Lust in späten Lebensjahren: Davon will der neue Fernsehfilm mit Adele Neuhauser und Ulrich Noethen erzählen.
Stab
Darsteller: Adele Neuhauser, Ulrich Noethen, Caroline Frank, Manuel Rubey, Lisa Kreuzer, Jochen Busse
Musik: Johannes Repka
Kamera: Alexander Püringer
Drehbuch: Uli Brée
Regie: Dirk KummerManchmal gibt es Filme, bei denen man schon nach wenigen Minuten das Gefühl hat, sie hätten lieber eine halbe Stunde kürzer sein sollen – oder gleich ganz ungedreht bleiben dürfen. «Makellos – Eine kurze Welle des Glücks» gehört leider zu dieser Kategorie; denn was auf dem Papier nach einer bittersüßen Komödie über Sehnsucht, Ehekrisen und späte Selbstermächtigung klingt, entpuppt sich in der Praxis als unerquicklich zähes Fernsehstück, das weder komisch noch wirklich berührend ist.
Im Zentrum steht Constanze Laux (Adele Neuhauser), Betreiberin eines Trachtengeschäfts und Ehefrau eines Mannes, der offenbar jede Leidenschaft im Leben längst gegen routinierte Gleichgültigkeit eingetauscht hat. Anton (Ulrich Noethen) wirkt in seiner stoischen Unbeteiligtheit beinahe wie ein Symbol für das Problem dieses Films: Alles bleibt geschniegelt und seltsam leblos. Dass Constanze sich nach mehr sehnt als einem harmonischen Geschäftsalltag und einem Schlafzimmer auf Stand-by, wäre eigentlich ein guter Ausgangspunkt für eine tragikomische Geschichte über späte Selbstfindung. Doch Regisseur Dirk Kummer und Drehbuchautor Uli Brée gelingt es erstaunlich konsequent, jede emotionale oder erzählerische Spannung im Keim zu ersticken.
Die Handlung setzt sich in Gang, als Constanzes Freundin Karin (Caroline Frank) ihr empfiehlt, doch einfach einen Callboy zu engagieren, um ihre Lust auf Touren zu bringen. Ein Ansatz, der im Genre der Beziehungskomödie durchaus Potenzial hat – vorausgesetzt, man spielt die Situation mit Witz, Mut oder wenigstens einem Hauch von ironischer Selbstreflexion aus. Doch statt funkelnder Dialoge oder pointierter Beobachtungen bekommt man vor allem betretene Gesichter und Szenen, die sich anfühlen, als wären sie aus einer besonders brav geschriebenen Fernsehspiel-Schublade gefallen.
Der erste geplante Callboy-Termin endet erwartungsgemäß in peinlicher Flucht, bevor Constanze zufällig Ricardo (Manuel Rubey) begegnet, ebenfalls Escort – nur eben charmanter und offensichtlich dafür zuständig, das Herz der Hauptfigur wieder in Bewegung zu bringen. Die Affäre zwischen beiden soll prickelnd wirken, bleibt aber erstaunlich blutleer. Selbst die vermeintlich leidenschaftlichen Momente wirken so geschniegelt inszeniert, dass man eher an eine etwas unbeholfene Imagekampagne für Wellnesshotels denkt als an eine riskante Liaison.
Dabei ist Adele Neuhauser eine Schauspielerin, die mit minimalen Gesten ganze Charakterwelten eröffnen kann – man kennt ihre Mischung aus Lakonie, Melancholie und trockenem Humor. Umso bedauerlicher ist es, dass das Drehbuch ihr kaum Gelegenheit gibt, diese Qualitäten auszuspielen. Constanze bleibt eine Figur, die mehr behauptet als erlebt wird: Wir sollen glauben, dass sie innerlich aufbricht, während sie äußerlich meist das gleiche Gesicht macht, mit dem man auch eine besonders schwierige Steuererklärung erledigen könnte.

Ulrich Noethen wiederum spielt Anton mit einer stoischen Ruhe, die vermutlich Absicht ist, aber irgendwann eher nach Desinteresse aussieht. Zwischen ihm und Neuhauser knistert so wenig, dass selbst die konflikthaften Szenen eher wie höfliche Geschäftsbesprechungen wirken. Wenn dann später noch eine Erpressungsgeschichte ins Spiel kommt, wirkt das weniger wie ein dramaturgischer Höhepunkt als wie ein hastig eingestreuter Versuch, dem Film doch noch irgendeine Form von Spannung zu verleihen.
Das ist besonders schade, weil das Thema durchaus Stoff für eine bissige, mutige oder zumindest ehrliche Komödie bieten würde. Eine Frau in der Lebensmitte, die sich gegen die emotionalen Routinen einer langjährigen Ehe auflehnt, könnte eine wunderbar scharf beobachtete Geschichte über Begehren, Selbstbild und gesellschaftliche Erwartungen sein. Stattdessen bleibt alles erstaunlich harmlos. Selbst die moralischen Konflikte werden so vorsichtig verhandelt, dass sie sich am Ende beinahe von selbst wieder auflösen. Am Ende bleibt der Eindruck eines Films, der unbedingt charmant und lebensklug wirken möchte, dabei aber vor allem brav und unerquicklich vorhersehbar ist.
Der Film «Makellos – Eine kurze Welle des Glücks» wird am Mittwoch, den 11. März um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt.
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