►   zur Desktop-Version   ►

Wer ist der Sat.1-«Maulwurf»? '«The Mole» ist eine Primetime-Reality-Show in einem fiktionalen Gewand'

Zehn Kandidaten, ein Team - aber nur neun ziehen an einem Strang, denn einer ist ein Maulwurf. Nach zwei Staffeln (2000 und 2001) bei ProSieben kehrt «The Mole» nun grundlegend überarbeitet ins deutsche Fernsehen zurück. Wir haben mit den Produzenten Ina Eck und Oliver Fuchs von Fabiola gesprochen. Warum «The Mole» sowohl Roadmovie, als auch Krimi ist, dennoch aber Reality mit hochwertigem filmischen Look, verraten uns die beiden im großen Interview.

Unsere Interviewpartner

  • Oliver Fuchs, früher ZDF-Unterhaltungschef (2012 bis 2015), danach Geschäftsführer der Bavaria Entertainment GmbH. 2018 gründete er die Fabiola mit Sitz in Köln.
  • Ina Eck, arbeitet - wie auch Fuchs - als geschäftsführende Gesellschafterin bei Fabiola.
Zum Einstieg mal ganz generell gefragt: Wieso ist 2020 das richtige Jahr für das Comeback des «Maulwurfs». Immerhin ist es fast 20 Jahre her, dass ProSieben die Sendung, damals am Vorabend am Wochenende, im Programm hatte...
Oliver Fuchs: Wir waren stark beeindruckt, was unsere belgischen Kollegen und Partner aus dem «Maulwurf» gemacht haben, und wie sie es selbst geschafft haben, in Belgien nach 16 Jahren das Format neu zu denken.

Ina Eck: Die zeitgemäße Erzählweise und filmische Umsetzung, die uns von der ersten Sekunde an gepackt hat, passt auf jeden Fall in dieses Jahr. Das unterscheidet den alten Maulwurf auch sehr vom neuen «The Mole».

In welchen Punkten unterscheiden sich die für Sat.1 nun für die Primetime hergestellten Episoden des neuen «The Mole» - mal von der Sendedauer abgesehen...
Ina Eck: «The Mole» ist eine Primetime-Reality-Show in einem fiktionalen Gewand, das macht sie so besonders.

Oliver Fuchs: Das Risiko ein Roadmovie quer durch Argentinien, mit ständig wechselnden Locations, Challenges und mit bis zu 30 Kameras zu erzählen, setzt ein Höchstmaß an Organisation und Flexibilität voraus. Mit Sat.1 hatten wir einen Partner, der von vorneherein diesen Weg mitgegangen ist und uns das Vertrauen geschenkt hat, auch in der Produktionsweise neue Wege zu gehen.

Sie haben die Folgen in Argentinien gedreht. Wieso fiel Ihre Wahl auf dieses Land?
Oliver Fuchs: Zunächst einmal wollten wir ein möglichst attraktives Reiseziel finden, welches sämtliche Möglichkeiten bietet, die wir für das Format und die Geschichte benötigen.

Ina Eck: Uns war es wichtig, dass wir in einem Land drehen, das wahnsinnig viel zu bieten hat und Argentinien ist so ein Land voller Extreme. Angefangen im Norden, wo wir in den roten Canyons waren, über die Metropole Buenos Aires bis hin ans Meer nach Mar del Plata. Das Besondere an «The Mole» ist ja, dass jede Staffel in einem anderen Land stattfindet und die Challenges auch länderspezifisch sein müssen, so dass man als Zuschauer einerseits Fernweh bekommt und auf der anderen Seite das Land durch die Spiele noch besser kennen lernt. Auch für unsere Kandidaten war das natürlich etwas Besonderes, weil sie überhaupt nicht wussten wo es hingeht, bis sie am Flughafen waren.

Oliver Fuchs: Für eine erste Staffel war es uns ebenfalls wichtig, ein Land zu finden, wo für unsere Produktion Infrastruktur und Landschaft die besten Voraussetzungen erfüllen.

Ina Eck: Ich war vorher noch nie in Argentinien und es ist ein großartiges Land mit tollen Menschen, da sollte jeder mal hinreisen (wenn wir wieder dürfen).

Der Kern des Formats ist, herauszufinden, wer hier lügt und sabotiert. Selbst Fehler von Kandidaten bei einer Challenge können heißen: Der Kandidat ist nicht gut in diesem Spiel oder aber er oder sie macht das extra. Und diesen Formatkern haben wir in jeder Folge durchgezogen.
Ina Eck, Geschäftsführerin von Fabiola, Produktionsfirma hinter «The Mol»
«The Mole» ist ein Strategie-Spiel, das aber mit actionreichen Aufgaben gepaart wird. Wie sieht die Verteilung innerhalb der Folgen aus. Man könnte ja nach dem letztjährigen «Survivor»-Flop von VOX meinen, der Deutsche schreckt vor zu viel Taktiererei eher zurück.
Ina Eck: Das Besondere an «The Mole» ist, dass es um Menschenkenntnis geht. Der Kern des Formats ist, herauszufinden, wer hier lügt und sabotiert. Selbst Fehler von Kandidaten bei einer Challenge können heißen: Der Kandidat ist nicht gut in diesem Spiel oder aber er oder sie macht das extra. Und diesen Formatkern haben wir in jeder Folge durchgezogen.

Oliver Fuchs: Der Vergleich mit «Survivor» hinkt natürlich ein wenig. Bei The Mole geht es um ganz andere Inhalte. Eine Prämisse, die sagt "Ich halte auf einer Insel durch und wenn ich in den Spielen alles gebe, dann erst recht“ ist nicht unser Kern. Zum einen ist «The Mole» ein Roadmovie und zum anderen ist es ein Psychospiel. Auch die Systematik wonach der oder die Gewinnerin ermittelt wird, ist eine völlig andere. In der Tat unterscheidet sich diese Sendung von allen anderen Reality-Shows, die wir in Deutschland haben.

Ina Eck: «The Mole» ist eigentlich wie ein Krimi, bei dem es darum geht, herauszufinden, wer der Mörder ist. Theoretisch könnte es jeder sein. Vielleicht ja auch der Gärtner. Und erst am Ende wird klar, wie der Mörder es gemacht hat.

Oliver Fuchs: Bei «The Mole» sind die Spiele nicht die alles entscheidenden Elemente. Sie sind vielmehr dramaturgisches Mittel zum Zweck. In den Spielen könnten die Kandidaten und die Zuschauer herauszufinden, wer denn der Maulwurf ist.

Ich bin mir sicher, dass die Zuschauer, wenn sie denn genügend Muße mitbringen der Geschichte zu folgen, ein besonderes Abenteuer miterleben können.

Ina Eck: Selbst wir schwitzen immer noch, wenn wir die Folgen gucken, obwohl wir wissen, wer der Mole ist.

«The Mole» läuft in vielen europäischen Ländern, teils in unterschiedlichen Ausführungen. Ich gehe einfach mal davon aus, dass Sie zahlreiche regionale Versionen kennen. An welchen haben Sie sich orientiert, welche haben Sie besonders beeindruckt?
Ich denke, dass gerade die Belgier es geschafft haben, das Format auf ein neues Level zu hieven. Vor allem was die Erzählweise und die Umsetzung angeht, so etwas hatte ich persönlich noch nie gesehen und war von Anbeginn an geflasht.
Fabiola-Chef Oliver Fuchs über die internationale Entwicklung von «The Mole»
Oliver Fuchs: Wir haben uns vor allen Dingen an der belgischen Version orientiert, die uns mehr als beeindruckt hat. Natürlich haben wir auch auf die holländischen Folgen geschaut, die seit bereits 20 Jahren sehr erfolgreich laufen. Das Interessante war, dass die ganzen Senderkollegen, nicht nur bei Sat.1, das Format sehr gut kannten und über den Erfolg in Benelux naturgemäß informiert waren und darum das Format auch immer wieder in vielen Diskussionen auftauchte. Ich denke, dass gerade die Belgier es geschafft haben, das Format auf ein neues Level zu hieven. Vor allem was die Erzählweise und die Umsetzung angeht, so etwas hatte ich persönlich noch nie gesehen und war von Anbeginn an geflasht. Diese Version hat uns auch geholfen, als wir über das Format mit den Senderkollegen gesprochen haben. Jeder kannte das Format, aber keiner wusste wirklich wie es neu umgesetzt wurde.

Ina Eck: Gerade die Challenges in der belgischen Version haben uns neben der filmischen und inhaltlichen Umsetzung so überzeugt, dass selbst erfahrene Spiele-Entwickler überrascht waren, wie intelligent diese Spiele konzipiert sind. Fast jedes Spiel hat einen Twist oder eine zweite Ebene. Nichts ist wie es scheint.

Oliver Fuchs: Natürlich wissen wir auch, wie schwierig es ist, eine Marke aufzubauen, obwohl vielleicht ein paar Zuschauern der Begriff „Maulwurf“ oder „Mole“ noch von früher bekannt ist. Jetzt geht es aber darum diese Marke neu zu setzen und haben auch im Hinblick auf die Auswahl der Moderatoren darauf geachtet.

Spielleiter des deutschen «The Mole» sind die Musiker von "The BossHoss" - vielleicht auch nicht die naheliegendste Wahl. Wie kamen Sie auf die Idee?
Oliver Fuchs:
Die südamerikanische Version von zwei Cowboys sind zwei Gauchos - insofern passte das wie das Hufeisen aufs Pferd. Wir freuen uns natürlich, dass auch The BossHoss, die eine wirkliche Marke sind, uns so viel Vertrauen geschenkt haben. Sie sind von Anbeginn an auch kreativ in die Umsetzung mit eingestiegen. Alec und Sascha haben ja nicht nur durch «The Voice» viel TV-Erfahrung, sondern sind als Charaktere extrem sympathisch und authentisch. Und das ist genau das, was so ein Format braucht.

Ina Eck: Das Besondere an der belgischen und niederländischen Version von «The Mole» ist, dass die Moderatoren Teil des Teams und des Spiels sind. Sie sind Teil des Teams insofern, als dass es keine klassischen Moderationen in die Kamera gibt, gemeinsam mit den Kandidaten machen sie einen Roadtrip durch das jeweilige Land. In unserer Version haben wir uns dafür entschieden, dass die Moderatoren nicht wissen, wer der Mole ist. Das war auch der Wunsch von The BossHoss selbst, damit sie sich a) nicht verplappern und b) mitraten können.

Das Tolle an Alec und Sascha ist, dass sie aufgrund der Machart und der Erzählweise von Anfang an Feuer und Flamme für das Format waren. Vor Ort haben wir intensiv zusammengearbeitet und die beiden haben mitgefiebert.

Tatsächlich empfinde ich persönlich die Situation als lähmend. Auch wenn wir zurzeit viele Prozesse neu denken müssen, so sind sie doch am Ende einem Umstand geschuldet, mit dem keiner gerechnet hat. Wenn wir eine Krise bräuchten, um kreative Prozesse anzuschieben, dann wären wir im falschen Berufsfeld.
Fabiola-Chef Oliver Fuchs über die Herausforderungen in Zeiten der Coronapandemie
Wie gehen Sie zur Zeit mit Corona um? Sehen Sie das als lähmende Erscheinung oder vielleicht sogar als Möglichkeit, die kreativen Batterien wieder aufzuladen?
Oliver Fuchs:
Tatsächlich empfinde ich persönlich die Situation als lähmend. Auch wenn wir zurzeit viele Prozesse neu denken müssen, so sind sie doch am Ende einem Umstand geschuldet, mit dem keiner gerechnet hat. Wenn wir eine Krise bräuchten, um kreative Prozesse anzuschieben, dann wären wir im falschen Berufsfeld. Wir produzieren zurzeit, aber unter stark eingeschränkten Bedingungen, so dass gewisse Erzählweisen eben nicht gehen oder entsprechend dramaturgisch umgesetzt werden können. Und ja, ich finde man sieht auch den Produkten meistens an, dass sie unter anderen Bedingungen hergestellt wurden.

Ina Eck: Ich empfinde es auch als lähmend, weil man zurzeit noch nicht klar sagen kann, wann man, unter welchen Voraussetzungen, wie wieder produzieren kann. Was mich freut, ist, dass wir innerhalb der Firma schon immer die Möglichkeit des Homeoffice angeboten haben und wir so zum Glück darauf vorbereitet waren, schnell alle ins Homeoffice zu gehen. Erschwerend ist die Situation natürlich gerade für Kollegen und Kolleginnen mit Kindern: Videokonferenzen und Kreative Arbeit gepaart mit Homeschooling oder Kinderbespaßung. Nichtsdesdotrotz finde ich es toll, dass wir bei der Fabiola ein Team haben, welches, wie auch schon vor der Krise, kreativ nach vorne geht und auch unter neuen Vorzeichen die Projekte vorantreibt.

Oliver Fuchs: Was die ganze Krise gesamtwirtschaftlich für unsere Branche bedeutet, wage ich nicht zu denken. Ich hoffe, dass wir alle gemeinsam nicht nur neue Produktionsweisen entwickeln, sondern dass wir unter den neuen Vorzeichen unsere Geschichten wie gewohnt in bester kreativer Art und Weise weitererzählen können.

Frau Eck, Herr Fuchs, dann sagen wir mal: Corona, du bist der Maulwurf. Du bist raus. Danke für das Gespräch.
05.05.2020 13:46 Uhr Kurz-URL: qmde.de/117882
Manuel Weis

super
schade

75 %
25 %

Artikel teilen


Tags

Maulwurf The Mole Survivor The Voice Maulwurfs

◄   zurück zur Startseite   ◄
Es gibt 10 Kommentare zum Artikel
Sentinel2003
05.05.2020 20:34 Uhr 8
Hä?? Mir wurde bisher nicht ein einziges Dating Portal auf Netflix angezeigt.... >:) ':)
Kingsdale
05.05.2020 20:55 Uhr 9
Ich habe aber auch irgendwo mal gelesen, das Netflix da auch was hat oder es gerade produziert. Aber weiss nun auch nicht mehr, was das genau war und ob es tatsächlich Netflix war.
AlphaOrange
06.05.2020 09:16 Uhr 10
Wie, was, Dating-Portal? Wie kommst du denn jetzt plötzlich darauf?
Alle 10 Kommentare im Forum lesen
Werbung

Qtalk-Forum » zur Desktop-Version

Impressum  |  Datenschutz und Nutzungshinweis  |  Newsletter