‚Der Wald ist im Erzgebirgskrimi mehr als Kulisse – er ist ein eigener Protagonist‘

Der «Erzgebirgskrimi» gehört längst zu den festen Größen im ZDF-Samstagsprogramm. Produzent und Autor Rainer Jahreis spricht über die Bedeutung der Region für die Geschichten, die Balance zwischen Tradition und frischen Ideen – und warum der Wald im neuen Film „Mordholz“ eine zentrale Rolle spielt.

Der «Erzgebirgskrimi» ist längst eine feste Größe am Samstagabend. Wie gelingt es Ihnen als Produzenten, die Reihe erzählerisch frisch zu halten, ohne die vertraute DNA zu verlieren?
Vom ersten Film an versuchen wir Geschichten zu erzählen, die ausschließlich im Erzgebirge spielen können. Sowohl die klare Verortung der Geschichten, als auch die regionalen Biografien der Figuren sorgen für den authentischen Kern und die DNA unserer Reihe. Das ist sicher ein Fundament für den Erfolg. Aber wir konnten viele tolle Regisseurinnen und Regisseure gewinnen. Außerdem tolle Autorinnen und Autoren. Sie alle bringen ihre Ideen und ihre Handschrift in das Format mit ein. Das macht die Reihe frisch und lebendig.

„Mordholz“ verbindet klassischen Krimi mit Themen wie Holzschmuggel, Forstwirtschaft und wirtschaftlichem Druck im ländlichen Raum. Wie wichtig ist Ihnen die gesellschaftliche Verankerung der Fälle?
Sehr wichtig. Aber auch hier steht Wahrhaftigkeit für uns an erster Stelle. Das beginnt mit der Recherche und vielen Gesprächen vor Ort. Gesellschaftliche Verankerung der Fälle bedeutet ja, die wahren Sorgen und Nöte der Menschen ernsthaft und glaubhaft zu erzählen. Hier hilft es sicher auch, dass Teresa Weißbach und Kai Scheve aus dem Erzgebirge kommen.

Der Wald ist im Erzgebirgskrimi weit mehr als Kulisse – er ist Konfliktraum, Mythos und Wirtschaftsraum zugleich. Wie stark denken Sie Stoffe visuell von der Landschaft her?
Der Wald, die Landschaft und die Natur spielen eine zentrale Rolle für das Format. Sie waren von Beginn an fester Bestandteil des Konzepts der Reihe. Wir haben uns sehr bewusst für die Figur der Försterin entschieden. Saskia Bergelt macht den Wald und die Natur für die Zuschauer erlebbar. Sowohl die Angst vor, als auch um den Wald. Sie trägt durch ihre besondere Expertise als Försterin und „Fährtenleserin“ zur Lösung der Fälle bei. Das ist sicher auch ein Alleinstellungsmerkmal für unsere Reihe.

Mit Winkler, Szabo und Försterin Saskia Bergelt gibt es inzwischen ein eingespieltes Figurenensemble. Wie planen Sie langfristig die Entwicklung dieser Figuren über mehrere Filme hinweg?
Unser Ensemble ist natürlich das Zentrum der Reihe. Für uns, aber vor allem für unser Publikum. Es sind unsere Hauptrollen, die der Zuschauer am Samstagabend in sein Wohnzimmer lässt. Eine vertraute Beziehung, die es zu bewahren gilt. Durch Spannung, Emotionalität und Humor. Aber die es auch gilt, immer wieder neu zu denken und überraschend und konfliktreich zu gestalten. Wir entwickeln die Horizontalen über mehrere Filme hinweg. Durch die Neubesetzung der Rolle von Lara Mandoki wird es hier zusätzlich viele neue Impulse geben. Wir sind hierzu im engen Austausch mit unserem ZDF-Redakteur.

Gerade im Samstagkrimi ist die Balance zwischen atmosphärischer Dichte und breiter Publikumsansprache entscheidend. Wo ziehen Sie die Grenze zwischen regionaler Spezifik und universeller Erzählung?
Das eine schließt das andere ja nicht aus. Das Ensemble und das vertraute Setting spielt zwar für die Wiedererkennbarkeit der Reihe eine wichtige Rolle, aber die großen Emotionen von uns Menschen sind ein universelles Gut. Liebe, Hass, Gier, Eifersucht, Neid. Und wenn man in den Lauf einer Waffe blickt, dann fühlt sich Todesangst im Erzgebirge vermutlich nicht anders an als auf dem Kurfürstendamm.

