Zwei Nachbarn, ein Mietshaus und ein laufendes Mikrofon: So wird aus dem ganz normalen Wohnwahnsinn ein pointiertes Comedy-Hörspiel.
Mit
«Barmbek Bump – Prange vs. Rohde» startet ein fiktionaler Comedy-Podcast, der den Alltag im deutschen Mietshaus mit chirurgischer Präzision seziert. Schauplatz ist ein Rotklinkerbau in Hamburg-Barmbek, in dem Horst Rohde eigentlich einen Wrestling-Podcast aufnehmen möchte – wäre da nicht sein Nachbar Ralf Prange. Der platzt regelmäßig in die Aufnahmen, kommentiert ungefragt und lenkt die Gespräche auf das, was Mieterinnen und Mieter wirklich beschäftigt: Hausgerüche, blockierte Treppenaufgänge, Paketannahmen, WLAN-Ausfälle oder Tiere im Haus.
Der besondere Reiz des Formats liegt darin, dass beide Figuren immer wieder vergessen, dass die Aufnahme läuft. Aus dem geplanten Podcast wird ein offenes, oft schonungslos ehrliches Gespräch über das Zusammenleben auf engem Raum. Die Episoden sind bewusst kurz gehalten, verdichten aber alltägliche Situationen zu kleinen Eskalationen, in denen sich vermutlich jeder schon einmal wiedergefunden hat. Es geht nicht um große Pointen, sondern um fein beobachtete Reibung – zwischen Rücksichtnahme und Rechthaberei, zwischen Privatheit und unfreiwilliger Nähe.
Getragen wird das Hörspiel von einem hochkarätigen Ensemble: Bjarne Mädel und Olli Dittrich liefern sich als Prange und Rohde dialogische Schlagabtausche, die irgendwo zwischen Improvisation und präziser Textarbeit liegen. Konzipiert wurde der Podcast von Andreas Altenburg, der dem Format eine klare dramaturgische Linie gibt, ohne ihm die Spontaneität zu nehmen.
Die Figur Prange ist klar im Kosmos jener Figuren verortet, die man aus der Welt des deutschen Fernsehfilms kennt – kleinbürgerlich, rechthaberisch, übergriffig und zugleich tragikomisch. Stilistisch und tonal erinnert das stark an jene Milieustudien, für die insbesondere Bjarne Mädel steht: Figuren, die nerven, weil sie so nah an der Realität gebaut sind. «Barmbek Bump – Prange vs. Rohde» wirkt damit fast wie eine akustische Erweiterung dieser Fernsehfilm-Welt – nur konzentrierter, dialoglastiger und näher am Alltag.
Unterm Strich ist der Podcast ein kompaktes Comedy-Hörspiel über Nachbarschaft als Dauerzustand. Wer Milieu-Comedy liebt, die aus Beobachtung statt aus Klamauk entsteht, findet hier eine Serie, die ihre Stärke aus Wiedererkennbarkeit und präzisem Zusammenspiel zweier Figuren zieht.
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