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«Der Grenzgänger»: Skys solider Skandinavienkrimi

Der ebenso pflichtbewusste wie integre Kommissar Nikolai Andreassen gerät in ein moralisches Dilemma.

Weitere Infos

Originaltitel: "Grenseland", Thrillerserie, 8 Episoden, je ca. 45 Minuten, N/D/S 2017. Regie: Bård Fjulsrud, Gunnar Vikene. Serienschöpferin und Drehbuch: Megan Gallagher. Produzenten: Monster Scripted, Sky, TV 2 und Nice Drama. Darsteller: Tobias Santelmann, Ellen Dorrit Petersen, Morten Svartveit, Benjamin Helstad.
Der Pay-TV-Anbieter nimmt sich dem seit rund einem Jahrzehnt anhaltendem Boom an düsteren Krimiserien aus dem hohen Norden an – und präsentiert mit «Der Grenzgänger» einen eigenproduzierten Norwegen-Krimi. In dessen Zentrum steht der ebenso pflichtbewusste wie integre Kommissar Nikolai Andreassen (Tobias Santelmann), der erst kürzlich einen Kollegen wegen vermeintlich kriminellen Aktivitäten anschwärzte. Deshalb nimmt sich Nikolai zu Beginn der Serienereignisse eine vom Chef aufgezwungene Auszeit, die er bei seinem Bruder Lars (Benjamin Helstad) verbringt, der ebenfalls Polizist ist.

Aus der ersehnten Entspannung wird aber nichts: Im naheliegenden, filmreif-schaurigen Wald wird die Leiche eines Bekannten der Brüder gefunden – die des trinkfreudigen Tommy (Kim-Henning Nilsen). Es sähe für den Laien so aus, als hätte er sich selber an einem Baum erhängt, doch Nikolai erkennt an kleinen Details, dass es Mord gewesen sein muss.

Schnell beschleicht ihn zudem der grauenvolle Verdacht, dass sein Bruder sowie sein Vater in die Sache verwickelt sein könnten. Also tut sich Nikolai mit der kompromisslos strengen Ermittlerin Anniken (Ellen Dorrit Petersen) zusammen, um dem Fall nachzugehen, selbst wenn es ihn in ein Dilemma zwängt: Ist die Integrität als Polizist wichtiger? Oder der Schutz der eigenen Familie?


Ästhetisch ist «Der Grenzgänger» ein durch und durch solider, aber nicht weiter ins Auge stechender Genrevertreter: Die Regisseure Bård Fjulsrud und Gunnar Vikene setzen auf eine ausgebleichte, oft karge Bildsprache, die die Trostlosigkeit von Nikolais Situation effizient vermittelt, der allerdings eigenständige Merkmale abgehen. Ähnliches gilt für die instrumentale Musikuntermalung, die nicht ins Ohr geht, jedoch routiniert-verlässlich den gemächlich erzählten Plot mit einer schneidenden Klangkulisse begleitet und so in den ruhigeren Momenten weiter Spannung schürt.

Erzählerisch trumpft «Der Grenzgänger» insofern auf, als dass der schleichende Verfall von Nikolais moralischem Kompass in kleinen, nachvollziehbaren Schritten geschieht, womit der im Genre gern genutzte "Ein Guter gerät an seine ethischen Grenzen"-Plot glaubwürdig ausfällt. Einerseits kommt es zu einem Schneeballeffekt schlechter Entscheidungen, andererseits bemüht sich unser Protagonist, zu seinem integren Ich zurückzufinden.

Diese innere Spannung Nikolais bringt Hauptdarsteller Tobias Santelmann zu Serienbeginn jedoch nur spärlich zum Ausdruck, und dass das Skript sich primär auf das Jetzt konzentriert und seinen Helden kaum mit Vergangenheit und weiteren Dimensionen ausstattet, spielt sich der Konflikt Nikolais streckenweise allein in Form textlicher Offensichtlichkeiten ab. Ein dermaßen besonnen erzählter Krimi hätte gern etwas Zeit für eine intensivere Charakterisierung seines Protagonisten und einen dichteren, so mehr Fallstricke spannenden, Kontext aufwenden dürfen. Unterm Strich bleibt es so bei der simplen Empfehlung: "Genrefans können gerne reinschnuppern".

«Der Grenzgänger» ist immer freitags um 20.15 Uhr in Doppelfolgen auf Sky Atlantic HD zu sehen. Parallel ist die Serie auch auf Sky On Demand, Sky Go und Sky Ticket verfügbar, die Pilotfolge ist zudem auf der Sky-Homepage zu sehen.
07.04.2018 08:58 Uhr Kurz-URL: qmde.de/100157
Sidney Schering

super
schade


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Der Grenzgänger

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