«Poker Face»: Zweite Staffel überzeugt zum Teil mit cleveren Twists und starken Gaststars
Rian Johnsons Krimiserie meldet sich zurück: Zwischen glänzenden Gaststars, cleveren Wendungen und schwächeren Episoden überzeugt vor allem Natasha Lyonne als menschlicher Lügendetektor – und trägt «Poker Face» auch in der zweiten Runde mühelos.
Rian Johnson ist ein hervorragender Autor: Der «Looper»-Macher schrieb beispielsweise «Knives Out» und dessen Nachfolger «Glass Onion». Außerdem kreierte er die Fernsehserie «Poker Face», die im Sommer 2025 eindrucksvoll zurückkehrte. Die zweite Runde startete mit Amber Kazinsky (Cynthia Erivo), einer ehemaligen Kinderschauspielerin, die sich um ihre gewalttätige, sterbenskranke Mutter Norma (Jasmine Guy) kümmert. Amber wurde kurzerhand aus dem Testament gestrichen, nur noch ihre verschollene Halbschwester soll das Erbe bekommen. Das ist allerdings unfair, schließlich musste Amber mit ihren Schwestern Bebe, Cece und Delia ihre Millionen an die Eltern abtreten. Aus diesem Grund sucht Amber ihre Halbschwester Felicity auf und lockt sie zu einer Klippe, wo sie sie in den Tod stürzt. Jetzt kann Amber sich verkleiden, die Millionen einstreichen und endlich glücklich sein – doch Felicity hatte eine Fußprothese.
Unterdessen flieht Charlie Cale (Natasha Lyonne) weiterhin und freundet sich mit Delia an, mit der sie schließlich zur Beerdigung geht. Der menschliche Lügendetektor findet die neue Felicity schon bei der ersten Begegnung mehr als merkwürdig. Es ist ein tolles Kammerspiel von Natasha Lyonne und Cynthia Erivo, die sich immer wieder in verschiedene Räume mit unterschiedlichen Identitäten bewegen. Das macht wirklich Spaß, auch wenn der eigentliche Fall aufgrund der Sendezeit etwas gedrückt wirkt. In der zweiten Folge besucht Charlie dann ein Bestattungsunternehmen in Florida, in dem aktuell ein alter Film gedreht wird. Fred Finch (Giancarlo Esposito) und Greta Finch (Katie Holmes) sind wirklich begnadete Schauspieler und füllen dieses Szenario sehr gut aus. Schon von Anfang an ist klar, dass Greta flüchten möchte, Fred dies aber nur über ihre Leiche zulassen würde. Vor allem weitere Nebenfiguren wie Tommy Sullivan (Kevin Korrigan) runden die Episode gelungen ab.
In einer weiteren Geschichte wird Charlie von Beatrix (Rhea Perlman) entführt. Die Gangster-Chefin möchte unbedingt herausfinden, wer der Maulwurf in ihrer Organisation ist. Charlie stellt schnell fest, dass die Leute um Beatrix keine Lügner sind. Der Maulwurf ist der Ehemann, hervorragend gespielt von Richard Kind. Die Zuschauer bekommen zudem ein Wiedersehen mit «The Big Bang Theory»-Star Simon Helberg, der den FBI-Mann Luca Clark verkörpert. Obwohl die Episode auf den ersten Blick recht simpel erscheint, hat Autor Wyatt Cain mehr Wendungen als üblich in das Skript geschrieben. Das macht Spaß und trägt auch über schwächere Episoden hinweg.
Da wäre zum Beispiel der Fall um die erfolgreiche Polizistin Fran (Gabby Hoffman), die jedes Jahr von ihrem Kollegen Gator Joe (Kumail Nanjiani) um den Preis des besten Polizisten des Jahres übertroffen wird. Gator Joe reist mit seinem Alligator an, der ebenfalls eine richtige Rolle spielt. Fran versucht, Gator Joe mit einem Abführmittel bloßzustellen, tötet ihn jedoch. Genauso mäßig ist die Folge um Rocket Russ Waddell (Simon Rex) bei den Baseballern der Montgomery Cheesemongers, einem Minor-League-Baseball-Team. Er und seine Truppe verlieren ständig, weshalb sie mit einem Buchmacher vereinbaren, die letzten Spiele zu sabotieren. Das klappt vier Spiele lang, doch dann kommt ein neuer Mann ins Team. Das ärgert Rocket, und er schlägt Felix Domingo (Brandon Perea) tot. Nach einer ellenlangen Einleitung kommt auch Charlie ins Bild und arbeitet ihre ausufernde Geschichte ab. Der menschliche Lügendetektor war nämlich zunächst Verwaltungsassistentin in einem Bürogebäude in der Nähe des Velvet Canned Cheese Parks, wo sie von einem Baseball getroffen wurde. Sie begegnet dort Lucille (Carol Kane), aber die Geschichte ufert noch weiter aus. Der Fall von Charlie ist im Kern eindeutig, die Episode von Tony Tost aber einer der Tiefpunkte der Staffel.
Das gleiche Muster zeigt sich auch bei der sechsten Folge, in der eine Schülerin (Eva Jade Halford) ihren Klassenkameraden Elijah Turner (Callum Vinson) hinters Licht führt. Auch nicht besser ist die Geschichte um Drehbuchautor und Verkäufer Kendall Hines (Sam Richardson), dessen Jugendfreund Bill Jackson (Corey Hawkins) von dessen Ganovenfreund Juice (James Ransone) erschossen wird. Stärker wird es mit einer Betrüger-Geschichte in Philadelphia mit Regina Givary (Melanie Lynskey), Alex (John Cho) und Gene (Gata).
Schließlich kommt Charlie in der elften Episode in New York City an, wo sie auch bis zum Ende der Serie bleibt. Hier muss Awkwafina als Maddy Saint daran glauben, weil Großmutter Anne (Lauren Tom) ihrer Geliebten Kate Forster (Alia Shawkat) im Weg stand. Wahrlich spektakulär sind die beiden Abschiedsepisoden „Der Tag des Leguans“ und „Endstation“, in denen die Autoren Raphie Cantor, Andrew Sodroski und Laura Deeley eine hervorragende Geschichte erzählen. Auf einer Hochzeit soll einer der besten Killer sein Unwesen treiben, und Charlie ist ebenfalls an diesem Tag als Caterer dabei. Später stellt sich heraus, dass Beatrix das eigentliche Opfer sein soll. Doch die ist gar nicht anwesend, sodass FBI-Mann Luca Clark wieder auftaucht. Die Geschichten mit Lili Taylor, Patti Harrison, Haley Joel Osment, Taylor Schilling und Rhea Perlman sind großartig und machen die mauen vier bis fünf Episoden definitiv wett! Die Auflösung der gesamten Szenerie ist sehr gut gelungen, die Wendungen lassen sich nicht erahnen.
Grundsätzlich macht «Poker Face» auch mit der zweiten Staffel sehr viel Spaß. In der Staffelmitte finden sich zwar einige schwächere Episoden, die jedoch immer noch besser sind als viele Folgen anderer Serien. Natasha Lyonne mimt den menschlichen Lügendetektor hervorragend, ihr „Bullshit!“ ist ein starkes Markenzeichen. Vor allem die wiederkehrenden Figuren wie Helberg, Perlman und Patti Harrison machen die Staffel rund.
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