Wiederholung oder Premiere? «Hot oder Schrott» liefert

Die Zahlen zeigen, dass «Hot oder Schrott» am Dienstag um 20.15 Uhr konstant stark performt – selbst als ab Mitte 2025 fast nur noch Wiederholungen liefen.

Wenn man sich die Reichweiten- und Marktanteilsdaten von «Hot oder Schrott» am Dienstagabend bei VOX anschaut, drängt sich eine Frage auf: Warum produziert man weniger neue Folgen, wenn selbst Wiederholungen solide bis sehr gute Werte einfahren? Zwischen Januar 2023 und Februar 2026 liefen insgesamt 94 ausgewertete Episoden in der Primetime – 71 vor Juli 2025, 23 danach. Die Zahlen sprechen eine erstaunlich klare Sprache.

Bis einschließlich Juni 2025 erreichte das Format im Schnitt 0,75 Millionen Zuschauer (exakt: 0,746 Mio.). Der durchschnittliche Marktanteil beim Gesamtpublikum lag bei 3,09 Prozent. In der klassischen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen kam die Sendung sogar auf durchschnittlich 5,79 Prozent Marktanteil. Das sind für VOX-Verhältnisse am Dienstag um 20.15 Uhr mäßige bis ausbaufähige Werte. Besonders auffällig: Mehrere Ausgaben durchbrachen klar die Millionenschwelle. Am 18. April 2023 sahen 1,184 Millionen Menschen zu – das entsprach starken 5,17 Prozent Marktanteil insgesamt und 7,96 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Am 28. März 2023 waren es 1,056 Millionen (3,89 Prozent gesamt, 7,10 Prozent 14-49). Auch im Herbst blieb das Niveau hoch: 1,029 Millionen am 14. November 2023 (3,82 Prozent gesamt, 7,14 Prozent in der Zielgruppe). Selbst 2024 konnte das Format noch einmal ein Ausrufezeichen setzen: Am 20. Februar 2024 wurden 0,984 Millionen Zuschauer gemessen – bei 3,99 Prozent Marktanteil insgesamt und sogar herausragenden 9,27 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen. Werte jenseits der neun Prozent sind für VOX zur besten Sendezeit keineswegs selbstverständlich.

Natürlich gab es auch schwächere Abende. Am 25. August 2024 fiel eine neue Folge auf 0,439 Millionen Zuschauer zurück (2,16 Prozent gesamt, 4,69 Prozent 14-49). Eine Wiederholung am 11. August 2024 erreichte 0,446 Millionen (2,07 Prozent, 3,99 Prozent 14-49). Und am 2. Januar 2024 blieb eine Konserve bei 0,496 Millionen und nur 1,74 Prozent Marktanteil hängen. Doch diese Ausreißer nach unten sind im Gesamtbild eher die Ausnahme als die Regel. Über 71 ausgewertete Ausgaben hinweg blieb das Format stabil im Korridor zwischen 0,6 und 0,9 Millionen – mit regelmäßigen Ausschlägen nach oben. Außerdem setzt VOX auf Wiederholungen, wenn bei Das Erste, ZDF oder RTL Fußballübertragungen zu sehen sind.

Spannend wird der Blick ab dem 1. Juli 2025. Ab diesem Zeitpunkt dominieren Wiederholungen das Bild. In den 23 ausgewerteten Sendungen bis Februar 2026 lag die durchschnittliche Reichweite bei 0,686 Millionen Zuschauern – also rund 60.000 weniger als im Zeitraum davor. Ein leichter Rückgang, aber kein dramatischer Einbruch. Bemerkenswert ist hingegen der Marktanteil: Im Gesamtpublikum stieg er im Schnitt sogar auf 3,21 Prozent (zuvor 3,09 Prozent). Noch deutlicher ist die Entwicklung in der Zielgruppe: Hier kletterte der Durchschnittswert auf 6,35 Prozent – nach zuvor 5,79 Prozent. Mit anderen Worten: Obwohl die absolute Zuschauerzahl etwas zurückging, gewann das Format relativ zum Markt sogar an Stärke. Das spricht entweder für ein schwächeres Umfeld oder – wahrscheinlicher – für eine treue Kernzielgruppe, die auch bei Wiederholungen einschaltet.

