Lisa Schützenberger über «Der Salzburg-Krimi»: ‚Anna grenzt sich stark ab‘

Als Anna Grünwald steht Lisa Schützenberger im Zentrum des neuen «Der Salzburg-Krimi» – kontrolliert, präzise und kaum zugänglich. Im Gespräch erklärt sie, warum sie sich beim Spielen bremsen musste, weshalb psychologische Tiefe heute wichtiger ist als reine Ermittlungslogik – und wieso sie sich für ihre Figur künftig mehr private Brüche wünscht.

Anna Grünwald wirkt in «Der Salzburg-Krimi» sehr kontrolliert, präzise und fast kühl. Was hat Sie an dieser Figur besonders gereizt – und wo mussten Sie beim Spielen vielleicht bewusst gegen eigene Impulse anarbeiten?
Anna grenzt sich sehr stark ab und lebt auch viel in ihren inneren Räumen. Ich musste mich öfter mal bremsen mit anderen Figuren zu stark in emotionalen Kontakt zu gehen. Das war aber auch das Spannende und Reizvolle für mich.

Der Kontrast zwischen Anna Grünwald und Thomas Meiberger ist zentral für die Reihe. Wie haben Sie das Zusammenspiel mit Fritz Karl erlebt – gerade weil Ihre Figuren so unterschiedliche Zugänge zur Wahrheit haben?
Wir hatten beim Spielen von Anfang an einen sehr guten Draht zueinander. Die unterschiedlichen Herangehensweisen, das hat sich sehr natürlich ergeben, da wir auch als Menschen ganz unterschiedliche Erfahrungen und Lebensrealitäten haben. Er ist zum Beispiel Vater von sieben Kindern, ich wohne in einer Wohngemeinschaft. Wir leben so gesehen auch im Privaten auf verschiedenen Planeten.

Im ersten Film stößt Anna zunächst auf Widerstand, weil ihr ein externer Ermittler „vorgesetzt“ wird. Wie sehr ist diese Dynamik auch ein Kommentar auf Macht, Hierarchien und politische Einflussnahme innerhalb der Polizei?
Das kann man schon als Kommentar lesen, es ist für Anna einer der größten Herausforderungen. Als neue Kommissarin, insbesondere als weibliche Führungskraft, in einer Männerdomäne diesen Fall zu lösen. Mit den „Alteingesessenen“ und den Machtstrukturen umzugehen.

Ritualmorde, sakrale Symbolik und psychologische Abgründe spielen eine große Rolle. Was war für Sie als Schauspielerin die größte Herausforderung an diesem sehr düsteren Stoff?
Wenn ich mir selber einen Film anschaue bin ich eigentlich leicht zu gruseln. Im Spiel war das dann aber kein Problem. Wahrscheinlich lag es aber auch an der Rolle, weil Anna da auch einen kühlen Kopf bewahrt.

Anna Grünwald ist keine Figur, die sich anbiedert oder gefallen will. Wie wichtig ist Ihnen persönlich, dass weibliche Ermittlerfiguren im Fernsehen nicht weichgezeichnet oder klischeehaft erzählt werden?
Die Geschichten, die wir uns erzählen, beeinflussen unsere Wirklichkeit. Je öfter Frauen nicht als Abziehbilder gezeigt werden, sondern als Menschen mit aller Art von Gefühlen und Komplexität, desto leichter fällt es uns in der Realität das anzunehmen und zu akzeptieren. Es ist mir sehr wichtig.

Im zweiten Film „Am seidenen Faden“ verschiebt sich der Fokus stärker auf Ohnmacht und emotionale Grenzerfahrungen. Wie verändert sich Anna Grünwald in diesem Fall – und was lernt sie über sich selbst?
Im zweiten Fall wird das Team mit Geschehnissen überflutet. Anna kann sich nicht mehr wie für sie gewohnt abgrenzen, es wird emotional, sie muss sich ein wenig weicher zeigen.

Die Reihe verbindet Großstadt (Salzburg) mit ländlichen Räumen rund um den Wolfgangsee. Was macht diese Mischung aus urbaner Ordnung und scheinbarer Idylle für das Krimi-Genre so spannend?
Widersprüche erhöhen die Spannung und es macht Spaß, das auch visuell umzusetzen. Die scheinbar bürgerliche Idylle des Wolfgangsees, um dann zu entdecken, dass unter der Oberfläche der Abgrund brodelt. Die schöne Landschaft, die dem puren Grauen entgegengesetzt wird.

Sie haben einmal gesagt, Anna habe „alles im Griff“, während Sie selbst sich auch gern treiben lassen. Gab es Momente am Set, in denen Ihnen diese Gegensätzlichkeit besonders bewusst wurde?
An jedem Drehtag, denn Anna und ich sind wirklich sehr unterschiedlich. Und genau das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Besonders ihre Unangepasstheit in sozialen Situationen, war mir am Anfang recht fremd. Anna ist es etwa nicht wichtig, was ihr Umfeld über sie denkt. Da versuche ich mir eine Scheibe von abzuschneiden, mehr in mich hineinzuhören.

«Der Salzburg-Krimi» setzt stark auf psychologische Tiefe statt reine Ermittlungsmechanik. Glauben Sie, dass das Publikum heute genau diese Form des entschleunigten, psychologisch dichten Krimis sucht?
Menschen interessieren sich viel dafür, weshalb aus psychologischer Sicht Verbrechen passieren, nicht ohne Grund ist True-Crime auch gerade so groß. Es steht der Mensch im Mittelpunkt, nicht nur der Fall. Der Fokus liegt auf dem Innenleben, Motiven und Traumata. Die Figuren sind ambivalent und widersprüchlich. Die Frage ist nicht nur wer war es, sondern warum ist es passiert.

Nach zwei sehr intensiven Filmen: Was würden Sie sich für die weitere Entwicklung von Anna Grünwald wünschen – mehr Nähe, mehr Brüche oder vielleicht auch private Abgründe?
Ich würde gerne mehr über Annas Privatleben zeigen. Wie sie lebt oder mit wem sie lebt. Wie sie ist, wenn sie alleine ist und was sie dann bewegt. Das gibt einer Figur mehr Tiefe. Außerdem freue ich mich darauf wie sich die Zusammenarbeit zwischen Anna und Meiberger noch so entwickelt und wo es die Zwei so hinführt.

Danke für das Gespräch!

«Der Salzburg-Krimi» ist am 26. Februar und am 5. März im Ersten zu sehen. Die Filme sind ab 23. und 26. Februar in der ARD Mediathek abrufbar.
25.02.2026 12:31 Uhr Kurz-URL: qmde.de/169122
Fabian Riedner

super
schade


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Der Salzburg-Krimi

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