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«21 Bridges»: Harter Cop, lahmer Thriller

Ein Killer-Cop jagt zwei Copkiller. Wer ist härter und wer kann seine vertrackte Situation besser einschätzen?

Filmfacts «21 Bridges»

  • Regie: Brian Kirk
  • Produktion: Anthony Russo, Joe Russo, Mike Larocca, Robert Simonds, Gigi Pritzker, Chadwick Boseman, Logan Coles
  • Drehbuch: Adam Mervis, Matthew Michael Carnahan
  • Story: Adam Mervis
  • Cast: Chadwick Boseman, Sienna Miller, Stephan James, Keith David, Taylor Kitsch, J. K. Simmons
  • Musik: Henry Jackman, Alex Belcher
  • Kamera: Paul Cameron
  • Schnitt: Tim Murrell
  • Laufzeit: 99 Minuten
  • FSK: ab 16 Jahren
Es ist ein Irrtum, dass oft verschobene Filme stets auch misslungene Filme sind. Das mehrmalige Verschieben kann diverse Gründe haben – manchmal ist es so simpel, dass der Verleih vor übermächtiger Konkurrenz flieht oder eine unnötige Konzentration von Filmen desselben Genres auf ein kurzes Zeitfenster beheben möchte. Doch so lange es Filme wie «21 Bridges» gibt, wird sich das Vorurteil, mehrfach verschobene Filme seien halt einfach nicht gut, wohl halten. Denn die Produktion der «Avengers || Endgame»-Regisseure Joe & Anthony Russo mit «Black Panther»-Star in der Hauptrolle ist ein Cop-Thriller mit solider Prämisse und lahmer Umsetzung.

«21 Bridges» erzählt vom Polizistensohn Andre Davis (Chadwick Boseman), dessen Vater vor Jahrzehnten im Einsatz tödlich verletzt wurde, und der wie schon sein alter Herr bei der New Yorker Polizei arbeitet. Andre gilt als sehr fähiger Polizist, doch die Interne untersucht ihn derzeit aufgrund seines häufigen und tödlichen Gebrauchs seiner Dienstwaffe. Was die Interne kritisch beäugt, macht Andre aber eines Nachts zum auserwählten Helden der Nachtschicht. Denn als zwei Kleingangster (Taylor Kitsch und Stephan James) bei einem Coup bergeweise Kokain entdecken und daraufhin in eine Gruppe Cops stolpern, lässt das kriminelle Duo Bergen von Polizistenleichen zurück. Daher hoffen die Kollegen der Ermordeten, dass Andre seinem Ruf als Mann mit dem schnellen Abzug gerecht wird und sich als Copkiller-Killer zeigt …



Der TV-Regisseur Brian Kirk, der unter anderem drei Folgen «Game of Thrones» in der Vita stehen hat sowie vier Folgen «Penny Dreadful», lässt in «21 Bridges» keinerlei Flair aufkommen. Weder funktioniert «21 Bridges» als kerniger, kleiner Actionstreifen, dafür sind nämlich die Kampf- und Verfolgungsszenen zu austauschbar choreografiert, noch überzeugt der Thrill-Anteil des Stoffes. Das liegt einerseits daran, dass Kirk keine atmosphärischen Bilderwelten erzeugt, andererseits aber auch am Drehbuch von Adam Mervis & Matthew Michael Carnahan, das daran scheitert, stringente Figuren zu erschaffen.

So wird Stephan James als vorsichtiger Part des Kleingangster-Duos eingeführt, jedoch gibt es mehrmals Szenen, wo diese Charakterzeichnung kurzzeitig über Bord geworfen wird. Abgebrühte Genies des Unterweltmilieus begehen stupide Anfängerfehler, gemäß Storyverlauf angeblich abgezockte Vollprofis in Sachen doppeltes Spiel haben ein denkbar mieses Pokerface und so weiter: Es lässt sich schwer mitfiebern, wenn sich Charakterzeichnungen im Minutentakt ändern, ohne dass das Drehbuch oder das Schauspiel diesen Wandel nachvollziehbar abstecken. Denn Spannung generiert sich unter anderem aus Erwartungshaltung und deren Brechung – nur wie soll man schon was erwarten, wenn man keinen griffigen Eindruck einer Figur hat?

Chadwick Boseman jedoch überzeugt in der Hauptrolle eines aneckenden, harten und schlauen Polizisten, der wenige Stunden Zeit hat, zwei flüchtige Killer ausfindig zu machen: Er spielt Andre als stoischen Dickkopf, der sich jedoch stets an die Situation anzupassen versucht. Somit hat Boseman auch die Gelegenheit, im Verlauf des Films schleichend mehr und mehr Empathie in sein Spiel zu legen – denn je mehr Andre über die Lage lernt, desto mehr versetzt er sich in sein Gegenüber hinein.

Sienna Miller («Interview») wiederum muss als widerborstige Ermittlerin der Drogenbehörde etwas gegen das schwammige Drehbuch ankämpfen. Trotzdem ist sie eine solide Präsenz in diesem von Kamermann Paul Cameron in grieseligen, nachtdunklen Bildern eingefangenen Thriller, der weder seine titelinspirierende Prämisse (alle 21 Zugänge zu Manhattan werden abgeschottet), noch seine Gegenüberstellung zwischen Polizeihärte und polizeilichem Mitdenken sonderlich prägnant durchzieht. Was unterm Strich bleibt, ist ein Action-Thriller, in dem Boseman einmal mehr gut spielt, der aber auch schon mit Einsatz des Abspanns in Vergessenheit abrutscht.

«21 Bridges» ist ab dem 6. Februar 2020 in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.
05.02.2020 13:43 Uhr Kurz-URL: qmde.de/115540
Sidney Schering

super
schade


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Avengers || Endgame Black Panther Game of Thrones Penny Dreadful Interview 21 Bridges

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