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Die Kritiker: «Hackerville»

Der rumänisch-deutsche Hackerangriff aus dem Hause HBO: Die neue Serie über Hackingangriffe gilt als die erste große internationale Co-Produktion zwischen der europäischen Niederlassung des Streaming-Giganten HBO und dem deutschen Kanal TNT Serie. Hinter der Serie stehen die Macher von «Deutschland ´83», Jörg Winger und Ralph Martin. Quotenmeter.de hat sich die Serie in der Preview angesehen. Hat die Produktion eine Zukunft oder ist der Hackangriff nur von kurzer Dauer?

Cast & Crew

  • Darsteller: Anna Schumacher, Ronald Zehrfeld, Sabin Tambrea, Nina Kunzendorf u.a.
  • Buch: Laurențiu Rusescu, Daniel Sandu, Ralph Martin und Steve Bailie.
  • Regie: Igor Cobileanski und Anca Miruna Lazarescu.
  • Idee: Jörg Winger, Ralph Martin
  • Executive Producer: Johnathan Young , Jörg Winger, Anke Greifeneder
  • Produktion: UFA Fiction, Mobra Film
Eine Thematik wie das Hacken ist praktisch Gold für Film- und Serienformate. Spannende Wettläufe gegen die Zeit, die Suche nach den richtigen und alles entscheidenden Dateien und andere Hacker, die versuchen dasselbe vor einem zu erreichen.

Für die Dramaturgie ist der virtuelle Datendiebstahl perfekt, doch das auch nur, wenn man sie klischeehaft und fernab der Realität inszeniert. Große Graphiken und Abläufe mit wilden Animationen oder ähnlichem sind reine Fantasie bei den virtuellen Verbrechen. Die Realität sieht deutlich schlichter und unspektakulärer aus, mit einfachen Zahlen und Buchstaben auf schwarzem Hintergrund.

Im September 2014 zeigte die deutsche Kinoindustrie wie man einen hochqualitativen Thriller um das Thema Hacking macht, der noch dazu modern ist und eine zeitgenössische Optik hatte. «Who Am I – Kein System ist sicher» zeigte wie realistisches Hacken aussieht und welche wirklichen Auswirkungen es haben kann. Regisseur des Films war Baran bo Odar, der zuletzt wieder mit der deutschen Netflix Serie «Dark» zeigte, wie stark deutsche Produktionen sein können.

Doch worum geht es in der Produktion überhaupt, abseits des Hackens?

«Hackerville» beginnt mit einem virtuellen Angriff auf eine deutsche Großbank. Die Spur führt in die rumänische Stadt Timisoara im Westen des Landes und die Expertin für Cyberkriminalität, Lisa Metz, wird für nähere Ermittlungen dorthin beordert. Durch ihren rumänischen Vater ist Metz der Sprache des Landes mächtig und kennt sich auch mit der dortigen Kultur aus. Doch die Zusammenarbeit mit den rumänischen Behörden gestaltet sich schwieriger als erwartet und die Suche nach dem Hacker offenbart schnell tiefe und unerwartete Abgründe.

«Hackerville» verliert anfangs keine Zeit und steigt prompt mit der Cyber-Attacke ein. Zu Beginn hat die Serie ein für den Zuschauer sehr angenehmes Tempo, etabliert die Charaktere schnell und nach nur wenigen Minuten ist man schon in Rumänien. Dort angelangt entschleunigen die Ermittlungen die Serie jedoch spürbar und es dauert seine Zeit, bis «Hackerville» wieder Fahrt aufnimmt.

Besonders gelungen ist dabei die Darstellung der kulturellen Differenzen zwischen Rumänien und Deutschland, sowohl in der Arbeitsweise der beiden Polizeibehörden, als auch in den Charakteren selbst. Es wird immer wieder zwischen dem deutschen Polizeibüro und dem rumänischen Gegenpart gewechselt, wodurch der Kontrast der beiden nur noch stärker wird.
Die Hauptdarstellerin Anna Schumacher ist bis dato noch eine recht unbeschriebenes Blatt in der Film- und Serienlandschaft, macht ihre Sache als ambitionierte Ermittlerin Lisa Metz jedoch sehr überzeugend. An ihrer Seite steht der rumänische Darsteller Andi Vasluianu, dessen Filmographie bereits eine gewisse Länge erreicht hat. Er verkörpert den Polizisten Adam Sandor, mit dem Lisa die Hacker aufzuspüren versucht. Die Chemie zwischen den Darstellern wirkt bei jedem gemeinsamen Auftritt besser als zuvor und auch ihre Charaktere wirken stets glaubhaft, nachvollziehbar und lebensecht.

Eine Besonderheit an «Hackerville» ist die Sprachbarriere, die auch Teil der Serie ist. In Rumänien wird die entsprechende Sprache gesprochen, was stets untertitelt ist. Der Wechsel zwischen einem Telefonat auf Deutsch und Gesprächen auf Rumänisch ist fließend und wenn man nicht aufpasst, verpasst man gerne mal die ersten übersetzten Zeilen.

Die Story rund um Hackerangriffe wird mit der voranschreitenden Lauflänge immer interessanter und facettenreicher, zumal noch ein familiärer Hintergrund von Lisa Metz Teil des Plots wird. Dennoch nimmt sich die Serie an manchen Stellen selbst die Luft heraus und verweilt teils zu lange an denselben Orten. Langweilig wird es dadurch zwar nicht, ein etwas schnelleres Tempo wäre in späteren Folgen aber dennoch angebracht um den Zuschauer langfristig bei sich zu behalten.

Noch dazu ist «Hackerville» optisch keine Besonderheit. Serien, die mit HBO in Verbindung gebracht werden, haben meist ein aufwendiges Produktionsdesign und eine Hochglanzoptik, was die deutsch-rumänische Serie aber vermissen lässt. Zwar werden die Sehenswürdigkeiten der Stadt ansehnlich eingefangen, ansonsten wirkt sie Serie inszenatorisch jedoch oftmals wie eine «Tatort»-Kommission auf Auslandsreise.

Fazit: «Hackerville» weiß durch sein unverbrauchtes Setting und seine beiden starken Hauptdarsteller zu überzeugen. Die Thematik des Hackens wird nicht stiefmütterlich behandelt, sondern aus einem vergleichsweise realistischen Blickwinkel und die Story rund um die virtuellen Verbrechen wird zunehmend spannender. Sollte das Tempo in späteren Folgen anziehen, kann man bei «Hackerville» durch aus von einer gelungenen Co-Produktion der beiden Ländern sprechen.

TNT Serie zeigt «Hackerville» ab Donnerstag, 8. November 2018, um 21.50 Uhr als deutsche Premiere.
06.11.2018 10:30 Uhr Kurz-URL: qmde.de/104960
Martin Seng

super
schade


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Tags

Dark Hackerville Tatort Who Am I – Kein System ist sicher

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