ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky über den publizistischen Kern der Olympia-Berichterstattung 2026, die Rolle des linearen Fernsehens im Zusammenspiel mit Mediathek und Social Media – und darüber, warum öffentlich-rechtlicher Sportjournalismus bei aller Begeisterung auch kritische Distanz wahren muss.
Die ARD berichtet 2026 so umfangreich wie nie zuvor: linear, digital, Audio, Social Media. Was ist aus Ihrer Sicht heute der Kernauftrag einer öffentlich-rechtlichen Olympia-Berichterstattung?
Wir berichten umfangreich, vielfältig, seriös, hintergründig und mit hoher journalistischer Qualität von den Olympischen Winterspielen – und der Sport mit seinen Athletinnen und Athleten steht im Vordergrund.
Darin sehen wir unsere Verantwortung und unseren Auftrag.
Bis zu 700 Stunden Livestream stehen im Raum – deutlich mehr, als irgendjemand komplett sehen kann. Wie verhindert man, dass Quantität die Orientierung für das Publikum erschwert?
Wir haben ja zum Glück heutzutage viele und sehr differenzierte Möglichkeiten: Im TV bieten wir eine vielfältige Auswahl der Wettbewerbe, die während der Olympischen Spiele gleichzeitig stattfinden. Es kann hier selbstverständlich nicht alles live abgebildet werden, deshalb gibt es eine bunte Mischung aus Live-Übertragungen, Zusammenfassungen, News, Hintergrund, Interviews und vielem mehr. Wer aber ganz konkret einen bestimmten Wettbewerb in voller Länge sehen möchte, wird in der ARD Mediathek sicherlich sehr schnell fündig. Alle Livestream-Angebote von Olympia sind in einem eigenen Bereich der ARD Mediathek übersichtlich und nach Zeiten geordnet, außerdem ermöglicht der Multistreamplayer – seit Olympia in Paris 2024 ein gelerntes Tool – einfach und intuitiv den Wechsel zwischen den verschiedenen Streaming-Angeboten.
Das Erste zeigt weiterhin lange Live-Strecken zur klassischen Sendezeit. Was kann das lineare Olympia-Programm heute noch leisten, was Mediathek und Social Media nicht können?
TV, Mediathek und Social Media sind alles unterschiedliche Plattformen für uns, die wir mit sehr unterschiedlichen Angeboten bestücken. Für das TV-Publikum bieten wir einen journalistisch aufwendigen Mix aus Liveübertragungen, Zusammenfassungen, Hintergrund-Berichten, Stories rund um Land und Leute, Interviews, Experteneinschätzungen und vieles mehr. Die TV-Sendungen geben einen sehr guten Überblick, behalten das Wesentliche im Blick und ordnen in ein Gesamtbild Olympia ein. Das ist etwas, das in diesem Umfang weder die zusätzlichen Angebote in der ARD Mediathek leisten können noch unsere Berichterstattung über Social Media.
Olympia ist nicht nur Sport, sondern auch Politik, Wirtschaft und Konfliktfeld. Wie wichtig ist es Ihnen, neben Emotionen auch kritische Themen wie Machtstrukturen, Kosten oder Doping präsent zu halten?
Eine ausführliche Hintergrund-Berichterstattung über alle Themen abseits des Sportlichen gehört für die ARD selbstverständlich zur Übertragung von sportlichen Großereignissen dazu. Aus diesem Grund sind verschiedenen Kolleginnen und Kollegen schon im Vorlauf, aber besonders während der Olympischen Spiele damit befasst, hintergründig und investigativ zu berichten, siehe auch die näheren Infos im umfangreichen ARD-Pressedossier zu den Olympischen Spielen:
Olympia 2026 - daserste.de
Mit Podcasts, TikTok und Instagram rückt Olympia näher an jüngere Zielgruppen. Wie verändert sich dadurch die Tonalität der Berichterstattung – und wo ziehen Sie journalistische Grenzen?
Wir machen einfach sehr unterschiedliche Angebote – speziell auf die verschiedenen Plattformen und die damit verbundenen Zielgruppen zugeschnitten. Damit ist auch die Tonalität unterschiedlich, wir bleiben aber seriös und auf hohem journalistischem Niveau.
Die ARD setzt stark auf Expertinnen und Experten mit eigener Olympiageschichte. Wie wichtig ist diese persönliche Erfahrung für Glaubwürdigkeit – und wo darf Distanz bleiben?
Expertinnen und Experten blicken mit ganz anderer persönlicher Erfahrung auf Olympische Spiele und ihren Sport – deswegen sind ihre Analysen und hintergründigen Geschichten wichtiger Bestandteil in unseren Übertragungen.
Der Olympia-Song, große Studiobilder, Emotionen – all das gehört dazu. Wie balanciert man Inszenierung und Ernsthaftigkeit, ohne ins Eventhafte abzurutschen?
Wir übertragen den olympischen Sport, er ist der Mittelpunkt und der grundlegende Inhalt aller unserer Übertragungen. Natürlich gehören zu Sportübertragungen aber immer auch emotionale, starke und beeindruckende Bilder, das hat für mich allerdings nichts mit einer Inszenierung zu tun, sondern ist dem Sport immanent, insbesondere bei Olympischen Spielen. Sieg und Niederlage liegen stets so dicht beieinander, Sekunden oder Zentimeter entscheiden über Jubel oder Tränen. Das bietet der Sport ganz von alleine und muss nicht künstlich hergestellt werden.
Vielen Dank für Ihre Zeit!
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