Hipstertum aus München trifft auf Lebensläufe aus aller Welt. So inszeniert «Damen» eine quirlige Idee - und denkt sie leider nicht zu Ende.
Stab
Darsteller: Salka Weber, Miriam Hie, Mai-Phuong Kollath, Viet Pham, Thomas Limpinsel, Patrick Isermeyer
Musik: Jessica de Rooij und Maarten Buning
Kamera: Robert Münchhofen
Drehbuch: Stefanie Kremser
Regie: Katharina BischofEs gibt Filme, die berauschen sich ein bisschen zu sehr daran, ein Mikrokosmos der ganzen Welt zu sein. So wie «Damen», der neue Mittwochsfilm im Ersten, der Gegenwart und Geschichte, Nagelstudio und Nachkriegstrauma, Influencerinnen-Alltag und Migrationsbiografien miteinander verweben will – und sich dabei sehr schnell in seinen guten Absichten verheddert.
Im Zentrum der Geschichte steht Maya (Salka Weber), Mitte 30, mobile Nagelpflegerin und freie Maskenbildnerin am Theater, die sich irgendwie durchs Münchner Leben laviert. Sie wohnt in einer WG mit Sema (Safak Sengül), temperamentvoll, optisch geschniegelt, digital versiert. Maya dagegen ist die Suchende: zwischen Messie-Mutter, abwesendem Vater, prekären Jobs und der leisen Hoffnung, dass es da noch mehr geben muss als bröckelnden Altbaucharme und schlecht bezahlte Kreativarbeit.
«Damen» möchte diese private Krise nun noch mit einem größeren historischen Bogen aufladen. Afroamerikanische GIs, vietnamesische Boatpeople, türkische und angolanische Einwanderungsgeschichten – sie alle sollen in Mayas Gegenwart hineinwirken. Das ist ehrenwert, ja, sogar notwendig in einem Land, das seine Einwanderungsgeschichte oft nur sehr eindimensional begreift. Doch der Film illustriert seine Thesen oft mit der Behutsamkeit eines Volkshochschulkurses. Wo Ambivalenz möglich wäre, entscheidet man sich für das gefällige Bild; wo Brüche knirschen könnten, wird weich ausgeleuchtet.
Dabei ist das Personal durchaus vielversprechend. Miriam Hie und Mai-Phuong Kollath als Bian und Thao geben dem Ensemble eine ruhige Erdung, Viet Pham als Kim setzt derweil punktuelle Kontrapunkte. Und dann ist da noch Philip, der flatterhafte Tänzer, gespielt von Patrick Isermeyer – ein „Paradiesvogel“, wie das Drehbuch ihn nennt. Seine Leichtigkeit hat Charme, keine Frage. Doch auch hier bleibt vieles Behauptung: Es knistert höflich, statt wirklich zu brennen.
Das Drehbuch von Stefanie Kremser setzt dabei stark auf Dialoge, die klug klingen wollen. Manchmal gelingen tatsächlich kleine, wache Momente – und sie zeigen, was «Damen» sein könnte: ein Film über Solidarität jenseits von Blutsbanden. Doch zu oft schiebt sich die ausdialogisierte Botschaft in den Vordergrund. Das Problem ist dabei nicht ihre Aussage, sondern vielmehr ihre Inszenierung. Geschichte wird hier zum dekorativen Resonanzraum, nicht zum Störfaktor. Die Verbindungen zwischen den Generationen und Herkunftsgeschichten wirken konstruiert, als habe jemand mit Textmarker Linien gezogen, wo im echten Leben vielleicht nur lose Fäden wären.
Und doch wäre es unfair, «Damen» schlicht abzutun. Der Film bemüht sich ernsthaft um Diversität, ohne sie als reines Schlagwort zu missbrauchen. Er zeigt Frauen verschiedener Generationen und Herkünfte nicht als Konkurrenz, sondern als Netzwerk. Das ist im deutschen Fernsehen noch immer keine Selbstverständlichkeit. Salka Weber trägt den Film derweil mit einer angenehm unaufgeregten Präsenz; ihr Spiel hat etwas Tastendes, Fragiles, das berührt, wenn man ihm Raum lässt.

Vielleicht liegt genau hier das Dilemma: «Damen» traut seinen Figuren nicht genug zu. Statt sie einfach leben zu lassen – mit Widersprüchen, Irrwegen, auch mit Scheitern – ordnet der Film sie einem harmonischen Gesamtbild unter. Alles soll zusammenpassen, alles soll Sinn ergeben. Doch Sinn entsteht im Film doch oft gerade dort, wo etwas offen bleibt. Und so bleibt «Damen» ein Film mit Herz, aber ohne rechtes Risiko. Er will die Vergangenheit ehren, die Gegenwart feiern und für die Zukunft ermutigen. Das ist viel verlangt – und vielleicht ein bisschen zu geschniegelt, zu ordentlich manikürt. Man schaut nicht ungern zu. Aber man wünscht sich, die Nagelfeile würde ab und zu abrutschen, damit es wirklich weh tut – und dadurch wahrer wird.
Der Film «Damen» wird am Mittwoch, den 18. Februar um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt.
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