht.

Gerade bei queeren Figuren besteht oft die Gefahr, sie auf ein Label zu reduzieren. Worauf legen Sie in Ihrer Figurenarbeit besonderen Wert, um Robin als vielschichtigen Menschen zu zeigen?
Begriffe und Terminologien helfen dabei, Dinge zu beschreiben oder zu benennen. Das Problem entsteht erst, wenn man Menschen darauf reduziert bzw. ich als Schauspieler meine Figur. In meiner Vorbereitung versuche ich in einem zweiten Schritt also wieder von den Labels oder Kategorien wegzukommen. Sie dienen oft nur zur Einordnung, beschreiben allerdings nur eine Wirkung und helfen dem Individuum bzw. meiner Figur überhaupt nicht. Sie schränken ein, werten (ab) und implizieren eine Erwartung. Ich erschließe mir meine Figuren deshalb lieber von innen heraus, über ihre Bedürfnisse, Widersprüche, Ziele und Erfahrungen.

Wenn das Publikum nach dieser Folge über Robin spricht – was sollen die Zuschauerinnen und Zuschauer idealerweise fühlen oder mitnehmen?
Bisher erfahren wir ja noch nicht besonders viel über Robin. Ich hoffe aber, dass sich die Leichtigkeit und Offenheit, die ich in ihm sehe, auch auf die Zuschauer*innen überträgt und Lust macht, in den nächsten Folgen herauszufinden, was sich noch hinter dem „Lebemann“ versteckt. Wer weiß, vielleicht gibt es ja noch andere Gründe als seine Patient*innen, warum er seine Kaffee-Pausen immer wieder ins Schwesternzimmer verlegt.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

«Bettys Diagnose» ist freitags um 19.25 Uhr im ZDF zu sehen. Außerdem gibt es die Serie in der ZDFmediathek.
17.03.2026 12:28 Uhr Kurz-URL: qmde.de/169735
Fabian Riedner

super
schade


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Bettys Diagnose

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