Der Fall dreht sich um familiäre Konflikte, Generationenbrüche und wirtschaftliche Abhängigkeiten. Ist es Ihr Anspruch, dass jeder Krimi auch ein gesellschaftliches Familiendrama erzählt?
Nein, diese Prämisse gibt es nicht. Aber wir erzählen natürlich Krimi. Und die meisten Morde finden eben mal im Familien- oder Beziehungsumfeld statt. Hier bin ich aber vor dem Schreiben auf eine Reportage über das illegale Holzgeschäft gestoßen. Es ging um Birkenholz aus Russland. Essentiell für die Handwerkskunst im Erzgebirge. Für die Herstellung der Schwibbögen und Pyramiden. Und so gab es plötzlich diesen aktuellen, konkreten und wahren Bezug aus dem weltweiten illegalen Holzhandel direkt hinein ins traditionelle erzgebirgische Handwerk. Das war natürlich ein perfektes Match.

Die Reihe setzt stark auf bekannte Gesichter im Ensemble, ergänzt durch prägnante Episodenrollen. Wie wichtig ist diese Mischung für die Markenbildung des Formats?
Das ist uns sehr wichtig. Die Basis dafür sind aber natürlich die Geschichten und die Drehbücher. Auch tolle Schauspielerinnen und Schauspieler müssen ja die Figur und die Rolle überzeugen. Und hier hilft sicher auch unser Anspruch auf Authentizität, was den biografischen Hintergrund der Rollen angeht. So konnten wir für die Episodenhauptrollen sehr viele großartige Darstellerinnen und Darsteller mit ostdeutscher Biografie gewinnen. Zusammen mit unserem Ensemble hebt das dann natürlich das Gesamtniveau der Reihe.

Der «Erzgebirgskrimi» ist auch in der Mediathek erfolgreich. Denken Sie Stoffe inzwischen anders – vielleicht serieller oder düsterer –, weil das Streamingpublikum andere Sehgewohnheiten hat?
Das ist ein schwieriger Spagat. Und wenn man versucht die Dinge zu sehr zu verbiegen, dann brechen sie bekanntlich. Insofern ist uns der Kern und die DNA des Formats sehr wichtig. Damit sollte man gut und behutsam umgehen. Der Erzgebirgskrimi hat von Anfang an mit seinem Ensemble und seinen Geschichten ein großes lineares Publikum erreicht. Aber natürlich ist uns das Streaming-Publikum wichtig. Wir haben deshalb bei der Entwicklung und der Realisierung des Formats immer beide Bereiche fest im Blick.

Nach zahlreichen Filmen stellt sich immer auch die Frage nach Weiterentwicklung: Gibt es Überlegungen, die Reihe stärker zu serialisieren oder größere übergreifende Bögen einzubauen?
Wir machen derzeit drei Filme im Jahr. Die Entscheidung über die Zahl der Filme liegt beim ZDF. Der Krimifall wird innerhalb des jeweiligen Films zu Ende erzählt. Die privaten Stränge unseres Ensembles erzählen wir bereits in Bögen. Wir denken diese Horizontalen aber weiter und erzählen die Stränge dann über mehrere Filme hinweg.

Wenn Sie auf „Mordholz“ blicken: Was macht diesen Film innerhalb der Reihe besonders – atmosphärisch, thematisch oder in der Figurenkonstellation?
Ich habe das Buch zusammen mit Jürgen Pomorin geschrieben. „Mordholz“ fühlte sich beim Schreiben nach „Back to the roots“ an. Ein bisschen nach dem „Ur-Erzgebirge“. Mit einer erzgebirgischen Sage und dem Wald als Protagonisten. Dazu große Gefühle, Spannung und Humor. Ich hoffe die Zuschauer empfinden das auch so.

Danke für Ihre Zeit!

Das ZDF zeigt den «Erzgebirgskrimi» am Samstag, 7. März, um 20.15 Uhr. In der Mediathek ist der Film bereits seit dem 23. Dezember 2025.
07.03.2026 00:01 Uhr Kurz-URL: qmde.de/169526
Fabian Riedner

super
schade


Artikel teilen


Tags

Erzgebirgskrimi

◄   zurück zur Startseite   ◄
Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel

Qtalk-Forum » zur Desktop-Version

Impressum  |  Datenschutz und Nutzungshinweis  |  Cookie-Einstellungen  |  Newsletter