Filme des Grauens: «Bratz»: Plastikpuppen & Highschool-Klischees

Aus einer Milliarden-Spielzeugmarke sollte ein Teenie-Hit werden – stattdessen entstand ein Paradebeispiel für misslungene Franchise-Verfilmungen.

Als «Bratz» im Sommer 2007 in die Kinos kam, schien das Konzept eigentlich narrensicher. Die gleichnamigen Modepuppen von MGA Entertainment gehörten damals zu den erfolgreichsten Spielzeugmarken der Welt. Millionen Kinder kannten die Figuren Yasmin, Cloe, Sasha und Jade aus Serien, Spielen und Animationsfilmen. Hollywood hoffte deshalb auf den nächsten großen Jugendhit – doch der Film entwickelte sich schnell zum kritischen Desaster.

Regie führte Sean McNamara, produziert wurde der Film unter anderem von Avi Arad, der zuvor mit Marvel-Verfilmungen enorme Erfolge gefeiert hatte. Die Hauptrollen übernahmen junge Schauspielerinnen wie Nathalia Ramos, Janel Parrish, Logan Browning und Skyler Shaye. Unterstützt wurden sie von prominenten Nebendarstellern wie Jon Voight, der den strengen Schuldirektor spielt.

Im Zentrum der Handlung stehen vier beste Freundinnen, die gemeinsam ihr erstes Jahr an einer Highschool in Los Angeles beginnen. Dort regiert Meredith Baxter Dimly – eine übertrieben manipulative Schülerpräsidentin, die die Schule strikt nach sozialen Gruppen organisiert. Sportler, Cheerleader, Nerds, Künstler – jeder hat seinen festen Platz. Die «Bratz»-Freundinnen weigern sich jedoch, sich in dieses System einordnen zu lassen. Genau das macht sie zur Zielscheibe. Durch Intrigen und sozialen Druck werden die vier Mädchen schließlich auseinandergetrieben: Cloe konzentriert sich auf Fußball, Sasha wird Cheerleaderin, Jade entdeckt ihre Leidenschaft für Mode und Yasmin widmet sich Journalismus und Musik. Erst Jahre später erkennen sie, wie sehr sie ihre Freundschaft vermissen. Gemeinsam beschließen sie, die künstlichen Grenzen der Highschool-Clubs zu sprengen und treten bei einer Talentshow an – ein symbolischer Aufstand gegen die soziale Hierarchie der Schule.

Ironischerweise kritisierten viele Kritiker gerade das, was der Film eigentlich bekämpfen wollte. Während die Handlung predigt, man solle sich nicht von Klischees definieren lassen, wirkte der Film selbst extrem oberflächlich. Mode, Make-up und Lifestyle dominieren das Bild, während Figurenentwicklung und Handlung erstaunlich flach bleiben.

Auf Rotten Tomatoes landete Bratz bei etwa zehn Prozent Zustimmung. Kritiker warfen dem Film vor, gleichzeitig moralische Botschaften zu predigen und dennoch genau jene Konsumkultur zu feiern, aus der die Puppenmarke stammt. Besonders die Figur der tyrannischen Schulqueen wurde als überzeichnet und unglaubwürdig beschrieben. Mit einem Budget von rund 20 Millionen Dollar spielte der Film weltweit etwa 26 Millionen ein – kein kompletter Totalausfall, aber deutlich unter den Erwartungen. Vor allem in Nordamerika blieb das Publikum fern. Für eine Marke, die im Spielzeugbereich Milliarden umsetzte, war das Ergebnis ernüchternd. Interessanterweise kam der Soundtrack deutlich besser an als der Film selbst. Die Musik, mit Beiträgen von Künstlern wie den Black Eyed Peas oder Ashlee Simpson, hielt sich mehrere Wochen in den Billboard-Charts und wurde von Fans positiv aufgenommen.

Viele der jungen Darstellerinnen konnten später solide Karrieren aufbauen. Janel Parrish wurde Jahre später durch die Serie «Pretty Little Liars» bekannt, während Logan Browning mit der Netflix-Serie «Dear White People» größere Aufmerksamkeit erhielt. Nathalia Ramos spielte weiterhin in Fernsehproduktionen, während Skyler Shaye sich stärker aus dem Rampenlicht zurückzog. Der erfahrene Schauspieler Jon Voight blieb natürlich ein etablierter Hollywoodname, doch auch seine Beteiligung konnte dem Film keinen größeren Prestigegewinn verschaffen.

Trotz des Misserfolgs blieb die Marke Bratz populär. Animationsfilme, Spiele und Merchandising liefen weiter. 2025 wurde sogar ein neues Filmprojekt angekündigt, bei dem Reality-Star Kim Kardashian angeblich die Antagonistin spielen könnte – ein Hinweis darauf, dass Hollywood weiterhin an das Potenzial der Marke glaubt. Vor allem nachdem Warner Bros. Pictures mit «Barbie» Milliarden an Kinotickets verkaufte.

«Bratz» ist ein klassisches Beispiel dafür, dass eine erfolgreiche Spielzeuglinie nicht automatisch zu einem erfolgreichen Film führt. Die Produktion wirkt wie eine verlängerte Werbekampagne, die gleichzeitig versucht, eine moralische Botschaft über Individualität zu vermitteln. Das Ergebnis ist ein widersprüchlicher Teenie-Film: bunt, laut und modisch – aber erzählerisch erstaunlich leer. Für viele Kritiker blieb er deshalb weniger ein Kultfilm als ein Lehrstück darüber, wie schwierig es ist, Spielzeugfranchises überzeugend auf die Leinwand zu bringen.
28.03.2026 12:10 Uhr Kurz-URL: qmde.de/169667
Fabian Riedner

super
schade


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Bratz Pretty Little Liars Dear White People Barbie

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