Am Dienstag gab Anne Gellinek ihr Statement zu den Verfehlungen ab - doch ausgerechnet an diesem Abend absorbierte Rodeln sehr viel Aufmerksamkeit.
Dieses Mal blicken wir im Wochenquotencheck auf das
«Heute Journal». Den die aktuelle Woche war eine turbulente für den ZDF-Dauerbrenner. Seinen Anfang nahm sie am letzten Sonntag, als ein Video-Ausschnitt eines angeblichen ICE-Einsatzes zur Abschiebe-Thematik in den USA gezeigt wurde. Der Haken an der Sache: Es handelte sich um nicht gekennzeichnetes KI-generiertes Material, das selbst mit Kennzeichnung nicht hätte im Beitrag auftauchen dürfen - Autorin und Redaktion hatten es scheinbar nicht ausreichend verifiziert. Das alles führte am Freitag schließlich zur Abberufung der zuständigen Korrespondentin. Doch wie viele Leute verfolgten das Nachrichten-Magazin in der fraglichen Zeit eigentlich?
Am Sonntag (15. Februar) war der Tag, an dem besagtes Video im «Heute Journal» gezeigt wurde. Das Sendedatum war aber auch deshalb speziell, weil das Nachrichtenmagazin im Fahrwasser der Olympischen Spiele auf Sendung ging, genauer gesagt um 21.48 Uhr, nachdem Sport-Content bereits 3,16 Millionen Menschen insgesamt und 1,00 Millionen der Jüngeren interessierte. In diesem Kontext belief sich auch der News-Zuspruch auf klar überdurchschnittliche 3,61 Millionen zu profunden 16,4 Prozent - Zahlen, die die Nachrichtensendung aber auch an regulären Sonntagen durchaus fertigbringt, wenn Herzkino-Filme über vier und fünf Millionen ziehen. Außergewöhnlich an diesem Tag aber tatsächlich der Zuspruch der 14-49-Jährigen, die ganz hohe 19,1 Prozent ob 0,88 Millionen ausmachten.
Am (Rosen-)Montag nach der Ausstrahlung des KI-Videos herrschte dann in der Sendung selbst zunächst noch die Ruhe vor dem Sturm, denn auf dem Lerchenberg schien man die volle Tragweite der Ereignisse noch nicht adäquat umrissen zu haben - darauf deutete jedenfalls das an diesem Tag erfolgte Kommunikationschaos mit widersprüchlichen Ausflüchten hin. Im Netz kamen allerdings bereits heftige Diskussionen auf. Ob diese nun auch mit dazu beitrugen, dass sich der Zulauf fürs Heute Journal an diesem Abend um 22.00 Uhr auf erhöhte 4,75 Millionen (22,5 Prozent) gesamt und 23,6 Prozent Jüngere belief, ist schwer zu eruieren, weil vorher bereits ganz starke Olympia-Übertragungen mit über vier und gar fünf Millionen liefen.
Der nächste Ausstrahlungstermin enthielt dann das Fehler-Eingeständnis der Redaktion mit einem Statement von Anne Gellinek. Es war am Dienstag wieder auf dem regulären Slot um 21.45 Uhr. Gesteigert hat dies die (linearen) Einschaltimpulse jedoch nicht, im Gegenteil waren deutlich weniger Menschen zugegen. Konkret waren es nur noch 2,04 Millionen zu ungewohnt einstelligen 9,4 Prozent gesamt. Zumindest bei den 14-49-jährigen lag man noch knapp über Senderschnitt im Angesicht 0,32 Millionen zu 8,0 Prozent der 14-49-Jährigen. Der Fall war dies wohl auch, weil Olympia dieses Mal im Gegenprogramm bei der ARD mit über sechs Millionen (Rodeln) lief. Ob das Gellinek-Statement im normalen Programmumfeld mehr Zuschauer angezogen hätte, ist schwer zu beurteilen.
Weniger gravierend war die Konkurrenz dann am Mittwoch. Und tatsächlich: Mit 2,84 Millionen Zuschauenden kristallisierte sich ein merklicher Sprung nach oben heraus - der dazugehörige Anteil erhöhte sich auf solide 14,2 Prozent. Parallel war sogar eine sehr gute Flughöhe bei den Jüngeren zu beobachten: Sie ließen sich zu 0,54 Millionen und 13,9 Prozent aufbringen. Während man in diesem Segment das Niveau der zuvor gezeigten Olympia-Zusammenfassungen hielt, bedeuteten die Resultate am Gesamtmarkt eine Steigerung, weil die Sport-Ausschnitte vom Tag auf acht Prozent bei unter zwei Millionen fielen.
Der Donnerstag brachte schließlich weitere Steigerungen für das aktuell schlagzeilenträchtige «Heute Journal». Genauer gesagt 3,44 Millionen wohnten bei und ließen den Anteil auf 16,2 Prozent wachsen - im Anschluss an einen gestärkten Bergdoktor mit über fünf Millionen. Die Jüngeren sackten hingegen auf deutlich verringerte 0,30 Millionen ab, die den Prozentwert auf durchwachsene 6,7 Prozent drückten. Zum Wochenende am Freitag fiel das Einschaltverhalten schließlich wieder unter die drei Millionen: Folglich wurden nur noch 2,61 Millionen insgesamt sowie 0,68 Millionen Junge gemessen, die jeweils unauffällige 12,9 und ganz starke 17,9 Prozent in den Altersgruppen besagten. Es war wie am Mittwoch, weil Olympia-Zusammenfassungen zuvor blass insgesamt, jedoch überdurchschnittlich bei den Jüngeren unterwegs waren.
Was bleibt nun am Ende dieser unruhigen Heute Journal-Woche? Wirkliche Ausschläge scheinen die Kontroversen an den jeweiligen Abenden in den Reichweiten zumindest linear nicht gezeitigt zu haben. Vielmehr zeigten sich logische Schwankungen im Kontext des Programmumfeldes. Am Ehesten waren vielleicht noch am Montag mehr Verfolger unter den 4,75 Millionen. Auch am Dienstag hätte es ohne die (negative) Aufmerksamkeit gegen ein ganz starkes Rodeln womöglich weniger als acht Prozent bei den 14-49-Jährigen gesetzt. Ob Gellinek-Statement und weitere betreffende Ausschnitte für einen höheren Zulauf auf den On Demand-Kanälen von ZDF/Heute Journal sorgten, ist von den referierten Daten natürlich nicht abgedeckt. Zumindest bei YouTube lagen die Aufrufe mit über 50.000 ein Stück über Normalniveau.
Die eigentliche Tragik sei noch am Ende erwähnt: Auch in dieser Woche zeigte das «Heute Journal» wieder, die Quoten des Primetime-Programms teils sogar noch ausbauen zu können. An den Abenden mit schwachen Olympia-Zusammenfassungen ließen sich um 21.45 Uhr klare Einschaltimpulse beobachten, die die Sendung auch in den letzten Jahren auszeichneten. Dies ist ein Zeichen dafür, dass das journalistische Format für viele eine vertrauenswürdige Anlaufstation ist, bei der Ungenauigkeiten und Verfälschungen umso bitterer erscheinen. Umso wichtiger wird es für das ZDF, diese Integrität in Zukunft besser zu schützen.
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