Er gehörte einst zu den prägendsten Persönlichkeiten des deutschen Fernsehens.
Als sich Stefan Raab von seinen zahlreichen Shows zurückzog, war der Aufschrei groß. Raab hatte viele Jahre lang die Unterhaltung in Deutschland maßgeblich mitgeprägt. „TV-Total“, „Schlag den Raab“ oder die „TV-Total-Pokernacht“ waren aus dem TV-Programm nicht mehr wegzudenken und begeisterten Millionen Fans. Gefühlt schien das Programm seines Senders Pro7 fast ausschließlich aus Raab-Sendungen zu bestehen.
Rückkehr nach 10 Jahren Funkstille
Rund zehn Jahre, nachdem sich Raab vollständig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, kehrte er mit einem Big Bang zurück. Doch auch der Dominator vergangener Tage musste schnell feststellen, dass seine Zeit offenbar vorbei ist. Ähnliche Erfahrungen musste
auch Thomas Gottschalk schon mehrfach machen, das schnelllebige TV-Geschäft wartet auf niemanden. So wurde aus einem triumphalen TV-Comeback zunächst ein holpriger Start, der in der Absetzung endete.
Dabei hatte Raab alles versucht, um das Ruder noch herumzureißen. Er kehrte sogar an den Pokertisch zurück und brachte eine Neuauflage seiner legendären „TV-Total-Pokernacht“ an den Start. Dabei gelang es ihm, zumindest die Quoten zu steigern. Das Original war einst mitverantwortlich für den Poker-Boom in Deutschland, der mehrere Weltmeister hervorbrachte.
Seit damals hat sich die Online-Casino-Branche erfolgreich entwickelt, das wurde auch durch eine liberalere Gesetzgebung unterstützt. Wer im
Online Casino Echtgeld einzahlen möchte, muss seither nicht mehr zu illegalen Anbietern aus dem Ausland ausweichen, sondern findet auch in Deutschland eine breite Palette von Betreibern mit deutscher Lizenz. Raab ist allerdings niemand, der sich so leicht unterkriegen lässt. Entsprechend versucht er weiter, die Stimmung zu seinen Gunsten zu drehen.
Dabei war sein Wiedereinstieg in die Branche spektakulär, das Medienecho gewaltig. Bei der ersten Liveshow schalteten Millionen ein, doch das markierte auch den Beginn des Abstiegs. Die Quoten begannen rasch zu sinken, und weder Nostalgie noch Prominente konnten den Quotenverlust stoppen. In der linearen Ausstrahlung blieben die Zuschauer immer stärker weg, das Interesse am noch vor wenigen Wochen zuvor gehypten Comeback verebbte.
Zahlreiche Kritikpunkte
Die Gründe für das größtenteils gefloppte Comeback von Stefan Raab sind vielfältig. Der Hauptvorwurf zahlreicher Beobachter lautete, dass seine neuen Formate, lediglich ein Abklatsch seiner alten Erfolgsshows seien. Innovation fände nicht statt. Wo Raab früher als Innovator auftrat, bestehe heute der Eindruck, dass er keine frischen Ideen mehr präsentieren könne.
Auch die Inszenierung der Shows wirkt wie aus der Zeit gefallen. Diese hat einfach nicht mehr jene Wirkung, die sie noch vor zehn Jahren entfaltet hatte. Die Intros sind zu lang, Raab setzt zu stark auf Selbstdarstellung und seine Witze wirken altbacken oder missglückt. Daher stellten viele Kritiker schnell die Frage, ob der Entertainer und Moderator sein Gespür für die Wünsche des Publikums verloren habe.
Fernsehen funktioniert heute anders als noch vor einem Jahrzehnt. Tempo, Stil und Aktualität sind nicht mehr vergleichbar, der Wandel und die Medienkonsumgewohnheiten haben sich rasch geändert. Raabs Zugang ist jedoch noch immer derselbe wie früher, das konnte nicht gut gehen.
Die Konsequenzen folgten relativ bald. Die TV-Show „Du gewinnst hier nicht die Million bei Stefan Raab“ wurde nach nur
wenigen Monaten abgesetzt. Wieder einmal zeigte sich, dass die Persönlichkeit eines Moderators nicht mehr ausreicht, um erfolgreich Fernsehen zu machen. In der nachträglichen Analyse zeigen sich die folgenden Punkte als entscheidend für den Flop:
Überhöhte Erwartungen
Die Erwartungen waren astronomisch hoch, Raab konnte daran nur scheitern. Nostalgie allein zieht nicht mehr beim Publikum.
Altmodische Inszenierung
Was früher innovativ war, gilt heute als altmodisch. Die Hauptelemente jeder Stefan-Raab-Show wirken heute aufgewärmt und voller Klischees.
Überfrachtung und Selbstinszenierung
Die Dramaturgie der Show passt nicht mehr in den klassischen Rahmen von TV-Shows. Diese haben sich verändert, das Publikum hat eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne. Selbstinszenierung dient nur noch der eigenen Eitelkeit und wird verstärkt abgelehnt.
Neuer Versuch im September
Stefan Raab konnte also die hohen Erwartungen von Publikum und Medien nicht erfüllen. Das zeigte Konsequenzen. Doch weder der Moderator noch sein Sender möchten aufgeben. Während seine Pokershow weiterläuft, kehrt Raab noch im September auf die Bildschirme im Hauptabendprogramm zurück.
„Die Stefan Raab Show“ wird dann täglich von
Montag bis Freitag auf RTL genauso wie auf dessen Streamingsender RTL+ ab 20.15 Uhr zu sehen sein. In der ersten Woche wird die Show lediglich 15 Minuten lang dauern, danach soll sie jeweils am Mittwoch zu sehen sein. Über die Inhalte gaben Raab und der Sender vorab nichts bekannt, so wollte man die Spannung aufrechterhalten.
Dann könnte es für den Entertainer bereits um alles gehen. Raab gilt als lernfähig, daher rechneten Experten im Vorfeld damit, dass er die Problemstellen seiner Show ausmerzt und die Abläufe einer Frischzellenkur unterzieht. Doch die Mediennutzung und die Geschmäcker haben sich geändert.
Stefan Raabs Namen hat in einer neuen Generation an TV-Konsumenten nicht mehr jenen Klang wie in der Vergangenheit. Ob sich die Uhr zurückdrehen lässt, sollten die Einschaltquoten bald zeigen. Raabs Relevant steht jetzt auf dem Prüfstand, daher muss er auf Innovation setzen, wenn er weiter ein Fixpunkt im deutschen Fernsehen bleiben möchte. Gelingt ihm dies nicht, dann endet seine Ära endgültig.
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