Carrie Preston brilliert erneut als eigenwillige Juristin in der CBS-Serie «Elsbeth». Die zweite Staffel punktet mit 20 Episoden, hochkarätigen Gaststars und einem durchgehenden Handlungsbogen – lässt aber auch ein paar Story-Chancen liegen.
Der amerikanische Sender CBS setzt weiterhin großes Vertrauen in das Showrunner-Ehepaar Robert und Michelle King. Die beiden sind seit Jahren als Qualitätsgaranten im Serienbereich bekannt, unter anderem durch «The Good Wife» und «The Good Fight». Für ihre neueste Produktion
«Elsbeth» durften sie nun eine zweite Staffel mit gleich 20 Episoden realisieren – ein deutlicher Sprung, wenn man bedenkt, dass ihre Projekte zuletzt meist deutlich kürzere Staffeln hatten.
Im Zentrum steht erneut Carrie Preston als exzentrische, hochintelligente Juristin Elsbeth Tascioni, die in New York als Beraterin der Polizei arbeitet. Schon in der ersten Staffel glänzte Preston mit einer Mischung aus eigenwilligem Charme, messerscharfem Verstand und skurrilen Methoden. Diese Mischung funktioniert auch in der neuen Staffel – und wird durch ein beeindruckendes Aufgebot an Gaststars noch veredelt.
Starbesetzte Gästeliste
Bereits in der ersten Staffel konnte «Elsbeth» mit bekannten Namen wie Retta, Blair Underwood und Gina Gershon aufwarten. In Staffel zwei legt man noch eine Schippe drauf: Unter anderem geben sich Nathan Lane, Vanessa Williams, Jack Davenport, Vanessa Bayer, Laurie Metcalf, Eric McCormack, Alan Ruck, Matthew Broderick, Alyssa Milano, Tracey Ullman, Mary-Louise Parker und Ethan Slater die Ehre. Diese Starpower sorgt dafür, dass viele Episoden nicht nur wegen der Fälle, sondern auch wegen der schauspielerischen Chemie in Erinnerung bleiben.
Ein Auftakt mit Oper und Mord
Der Staffelstart zeigt direkt, dass sich die Autoren mehr Zeit für komplexe Geschichten nehmen. In der ersten Episode spielt Nathan Lane den Opernliebhaber Philip Cross, der nach einem Streit den Bekannten Eddie brutal ersticht. Elsbeth kommt ihm auf die Spur, weil er auf allen Selfies mit einem bestimmten Smartphone zu sehen ist. Gemeinsam mit Kollegin Kaya Blake (Carra Patterson) taucht sie in die Welt der Oper ein und findet heraus, wie tief Cross’ Obsession reicht. Geschrieben wurde diese Episode von Jonathan Tolins, und sie setzt einen Qualitätsmaßstab, den man in der ersten Staffel nicht immer erreichte.
Neues im Revier – und vertane Chancen
Auch im Polizeirevier gibt es Veränderungen: Lt. Steve Connor (Daniel K. Isaac) tritt seinen Dienst an und entdeckt, dass Kaya ohne die nötigen Leistungsnachweise auf die Akademie kam. Eigentlich eine Steilvorlage für spannende Nebenplots – etwa das Jonglieren zwischen Ausbildung und Job –, doch die Serie lässt diesen Strang nahezu ungenutzt. Connor erweist sich als pragmatischer Vorgesetzter, der vor allem Ruhe im Revier will. Das führt dazu, dass Charles Wagner (Wendell Pierce) in eine Nebenrolle als Stichwortgeber abgedrängt wird.
Das große Staffelgeheimnis
Ab Episode sieben zieht sich ein größerer Handlungsbogen durch die Serie. Richter Milton Crawford (Michael Emerson) wird in einen Mordfall verwickelt: Er bricht bei Andy Mertens ein, kurz nachdem dieser Zeit mit seiner Nachbarin Delia Bates (Meredith Holzman) verbracht hat, und erschlägt ihn. Offiziell ist Delia die Hauptverdächtige, darf sich Andy aber eigentlich gar nicht nähern. Elsbeth kann nicht selbst ermitteln, da sie in diesem Fall als Geschworene eingeteilt ist – und gleichzeitig kommt ihr Sohn Teddy (Ben Levi Ross) zu Besuch. Für die Zuschauer ist von Beginn an klar: Crawford ist schuldig, doch der Weg zur Überführung ist steinig. Während die Fallauflösung ja fast genial ist, wirkt das Ende von Crawfords Story etwas unspektakulär.
Skurrile Einfälle und internationale Verwicklungen
Nicht minder originell ist Episode elf, in der Elsbeth auf den irischen Kleinstadtmusiker Angus Oliphant-Donnachaidh trifft. Über eine Kunstinstallation sind New York und eine irische Stadt live per Videowand verbunden – und so könnte Angus Zeuge eines Verbrechens geworden sein. Solche kreativen Ansätze gehören zu den charmantesten Stärken der Serie.
Ein weiterer herausragender Fall dreht sich um Bob Bedford, den anhedonistischen Erben einer wohlhabenden Familie. Aus purer Langeweile ermordet er scheinbar einen Obdachlosen – und könnte mit diesem Verbrechen davonkommen. Doch Bedford ist neugierig genug, an den Tatort zurückzukehren, und stolpert damit über Elsbeths Ermittlungen. Parallel dazu ermittelt ein ICE-Agent gegen eine antiroyalistische Feministinnengruppe aus Liechtenstein – ein absurd anmutender Nebenplot, der dennoch zum Charme der Serie beiträgt.
Ein Finale hinter Gittern
Im Staffelfinale landet Elsbeth aufgrund einer Racheaktion eines Richters selbst im Gefängnis. Allerdings genießt sie dort, wie viele prominente Insassen, diverse Vorzüge – bis ein Mithäftling stirbt und sie erneut zur Ermittlerin wider Willen wird. Besonders gelungen: Viele der Insassen sind Figuren, die Elsbeth in früheren Fällen hinter Gitter brachte, was für humorvolle, aber auch spannende Begegnungen sorgt.
Die zweite Staffel von «Elsbeth» überzeugt über weite Strecken mit klug konstruierten Fällen, einer Hauptfigur, die trotz all ihrer Schrullen nie zur Karikatur verkommt, und einer noch einmal gesteigerten Riege an Gaststars. Besonders der mehrteilige Handlungsstrang um Richter Milton Crawford verleiht der Staffel zusätzliche Tiefe.
Nicht alles zündet – manche Nebenplots, wie Kayas Ausbildungskrise, bleiben verschenkt –, aber der kreative Ideenreichtum und das Zusammenspiel von Humor und Spannung sorgen dafür, dass «Elsbeth» ein echtes Highlight im CBS-Programm bleibt. Sollte die Serie diesen Kurs halten, spricht wenig dagegen, dass Carrie Preston ihre Rolle noch viele Jahre spielen darf.
«Elsbeth» kann bei Joyn und Wow gestreamt werden.
Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel