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Der TV-Markt im November: ARD findet wieder in die Spur, RTL II verliert dramatisch

Während sich die Öffentlich-Rechtlichen über mehr oder minder deutliche Zugewinne freuen durften, lief es insbesondere für die RTL-Gruppe nicht erfreulich. Der größte Vertreter verlor ebenso wie RTL II, wo das Quotendrama aber historische Dimensionen annahm.

Die erfolgreichsten «Tatort»-Folgen seit 1992

  1. «Stoevers Fall» (1992, Stoever/Brockmöller) - 15,86 Mio.
  2. «Schwanensee» (2015, Thiel/Boerne) - 13,53 Mio.
  3. «Mord ist die beste Medizin» (2014, T/B) - 13,13 Mio.
  4. «Erkläre Chimäre» (2015, T/B) - 13,01 Mio.
  5. «Summ, Summ, Summ» (2013, T/B) - 12,81 Mio.
Information: Im Jahr 1992 startete die gemeinsame Quotenmessung in Ost- und Westdeutschland.
Lange galt die Vorstellung als illusorisch, dass ein «Tatort» noch einmal weit mehr als 15 Millionen Zuschauer vor den Fernsehgeräten versammeln könnte, doch das Duo Thiel und Boerne kommt dieser Marke immer näher. Mit 13,63 Millionen kam «Schwanensee» am zweiten November-Sonntag auf die höchste Reichweite seit 23 Jahren (siehe auch Infobox) und errang damit spielend leicht die Spitzenposition im November-Ranking. Eine sehr gute Leistung gelang auch Charlotte Lindholm zwei Wochen später, die mit 10,55 Millionen die zweite und letzte Ausstrahlung des Monats mit einer zweistelligen Millionenreichweite stellte. Die höchsten Marktanteile bei Gesamtpublikum und Zielgruppe ging allerdings an RTL, das am späten Samstagabend Wladimir Klitschkos erste Niederlage seit neuneinhalb Jahren ausstrahlte - und damit 40,1 Prozent aller bzw. 40,6 Prozent der jungen Konsumenten einfuhr. Darüber hinaus findet sich auch die ARD-Berichterstattung zu den Terroranschlägen in Paris auf den vordersten Plätzen des Publikumsrankings: Am Freitag des Geschehens sahen am späten Abend noch mehr als neun Millionen Menschen zu, ein Primetime-«Brennpunkt» kam zwei Tage später sogar auf 9,68 Millionen.

Beim jungen Publikum lagen ebenfalls «Tatort», Boxen und die aktuelle Berichterstattung zu den Vorfällen in der französischen Hauptstadt weit vorne, auf Platz neun konnte sich die Free-TV-Premiere des zweiten «Die Tribute von Panem»-Streifens platzieren. Durchschnittlich 2,93 Millionen junge Menschen bescherten dem Privatsender aus Unterföhring einen herausragenden Marktanteil von 22,0 Prozent. Ähnlich gut lief es zumindest in der ersten Monatshälfte noch für «The Voice», das zwei Mal für ProSieben und einmal für Sat.1 mehr als ein Fünftel der Werberelevanten verzeichnete. Noch etwas stärker war allerdings die RTL-Konkurrenz «Das Supertalent» mit bis zu 23,3 Prozent unterwegs. In dessen Fahrwasser kam «Willkommen bei Mario Barth» auf bis zu 20,1 Prozent, musste sich an schwächeren Tagen allerdings mitunter auch mit deutlich geringeren Werten begnügen. Ebenfalls noch weit vorne: «Bauer sucht Frau» mit bestenfalls 19,7 Prozent.

Unter den drei kleinsten Sendern dominierte «Club der roten Bänder» das Feld nach Belieben: Mit 2,30 bis 2,65 Millionen belegten platzierten sich alle acht Folgen auf den Plätzen eins bis acht, dahinter folgte «Grill den Henssler» mit drei Ausgaben, die zwischen 2,03 und 2,30 Millionen Zuschauer erreichten. Exakt dasselbe Bild ergab sich in der werberelevanten Zielgruppe. Um bei dieser VOX-Dominanz auch RTL II und kabel eins zu erblicken, muss man schon relativ weit nach hinten schauen: Bei ersterem Sender waren 1,63 Millionen das Höchste der Gefühle, die mit einer «Zuhause im Glück»-Folge möglich waren, zweiterer kam im Bestfall mit «Rosins Kantinen» auf 1,53 Millionen.


Alle Zuschauer (November 2015)


ALLE ZUSCHAUER (NOVEMBER)
11,9
11,2
12,1
12,0
10,1
10,6
3,2
3,5
5,2
5,2
7,9
8,2
5,4
5,4
3,7
3,7
Marktanteile in %  |  November 2015 ggü. Oktober 2015

Nach einer Schwächeperiode insbesondere des Ersten hat das öffentlich-rechtliche Fernsehen im November seine Vormachtstellung beim Gesamtpublikum wieder manifestieren können. Die Spitze belegt wie gewohnt das ZDF, das mit 12,1 Prozent allerdings nur noch relativ knapp vor dem Ersten Deutschen Fernsehen lag. Mit einem Sprung von 11,2 auf 11,9 Prozent war der Sender der einzige Gewinner des Monats und verzeichnete seinen stärksten Wert seit Juni. Der Bronzerang ging ungefährdet an RTL, das mit 10,1 Prozent allerdings wieder recht deutlich zurückfiel. Zuletzt hatte man im September und Oktober jeweils gute 10,6 Prozent verbucht und war damit überraschend in Reichweite der ARD gelangt, nachdem zuvor sieben Mal in Folge nur noch einstellige Marktanteile verzeichnet worden waren.

Einen nicht wirklich überzeugenden Monat auch Sat.1, das alles in allem neben «The Voice» zu wenig Hits generierte, um mehr als 7,9 Prozent zu erreichen. Seit Juni war zuvor die Acht-Prozenthürde nicht mehr unterschritten worden, obgleich mit 8,1 bis 8,4 Prozent kein einziger Monat wirklich deutlich hervorgeragt war. ProSieben konnte das zuletzt erreichte Niveau derweil bestätigen und verbuchte zum zweiten Mal in Folge 5,4 Prozent - ein voll und ganz akzeptabler Wert, der jedoch keine Jubelsprünge auslösen dürfte. VOX bleibt in dieser Saison standhaft: Zum dritten Mal im dritten Anlauf wurden 5,2 Prozent Marktanteil verzeichnet.

Während das Duell zwischen ProSieben und VOX weiterhin spannend bleibt, scheint sich dahinter zwischen kabel eins und RTL II mittlerweile ein klarer Favorit hervorzutun: Das ProSiebenSat.1-Baby kam auf ordentliche 3,7 Prozent, während die Konkurrenz der RTL-Gruppe nach ohnehin schon enttäuschenden 3,5 Prozent im Oktober noch einmal deutlich auf nur noch 3,2 Prozent abzugeben hatte. Zumindest seit August 2004 - seither liegen uns verlässliche Monats-Marktanteile vor - hatte man niemals weniger als 3,4 Prozent hinnehmen müssen, weshalb die Schwäche des Privatsenders durchaus schon historischer Natur ist. Alte Hit-Formate wie «Die Geissens» oder «Berlin - Tag & Nacht» liegen in diesen Tagen weit entfernt von ihren Bestwerten, gleichzeitig fehlen neue Erfolge. Und so hakt es derzeit an allen Ecken und Enden.


14- bis 49-Jährige (November 2015)


14- BIS 49-JÄHRIGE (NOVEMBER)
6,9
6,4
5,6
5,5
12,4
13,3
5,5
6,1
6,5
6,6
9,4
9,6
11,0
10,8
5,2
5,1
Marktanteile in %  |  November 2015 ggü. Oktober 2015

Mit einem Verlust um einen halben Prozentpunkt hatte es bereits der Oktober angedeutet, der November jedoch schaffte endgültig Klarheit: Nein, RTL ist derzeit nicht mehr in der Lage, längerfristig und ohne die eifrige Mithilfe von König Fußball an die 14 Prozent der werberelevanten Zielgruppe heranzureichen. Im November wurde mit nur noch 12,4 Prozent sogar erstmals in dieser Saison wieder ein Marktanteil unterhalb der 13-Prozentmarke verzeichnet, was zuletzt in den Sommermonaten der Fall war. ProSieben nutzte die Chance, sich mit immerhin 11,0 Prozent wieder etwas näher an den ewigen Kontrahenten heranzukämpfen - gefährlich wurde man ihm letztlich dann allerdings nicht. Und Sat.1 kämpft nach wie vor verzweifelt darum, überhaupt mal wieder in die Zweistelligkeit vorzustoßen - nach ambitionierten 9,6 Prozent im Oktober ging es diesmal wieder leicht auf 9,4 Prozent hinab.

Hinter den Top Drei klaffte erneut eine Riesenlücke, nach der als härtester so genannter Verfolger nicht VOX, sondern Das Erste auftauchte. Der öffentlich-rechtliche Sender verbesserte sich erneut auf 6,9 Prozent, nachdem schon zuletzt eine Steigerung von 6,1 auf 6,4 Prozent verzeichnet worden war. VOX dagegen gab abermals auf 6,5 Prozent ab, obgleich auch im abgelaufenen Monat wieder mit dem «Club der roten Bänder» ein neues Hit-Format etabliert werden konnte. Die drei schwächsten Sender der Top Acht lagen derweil diesmal nicht einmal mehr bei sechs Prozent der 14- bis 49-Jährigen, was insbesondere für RTL II mit einem dramatischen Verlust einherging - mit durchschnittlich nur noch 5,5 Prozent lief es sogar noch schlechter als im Januar und Juni, wo mit 5,9 und 5,8 Prozent bereits erstaunlich schwache Zahlen verzeichnet worden waren.

So fiel auch einmal mehr die Gesamtbilanz der großen Sender enttäuschend aus: Nach 63,2 und 63,4 Prozent zum Auftakt endete das erste Drittel der TV-Saison mit gerade einmal 62,5 Prozent - schlechter als diesmal lief es nur im Juli dieses Jahres. Beim Gesamtpublikum fiel der Rückgang mit 59,5 statt 59,8 Prozent deutlich moderater aus.


Alle Zuschauer (Fernsehjahr)


ALLE ZUSCHAUER (FERNSEHJAHR)
11,3
11,6
12,1
12,7
10,4
10,2
3,4
3,9
5,2
5,2
8,1
8,1
5,3
5,5
3,7
3,7
Marktanteile in %  |  Sep. 2015 – Nov. 2015 ggü. Sep. 2014 – Mai 2015

Der November war der erste Monat in dieser Saison, der nach dem Geschmack der öffentlich-rechtlichen Stationen verlief. Dieser Umstand wird auch durch die Tatsache dargestellt, dass bislang sowohl ARD als auch ZDF noch mehr oder minder deutlich gegenüber der Vorsaison verlieren würden: Das Zweite verliert von 12,7 Prozent deutlich auf nur noch 12,1 Prozent, Das Erste muss von 11,6 auf 11,3 Prozent abgeben. Im Gegenzug verbessert sich RTL leicht von 10,2 auf 10,4 Prozent, wird im Dezember allerdings noch den Beweis antreten müssen, dass es nach Jahren des kontinuierlichen Relevanzverlustes tatsächlich wieder leicht bergauf geht. Die Kölner haben allerdings auch noch den traditionell starken Januar vor sich, in dem neben «DSDS» auch und gerade das Dschungelcamp in seine neue Staffel startet.

Wenig Bewegung lässt sich bei den kleineren Sendern im einstelligen Marktanteils-Bereich ausmachen, mit einer großen Ausnahme: RTL II würde nach derzeitigem Stand erdrutschartig von 3,9 auf 3,4 Prozent verlieren und damit die rote Laterne von kabel eins übernehmen, das derzeit grundsolide abschneidet. Es bedarf also dringend zielführender Strategien, wie der Grünwalder Privatsender wieder in Schwung zu bringen ist. Da kein Sender signifikant hinzugewinnt, nach aktuellem Stand aber mehrere verlieren, weist die Gesamtbilanz der "Big Eight" ein deutliches Minus auf: Mit 59,6 Prozent läuft es schlecht wie nie, nachdem schon 2014/15 mit 60,9 Prozent ein neuer Allzeit-Tiefstwert hingenommen werden musste.


14- bis 49-Jährige (Fernsehjahr)


14- BIS 49-JÄHRIGE (FERNSEHJAHR)
6,5
6,6
5,6
6,0
13,2
13,4
5,9
6,2
6,6
6,9
9,4
9,6
10,9
11,1
5,1
5,3
Marktanteile in %  |  Sep. 2015 – Nov. 2015 ggü. Sep. 2014 – Mai 2015

Gehört RTL beim Gesamtpublikum noch knapp zu den (wenigen) Gewinnern des neuen Fernsehjahres, ist der Sender in der besonders wichtigen klassischen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen wieder im roten Bereich angelangt. Nach dem schwachen November-Abschneiden fällt der Marktanteil auf 13,2 Prozent, was etwas weniger ist als die 13,4 Prozent der Vorsaison. Allzu großen Schrecken verbreitet Hauptkonkurrent ProSieben allerdings mit nur 10,9 Prozent auch nicht, zumal auch hier ein leichter Verlust gegenüber 2014/15 zu Buche steht. Und auch Sat.1 gelingt es nach derzeitigem Stand nicht, sich näher an die Zweistelligkeit heranzuarbeiten - statt 9,6 Prozent kommt der Bällchensender nur noch auf 9,4 Prozent.

Dahinter klafft auch hier eine große Lücke, zumal auch von den kleineren Sendern kein einziger zuzulegen vermag. Das Erste reicht nach einem denkbar schlechten Start im September mittlerweile immerhin wieder annähernd an die 6,6 Prozent des Vorjahres heran, VOX hingegen stürzt recht deutlich von 6,9 auf 6,6 Prozent. RTL II liegt bislang ausnahmslos unter den 6,2 Prozent, die in der Vorsaison auf dem Papier gestanden hatten. Mit aktuell 5,9 Prozent droht der Privatsender akut, unter die Marke von sechs Prozent zu fallen - während sich die Programmverantwortlichen des ZDFs bereits mit diesem unschönen Gedanken angefreundet haben dürften. Das Schlusslicht ist weiterhin kabel eins, das nach ohnehin schon sehr mauen 5,3 Prozent zuletzt bei nur noch 5,1 Prozent steht. Alles in allem fehlen den großen Sendern über zwei Prozentpunkte zum Niveau der Vorsaison - statt 65,1 Prozent würde man nach aktuellem Stand nur 63,0 Prozent verbuchen.
01.12.2015 12:00 Uhr Kurz-URL: qmde.de/82350
Manuel Nunez Sanchez

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