Einige Beispiele aus der Wiederholungsphase unterstreichen das. Am 10. Februar 2026 erreichte eine Konserve 0,766 Millionen Zuschauer und starke 3,35 Prozent Marktanteil insgesamt. In der Zielgruppe standen sogar 6,19 Prozent zu Buche. Am 3. Februar 2026 waren es 0,725 Millionen (2,93 Prozent gesamt, 4,93 Prozent 14-49). Selbst am 27. Januar 2026 kam eine Wiederholung auf 0,660 Millionen und 2,66 Prozent gesamt – bei 5,15 Prozent in der Zielgruppe. Das sind keine Notwerte. Das sind für VOX solide Primetime-Ergebnisse, die sich vor vielen anderen Eigen- oder Lizenzformaten nicht verstecken müssen. Zwar gab es auch hier Ausreißer nach unten – etwa am 30. Dezember 2025 mit nur 0,381 Millionen Zuschauern und 1,74 Prozent Marktanteil (3,09 Prozent 14-49). Doch der Termin zwischen den Jahren ist traditionell schwierig und daher kaum repräsentativ.

Die Daten legen nahe, dass es dem Publikum in vielen Wochen tatsächlich weitgehend egal ist, ob eine neue Folge oder eine Wiederholung läuft. Während neue Ausgaben 2023 und 2024 zwar vereinzelt die Millionenmarke knackten, lagen viele Konserven nur knapp darunter – oft im Bereich zwischen 0,6 und 0,8 Millionen Zuschauern. Vor allem in der Zielgruppe scheint die Marke «Hot oder Schrott» als verlässlicher Lieferant zu funktionieren. Ein durchschnittlicher Marktanteil von 6,35 Prozent ab Juli 2025 – also in einer Phase mit überwiegend Wiederholungen – ist ein klares Signal: Die 14- bis 49-Jährigen schalten weiterhin ein. Das spricht für eine hohe Markenbindung und eine gewisse Austauschbarkeit einzelner Episoden. Das Format lebt von seiner Grundidee, den skurrilen Produkten und den bekannten Testern – weniger von einer fortlaufenden Dramaturgie, die zwingend neue Inhalte voraussetzt.

Gerade vor diesem Hintergrund wirkt die Programmstrategie ambivalent. «Hot oder Schrott» gilt als vergleichsweise günstiges Factual-Entertainment-Format. Wenn selbst Wiederholungen im Schnitt 0,686 Millionen Zuschauer und über sechs Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen bringen, stellt sich die Frage, warum man nicht regelmäßig neue Staffeln produziert. Denn: Die Differenz zwischen 0,746 Millionen (vor Juli 2025) und 0,686 Millionen (danach) beträgt gerade einmal rund acht Prozent. Der Marktanteil in der Zielgruppe ist sogar gestiegen. Rein rechnerisch könnte man argumentieren, dass VOX hier ein Format besitzt, das selbst im Wiederholungsmodus noch zuverlässig liefert. Möglicherweise spielen strategische Überlegungen eine Rolle: Bereits vor über einem Jahr trat die RTL-Gruppe auf die Kostenbremse, weil das Unternehmen Sky Deutschland übernehmen möchte und zeitgleich teures Geld für Stefan Raab bezahlt.

Über 94 ausgewertete Ausgaben hinweg zeigt sich ein klares Bild: «Hot oder Schrott» ist für VOX am Dienstag um 20.15 Uhr eine stabile Säule. Mit Spitzenwerten von 1,184 Millionen Zuschauern, wiederholten Zielgruppenanteilen von über sieben, acht oder gar neun Prozent und einem Langzeitdurchschnitt von rund 0,7 bis 0,75 Millionen Zuschauern bewegt sich das Format auf konstant gutem Niveau. Die Zahlen deuten daher auf eine erstaunliche Robustheit hin. Für VOX bedeutet das: Man kann Wiederholungen senden – oder neue Folgen. Das Publikum scheint in beiden Fällen zuverlässig dabei zu sein. Viele Medienexperten wissen gar nicht, welches Schatz VOX am Dienstagabend im Programm hat – und hätten nur gerne selbst ein solches Format.
20.02.2026 12:17 Uhr Kurz-URL: qmde.de/168874
Fabian Riedner

super
schade


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Hot oder Schrott

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