Mit einem Gastauftritt in «Bettys Diagnose» kehrt Hannes Hellmann an eine für ihn vertraute ZDF-Adresse zurück – und steht dabei gleich mehrfach im Zeichen des Wiedersehens.
Herr Hellmann, in «Bettys Diagnose» spielen Sie den Zwillingsbruder eines alten Kollegen. Wie kam es zu dieser Rückkehr vor die ZDF-Kamera – und was hat Sie an dieser besonderen Konstellation gereizt?
Ich bin richtig stolz, schon immer und immer wieder bei Network Movie arbeiten zu dürfen. Und ZDF ist quasi „zu Hause“. Im vorigen Jahrtausend habe ich bei «SK Kölsch» schon seinen Düsseldorfer Gegenspieler gespielt. Mit großer Freude! Beide sind wir nun schon so lange „auf der Tour“ und unser Wiedersehen vor der Kamera hat riesigen Spaß gemacht. Und in den Drehpausen auch!
Die Dreharbeiten zu „Die Erfindung des Rades“ bedeuteten gleichzeitig eine Abschiedsepisode für Mechthild Grossmann. Wie haben Sie das Wiedersehen und den gemeinsamen Dreh nach so vielen Jahren erlebt?
Ein Wiedersehen nach äh … über vierzig Jahren! Damals auf der Bühne, ich grüner Eleve, sie Star im Tanztheater der berühmten Pina Bausch. so schön, wie verbunden ich mich ihr plötzlich wieder gefühlt habe. Irgendwie beruhigend.
Mit Uwe Fellensiek verbindet Sie eine lange berufliche Geschichte – nun stehen Sie in «Bettys Diagnose» quasi als Familien-Doppelpack vor der Kamera. Wie war dieses erneute Zusammenspiel?
Uns verbindet unser gemeinsames Verständnis von der Arbeit vor der Kamera. Von „im Augenblick sein“, Von hintergründigem Witz. Von offenem Gedankenaustausch.
Sie haben 2025 nach zehn Jahren «Notruf Hafenkante» verlassen. Was hat den Ausschlag gegeben, gerade jetzt neue Wege zu gehen?
Ich war, glaube ich, sogar länger Teil des Teams, und immer sehr gerne! Nun altere ich in ein neues Rollenfach hinein. Das möchte ich mit neuen Rollen ausfüllen.
Viele Zuschauer hätten erwartet, dass Sie nach dem Ausstieg kürzertreten. Stattdessen sieht man Sie im Münster-«Tatort» und in weiteren Produktionen. Was treibt Sie an, noch einmal richtig durchzustarten?
Der Onkel Doktor hat gesagt, mein biologisches Alter ist schlappe 7 Jahre jünger … und ich soll auch noch küssen. (Na, wer kennt den Song?) Und das Schauspieler- und Künstler-Sein kennt gar keinen Ruhestand.
Ihr Weg führte Sie vom Theater an der Ruhr über die Münchner Kammerspiele bis hin zu großen TV-Formaten. Welche Ihrer Theatererfahrungen wirken bis heute in Ihrem Spiel nach?
Meine ersten 12 Jahre in der internationalen Theaterformation „Theater an der Ruhr“ bei Roberto Ciulli haben mich als Schauspieler tiefgreifend geprägt. Wir haben auf der halben Welt gespielt. Über diese Zeit gibt es inzwischen ganze Bücher. Der erste Meter Film mit mir wurde erst in meinem vierzigsten Lebensjahr belichtet. Glaube ich.
Bühne und Kamera, beides so unterschiedliche wie bestimmende Lebenserfahrungen!
Sie sind nicht nur Schauspieler, sondern auch Dozent, Coach und Trainer. Inwiefern fließen diese Tätigkeiten in Ihre eigene Arbeit vor der Kamera ein?
Umgekehrt wird der Schuh draus - was meine Arbeit als Trainer und Coach betrifft. Vor über zehn Jahren, eine Bahnfahrt im Speisewagen. Zwei smarte Herren mit am Tisch. Der eine diplomierter Pädagoge. Ich schau den so an und sage: „Also im Kindergarten arbeiten Sie aber nicht, oder?“ Und dann haben wir festgestellt, dass Schauspiel- und Kampfkunst großartige Ergänzungen sein können für die Schulung in der Personalentwicklung. Ja, so fing das an.
Aikidō ist seit mehr als 20 Jahren ein wichtiger Teil Ihres Lebens. Was hat diese Kampfkunst mit Schauspiel, Präsenz und innerer Balance zu tun?
Aikido war bereits Unterrichtsfach in der Hochschule der Künste. In Stichworten: Langsam und ruhig werden in Streß und Bedrängnis. Klares, eindeutiges und strukturiertes physisches und damit auch psychisches Agieren. Das eigene Zentrum bewahren. Den Sturz akzeptieren. Atmen.
Sie sagen, Aikidō helfe Ihnen, „Kraft zu sparen und effizient zu sein“. Gibt es Momente am Set, in denen Sie bewusst darauf zurückgreifen?
Wenn es mal echt unübersichtlich wird, auf den eigenen Atem konzentrieren. Kurz bevor die Klappe geschlagen wird …Schultern runter, entspannen, loslassen, an gar nichts mehr denken. Wird schon.
Mit den „Hellmanns erhellende Fabeln“ haben Sie seit 2019 ein ungewöhnlich verspieltes Projekt geschaffen. Wie entstand die Idee, jede Woche eine Karikatur mit Vierzeiler zu veröffentlichen?
Ich wollte in den sozialen Medien präsent sein, ohne Essen posten zu müssen. Der Kalender für 2026 ist bereits erhältlich! Der Kalender für 2026 ist bereits erhältlich! Der Kalender für 2026 ist bereits erhältlich! Man soll sowas dauernd wiederholen, habe ich gehört. Ein Kartenspiel wird folgen.
Sie widmen sich seit den 1990ern auch grafischen Arbeiten. Welche Bedeutung hat diese künstlerische Seite für Sie neben Film und Theater?
Im vorigen Jahrtausend war es eine der Wege, mich mit meinem sehr guten Düsseldorfer Malerfreund auszutauschen. Nach dessen Unfalltot hatte ich es gelassen und nun Anlass gefunden, die Arbeit wieder aufzunehmen. Die Regeln der eigenen Profession in einem anderen Medium zu spiegeln. Ebenso bin ich ja auch im Bereich der Zeitgenössischen Musik unterwegs.
Wenn Sie auf das Jahr 2025 zurückschauen – mit Abschieden, Neustarts und neuen Rollen – wie würden Sie es für sich persönlich zusammenfassen?
Ein paar schöne Projekte einer neuen Ära verwirklicht, Interessantes in der Pipeline und auch Zeit gehabt, ewig Liegengebliebenes zu erledigen. Prima.
Ihr Terminkalender ist trotz Ruhestandsalter voll. Was wünschen Sie sich für 2026 – beruflich, künstlerisch und vielleicht auch privat?
Eine gute Mischung aus TV- und Filmarbeit, Arthauszeugs in den verschiedenen Künsten … dass wir noch die Kurve kriegen in europäisch-demokratischer wie ökologischer Hinsicht. Tja, und lieb sein und gesund.
Danke für Ihre Zeit!
«Bettys Diagnose» wird am Freitag, den 9. Januar, um 19.25 Uhr im ZDF ausgestrahlt. Die Episode ist schon in der ZDFmediathek abrufbar.
Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel