Stephanie Müller-Spirra: ‚Olympische Momente bleiben für immer‘

Im Interview spricht sie über den Unterschied zu langen Wintersporttagen, die Herausforderung der Dauerpräsenz, Teamarbeit im Ausnahmezustand und darüber, warum Olympia für sie weit mehr ist als „nur“ ein weiteres großes Sportereignis.

Sie moderieren erstmals Olympische Winterspiele als Anchor. Was war der Moment, in dem Ihnen klar wurde: Das ist journalistisch noch einmal eine ganz andere Dimension als ein normaler Sporteinsatz?
Viel mehr geht nicht, das war mir eigentlich gleich klar - erst recht als Wintersportkind. Als Thüringerin wurde mir Wintersport quasi in die Wiege gelegt. Für mich ist das quasi wie ein eigener Olympiasieg, journalistisch und persönlich. Noch dazu zusammen mit meiner tollen Kollegin Esther Sedlaczek.

Olympia bedeutet viele Stunden Live-Moderation, hohe Taktung und ständige Unvorhersehbarkeit. Wie bereiten Sie sich mental und inhaltlich auf diese besondere Form von Dauerpräsenz vor?
Die Vorfreude darauf und der Spaß daran - das ist eigentlich schon die halbe Miete. Ich lese noch mehr als eh schon in Sachen Wintersport und bin gefühlt noch wacher, alles mitzubekommen, um es dann entsprechend transportieren zu können. Vor allem ist es aber, wie fast alles: Echte Teamarbeit. Und wir haben ein tolles Team!

Sie kennen auch klassische lange Wintersporttage im Ersten. Worin unterscheidet sich Olympia für Sie als Moderatorin ganz konkret von einem Biathlon- oder Skisprung-Marathon im Weltcup?
Ich denke, es ist, wie für die Sportlerinnen und Sportler auch, eben einfach der Olymp. Das Großereignis schlechthin, darauf fiebern alle Beteiligen hin. Olympische Momente bleiben für immer. Und es ist einfach eine Ehre, so ein besonderer Teil davon sein zu können.

Während Wintersporttage oft einer klaren Dramaturgie folgen, laufen bei Olympia viele Geschichten parallel. Wie behalten Sie im Studio den Überblick – und entscheiden, was in diesem Moment wirklich wichtig ist?
Eine Mischung aus Kopf und Herz, würde ich sagen. Aber wahrscheinlich sogar mehr Herz. Wir wollen ja die großen, die besonderen Momente zeigen, die Olympischen Spiele erlebbar für alle nach Hause bringen, entsprechend werden wir auch über die Medaillenentscheidungen hinaus gehen. Manchmal sind‘s ja auch ganz kleine Momente, die berühren. Unser Team sieht alles, oder fast alles 😉

Sie moderieren aus Mainz, während das Geschehen über mehrere Orte in Italien verteilt ist. Wie stellen Sie dennoch Nähe zu Athletinnen, Athleten und Publikum her?
Wir sind ja einerseits in Mainz, aber haben andererseits auch vor Ort viele Kolleginnen und Kollegen - und natürlich die Aktiven, die uns „ihr“ Olympia zeigen werden, ihre Geschichten erzählen werden. Da mache ich mir keine Sorgen. Olympia in Italien - genau das werden wir fühlen.

Olympia ist emotional, aber auch erklärungsbedürftig. Wie finden Sie in der Live-Moderation die Balance zwischen Begeisterung und Einordnung?
Natürlich dürfen wir mitfiebern, wie ganz viele Fans zuhause, wenn das Team D um Erfolge fightet. Aber wir spüren auch, an welcher Stelle wir journalistisch tiefer gehen, Dinge hinterfragen müssen. Euphorie, ja, aber immer mit dem klaren Blick. Das liegt im Sport oft nah beieinander, was es aber auch so besonders macht.

Sie arbeiten bei Olympia eng mit Expertinnen und Experten zusammen. Was erwarten Sie in solchen Momenten von Ihren Gesprächspartnern – und was braucht es, damit ein gutes Zusammenspiel entsteht?
Unsere Expertinnen und Experten haben selbst dort gestanden, um Medaillen gekämpft, Siege gefeiert. Sie haben für uns nochmal eine ganz spezielle Innensicht, von der wir alle profitieren. Ich mag die Arbeit mit ihnen, da ist ganz viel Wertschätzung und Vertrauen, wir arbeiten sehr offen zusammen. Das ist toll.

Der Zeitdruck bei Olympia ist enorm. Wie gehen Sie damit um, wenn Informationen unvollständig sind oder sich eine Geschichte live verändert?
Man kann nur das erzählen, was man sicher weiß. Das ist klar, spekulieren ist da keine Option. Dass es im Sport oft nochmal umschlagen kann oder Dinge am Ende anders kommen, das ist doch genau das, was wir am Sport lieben und was am Ende auch die Arbeit so herausfordernd und einmalig macht. Der Sport schreibt seine eigenen Geschichten.

Neben dem Fernsehen sind Sie auch im Olympia-Podcast präsent. Wie unterschiedlich fühlt sich Ihre Rolle dort im Vergleich zur Studio-Moderation an?
Ach, gar nicht so viel anders. Ich möchte, dass die Menschen Freude haben an unserem Programm, an den Olympischen Spielen, egal über welchen Ausspielweg. Im Podcast geht es vielleicht noch ein bisschen nahbarer zu, einfach, weil das Format „Podcast“ es mit sich bringt.

Ganz persönlich gefragt: Was möchten Sie selbst aus diesen Olympischen Spielen mitnehmen – als Journalistin, aber auch als Mensch?
Ich möchte mir olympische Momente mitnehmen, die bleiben. Ein paar davon hab ich schon für mich gesammelt, in anderer Rolle in Südkorea, Peking oder Paris vor Ort. Jetzt bin ich gespannt, welche Momente es als Anchor werden. Und ich bin mir ganz sicher, dass mindestens einer mit Esther Sedlaczek dabei sein wird, denn wir beide freuen uns sehr darauf, das gemeinsam machen zu dürfen.

Vielen Dank für Ihre Zeit!
03.02.2026 12:03 Uhr Kurz-URL: qmde.de/168616
Fabian Riedner

super
schade


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