Quotenmeter-Kritik: Das türkische Remake des Welthits „Ziemlich beste Freunde“ (Original: Intouchables) ist ein Kassenknüller. Doch reicht Feyyaz Yiğits Komik aus, um gegen die ikonische Wucht des französischen Originals zu bestehen?
Filmadaptionen sind in der internationalen Kinowelt ein zweischneidiges Schwert, besonders wenn es um emotional tiefgründige, globale Erfolgsgeschichten geht. Der französische Kassenschlager Intouchables von 2011, bei uns bekannt als Ziemlich beste Freunde, erzählte die unwahrscheinliche, aber zutiefst menschliche Freundschaft zwischen dem querschnittgelähmten Aristokraten Philippe (François Cluzet) und seinem unkonventionellen Pfleger Driss (Omar Sy). Die Geschichte war ein Phänomen, ihre Neuverfilmung in der Türkei unter dem Titel Yan Yana (zu Deutsch: Seite an Seite) ist nun der aktuelle Blockbuster in den türkischen Kinos.
Besetzt ist das türkische Drama-Kommödien-Flaggschiff mit zwei Schwergewichten, deren Namen in der türkischen Kunst- und Medienszene immens klingen: Haluk Bilginer und Feyyaz Yiğit. Bilginer, der in der Rolle des gelähmten Refik (das Philippe-Äquivalent) agiert, ist ein Gigant, dessen Ruhm bis zum International Emmy Award für die Serie Şahsiyet reicht. Ihm zur Seite steht Feyyaz Yiğit als Ferruh, der die Rolle des ungestümen, lebensbejahenden Pflegers Driss übernimmt. Yiğit ist in der Türkei selbst ein Phänomen: vor allem der Star und Schöpfer der kultigen, surrealistischen Comedy-Serie Gibi, die in der jüngeren Generation einen beispiellosen Hype ausgelöst hat.
Die Produktion hat es geschafft, die Geschichte nahtlos ins heutige Istanbul zu übertragen, wo Statussymbole und Äußerlichkeiten eine große Rolle spielen. So sieht man Driss' türkisches Pendant Ferruh nicht nur dem wohlhabenden Refik beim Rasieren helfen, sondern ihn auch fragen, ob er sich nicht in einer der exklusivsten Kliniken einer
Haartransplantation Türke unterziehen wolle.
Ferruh ist das Herzstück des Remakes, der Funke, der die statische Welt von Refik entzünden soll. Das Problem ist nur: Yiğit, dessen Komik in Gibi durch absurde Situationskomik und einen unnachahmlichen, trockenen Witz glänzt, scheint in die Rolle des Pflegers hineinpressen zu wollen, anstatt sie auszufüllen.
Wo Omar Sy in Intouchables mit seinem riesigen, warmherzigen Grinsen und einer fast kindlichen, aber nie dummen Unbekümmertheit Driss' rauen Charme mühelos vermittelte, wirkt Yiğits Ferruh bisweilen wie eine Aneinanderreihung von Gibi-Sketches, die in ein tragikomisches Format transplantiert wurden. Yiğits Performance ist zwar lustig, die Gags sitzen und die Adaption an das zeitgenössische türkische Panorama (von der Armut in den Gecekondus bis zum snobistischen Reichtum Istanbuls) ist gelungen. Aber dem zentralen Kontrast fehlt die ikonische Wucht.
Dabei kann man der Produktion technisch keine Vorwürfe machen. Yan Yana wurde als erster türkischer Film überhaupt im aufwändigen IMAX-Format gedreht, was die hochglanzpolierte Ästhetik des Remakes untermauert. Die Regie von Mert Baykal, bekannt für die erfolgreiche Serie Fi, ist solide und visuell ansprechend.
Yan Yana ist ein gelungenes, witziges, aber letztlich unnötiges Remake. Es ist ein Film, der sich auf das Lustige konzentriert und dabei vergisst, die leisen, traurigen Töne der Vorlage adäquat zu transportieren. Für den Moment mag es in den türkischen Kinos ein Erfolg sein, dank der Zugkraft der beiden Stars. Für das internationale Publikum wird Yan Yana jedoch eher als unterhaltsame Randnotiz in der Remake-Historie enden.
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