Fernsehen und Social Media: ein unzertrennliches Paar?

Die Liste an beliebten TV-Sendungen ist lang. Wer-wird-Millionär, Joko & Klaas oder Tatort fesseln regelmäßig Hunderttausende vor den Bildschirmen und sorgen für beste Unterhaltung am Abend.

Auch in Zeiten von Social Media schätzt das Publikum lineares Fernsehen. Mittlerweile fusionieren beide Medien in neuen Formaten miteinander oder nähern sich zumindest an. Dazu einige Überlegungen.

Altersgruppen nutzen Medien in unterschiedlicher Form


Insbesondere die Generation Z, die nach 1998 Geborenen, gelten unter Forschern als regelrechte TV-Muffel. Wo Eltern früher noch mit Fernsehverboten drohten, wird heute eher das Handy konfisziert. Solche pauschalen Urteile sind gegenüber den jüngeren Altersgruppen ungerecht. Das belegen Untersuchungen zum Mediennutzungsverhalten. Daraus geht zunächst das erwartete Bild hervor. Ältere Menschen sind die wichtigste Zielgruppe und verbringen mit Abstand die meiste Zeit vor der Flimmerkiste. Dahinter folgen in absteigender Weise die jüngeren Alterskohorten. Tatsächlich sehen Kinder und Jugendliche in der heutigen Zeit vergleichsweise wenig fern. Komplett ist die Television aber nicht aus ihrer Lebenswelt verschwunden. Ironischerweise tragen die internetbasierten sozialen Netzwerken zum Fortbestand bei. Schließlich werben sie häufig für Programme und Serien. Manche Kanäle verbinden beide Medien zudem miteinander.

Fernsehsender setzen auf Wachstum in den sozialen Netzwerken


Für überregionale wie kleine Nischensender sind soziale Medien unerlässlich. Der Grund dafür liegt vorwiegend in der Interaktivität, dem zentralen Merkmal von Instagram, Twitter und Co. TV-Formate fokussieren den Austausch, weil sie sich mehr Reichweite und damit mehr Zuschauer erhoffen. Schließlich werden Beiträge und Streams mit vielen Teilnehmern belohnt. Angesichts dessen heuern zahlreiche Sender neuerdings Community Manager an. Sie sorgen für einen positiven Austausch mit der Netzgemeinde, beantworten Fragen und beobachten aktuelle Moden. Unterdessen setzen die meisten Sender auf kontinuierliches Wachstum. Diese Ansicht teilen sie sich mit Influencern und anderen Wirtschaftsunternehmen.

Im Zusammenhang mit dem Followeraufbau wünschen sich gerade kleinere Spartenprogramme oder unabhängige Videoproduzenten mehr Erfolg. Das ruft Anbieter wie Freewaysocial auf den Plan. Sie verdienen ihr Geld mit dem Verkauf von Followern aller Art an Unternehmern und Privatpersonen. Hierzu bietet die Plattform neue Anhänger auf unterschiedlichen Kanälen wie Instagram oder TikTok an, die gegen Geld neue Likes spendieren oder der Seite folgen. Im Unterschied zu anderen Verkäufern heuert der Händler echte Menschen an und schließt die Vermittlung von Bots oder Fake-Profilen explizit aus. So entsteht ein regelrechter Schub der eigenen Fangemeinde. Andere Shops, etwa Edenboost, verfolgen ein vergleichbares Prinzip. Längst umfasst das Angebot nicht mehr nur neue Follower. Interaktionen wie Saves, Views, Shares oder Streams sind ebenfalls erhältlich. Kurzum: Gegen die Entrichtung einer Gebühr baut sich der Käufer ein gewisses Maß an Reichweite in den sozialen Medien auf. Neben dieser quantitativen Seite belohnen die mathematischen Regeln der Plattformen qualitativen und kontroversen Content, der zum Austausch führt. Der Kauf ist ein bedeutsamer Baustein in einer umfassenden Planung.

Warum Fernsehsender noch immer auf Zahlen schauen


Kooperationen mit Influencern, Posts, Podcasts und Websendungen: Man könnte meinen, dass sich das Heimkino ausschließlich in den digitalen Raum verlagert. Soziale Medien, Follower und der Erfolg von TV-Formaten hängen unterdessen miteinander zusammen, was auf einer einfachen Rechenformel basiert. Mehr Fans in den sozialen Medien erhöhen den potenziellen Kreis an Zuschauern – und steigern so die Einschaltquoten. Bis heute gilt letztere als Maßstab erfolgreicher Programme. Mithilfe statistischer Methoden, etwa Quotenmessgeräten in Privathaushalten, ermitteln Forschungsinstitute die durchschnittliche Zuschauerzahl von Sendern. Die erhobenen Daten sind für die Werbeindustrie von essenzieller Bedeutung, um das Nutzungsverhalten von Medien zu analysieren. Gerade in den älteren Bevölkerungsschichten ist lineares TV bis heute populär, weshalb sie als bedeutsame Zielgruppe für Werbung gelten. Und mit einer hohen Einschaltquoten verfügen die Sender über einen besseren Verhandlungsspielraum bei den Werbeeinnahmen.

Tradierte Medien bleiben wichtig


Aufgrund der Komplexität aktueller Ereignisse ist es schwierig, die nächsten Jahre seriös vorherzusagen. Dennoch lassen sich zukünftige Entwicklungen des Fernsehens zumindest erahnen. Bereits heute beobachten wir die Verlagerung von Aktivitäten ins Internet. Spätestens mit dem Abschalten des analogen Kabel-TVs ist die Gesellschaft im digitalen Zeitalter angekommen. Entgegen aller Unkenrufe werden weiterhin klassische Fernsehsendungen, Mittagsmagazine und Co. produziert und zur festen Uhrzeit ausgestrahlt. Stirbt die Glotze also langfristig aus? Dagegen spricht das Auswahlparadox oder die Übersättigung, die Zuschauer bei Streaminganbietern und Videoplattformen erleben. Zwar ist die Auswahl größer denn je. Damit aber wird es dem Fan erschwert, sich für ein Programm zu entscheiden. Zuletzt wenden sich die Menschen daher stärker dem linearen TV zu. Ob es eines Tages in den jüngeren Klassen wieder an Bedeutung übernimmt, bleibt abzuwarten. Jedenfalls hat die Branche die Bedeutung schon vor Jahren erkannt und sich mit Social Media auseinandergesetzt. Welche Neuerungen uns wohl in den nächsten Jahren wohl erwarten?
21.05.2024 17:44 Uhr Kurz-URL: qmde.de/151683

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