Andrea Sawatzki und Christian Berkel begegnen sich als stoffeliger Liebesromanautor und herzliche Taxifahrerin. Die Chemie stimmt... aber auch die Geschichte?
Stab
Darsteller: Andrea Sawatzki, Christian Berkel, Olga von Luckwald, Lavinia Wilson, Ulrich Brandhoff, Philippe Brenninkmeyer
Musik: David Grabowski
Kamera: Leena Koppe
Drehbuch: David Ungureit und Marc Terjung
Regie: Stefan Bühling «Ein Taxi für zwei» möchte vieles zugleich sein: Verwechslungskomödie, Mediensatire, romantische Annäherung zweier Lebensentwürfe – und nicht zuletzt ein weiteres Schaufenster für die bewährte Chemie von Andrea Sawatzki und Christian Berkel. All das ist sympathisch gemeint, routiniert umgesetzt und gelegentlich sogar pointiert. Doch je länger der Film läuft, desto deutlicher wird auch, dass er sich auf diesen bewährten Zutaten etwas zu bequem ausruht.
Die Ausgangsidee ist klassisch bis altbekannt: Ein Autor versteckt sich hinter einem Pseudonym, die Öffentlichkeit verlangt nach einem Gesicht, und eine zufällige Begegnung liefert das perfekte Double. Das ist nicht per se ein Problem – Komödien dürfen, ja müssen manchmal auf vertraute Muster setzen. «Ein Taxi für zwei» erzählt diese Geschichte jedoch mit einer Vorhersehbarkeit, die selbst gutmütige Zuschauer früh erahnen lässt, wohin die Reise geht. Überraschungen ergeben sich weniger aus dem Plot als aus einzelnen Dialogmomenten oder dem Spiel der Darsteller.
Christian Berkel gibt den griesgrämigen Liebesromanautor Gregor Basil mit der ihm eigenen Mischung aus kontrollierter Sprödigkeit und latentem Zynismus. Das funktioniert, wirkt aber stellenweise wie ein leicht variiertes Best-of früherer Rollen. Andrea Sawatzki als Taxifahrerin Elke Schüssler bringt Wärme, Direktheit und eine gewisse Erdung ins Geschehen, die dem Film gut tut. Ihre Figur ist lebensnaher gezeichnet als die meisten anderen, doch auch sie bleibt letztlich eine Projektionsfläche für das altvertraute Motiv der „authentischen Frau“, die dem verkopften Mann das Leben erklärt. Dass der Film diese Dynamik zwar andeutet, aber kaum hinterfragt, ist eine verpasste Chance.
Die gern beschworene Mischung aus Tempo, Humor und Dialogwitz stellt sich dabei nur phasenweise ein. Ja, es gibt flott geschriebene Wortwechsel, vor allem zwischen Gregor und seiner exzentrischen Verlegerin Caroline Tuta (mit sichtbarer Lust gespielt von Lavinia Wilson). Ihr Auftritt ist tatsächlich ein kleines Ereignis: überdreht, präzise und mit dem richtigen Gespür für Timing. Gleichzeitig kippt der Film in diesen Momenten beinahe in eine andere Tonlage, die mit der eher bodenständigen Romanze zwischen Elke und Gregor nicht immer harmoniert. Wilson ist so gut, dass sie dem Film fast die Show stiehlt – was weniger ein Kompliment für das Gesamtgefüge als für ihre individuelle Leistung ist.
Regisseur Stefan Bühling inszeniert derweil solide, aber ohne erkennbare Handschrift. Alles wirkt professionell, alles ist glatt – und genau darin liegt das Problem. «Ein Taxi für zwei» erscheint, als wolle der Film niemandem wehtun, niemanden überfordern und vor allem niemanden verlieren. Das Resultat ist eine Komödie, die freundlich anklopft, aber nie wirklich eindringt.

Auch die Nebenfiguren bleiben vor diesem Hintergrund überwiegend Skizzen. Sie erfüllen ihre dramaturgische Funktion, dürfen aber kaum mehr sein als Stichwortgeber oder Karikaturen. Gerade angesichts des interessanten Settings – Literaturbetrieb, Medienrummel, die Sehnsucht nach Authentizität in einer vermarkteten Welt – hätte man sich mehr Biss gewünscht. Der Film streift diese Themen, verweilt aber nie sonderlich lange bei ihnen. Sobald es ernst werden könnte, rettet er sich in den nächsten Gag oder eine versöhnliche Szene. Statt das Spiel mit Identitäten, Erwartungen und Rollenbildern konsequent auszureizen, entscheidet sich der Film für den sicheren Weg. Das Taxi kommt pünktlich an, nur leider an einem Ziel, das man schon lange vorher kannte.
Der Film «Ein Taxi für zwei» wird am Freitag, den 16. Januar um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt.
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