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Die Kritiker: «Unter Verdacht – Verschlusssache»

Senta Berger ermittelt wieder als Eva Prohacek in München, diesmal im Umfeld der Bundeswehr. Ihre Arbeit wird sowohl von der Rüstungsindustrie, als auch von Kommissariatsleiter Reiter erschwert.

Cast & Crew

Vor der Kamera:
Senta Berger als Eva Maria Prohacek
Rudolf Krause als André Langner
Gerd Anthoff als Dr. Claus Reiter
Ulrich Noethen als Max Wemmer
Katja Weitzenböck als Susanne Delgarde
Johannes Zirner als Anian Reibl
u.v.m.

Hinter der Kamera:
Buch: Mike Bäuml
Regie: Ulrich Zrenner
Kamera: Johannes Kirchlechner
Bereits am 12. Januar diesen Jahres war der neuste Fall der Kommissare Prohacek und Langner auf arte zu sehen. Nun wird die 29. Folge der «Unter Verdacht»-Reihe auch im ZDF-Hauptprogramm ausgestrahlt. Diesmal steht die Bundeswehr im Zentrum der Ermittlungen und gleich zu Beginn gibt es eine eindrucksvolle Szene zu sehen. Denn «Unter Verdacht – Verschlusssache» beginnt mit der Verbrennung eines deutschen Staatssymbols:

Demonstrativ hat Max Wemmer (Ulrich Noethen), ein unbescholtener Beamter im Münchner Sozialamt, eine deutsche Fahne vor einer Bundeswehrkaserne vom Mast gerissen, verbrannt und die Aktion gefilmt und online gestellt. Ihm droht neben der fristlosen Entlassung auch eine mehrjährige Haftstrafe. Beim Verhör wird den Ermittlern Dr. Eva Maria Prohacek (Senta Berger) und André Langner (Rudolf Krause) schnell klar, dass der überzeugte Pazifist aus Verzweiflung darüber gehandelt hat, dass sein Sohn Thorsten, ein Ingenieur und Bundeswehroffizier, bei der Erprobung eines neuen Waffensystems lebensgefährlich verletzt wurde und seitdem im Koma liegt.

Weitere Nachforschungen ergeben, dass Thorsten Antidepressiva nahm und sein Verhältnis zum Vater alles andere als gut war. Der Militärische Abschirmdienst ist davon überzeugt, dass Thorsten Wemmer gegen die Dienstvorschriften gehandelt hat, doch Prohacek und Langner müssen die Frage klären, wer wirklich Schuld an dem schweren Unfall des jungen Offiziers trägt. Dabei werden sie nicht nur von der Rüstungsindustrie, sondern auch von ihrem eigenen Chef, Dr. Claus Reiter (Gerd Anthoff), behindert.

Auffallend ist, mit welcher Routine das eingespielte Team um Senta Berger, Rudolf Krause und Gerd Anthoff agiert. Auch in der nunmehr 29. Episode der «Unter Verdacht»-Reihe haben die Schauspieler nichts von der Leidenschaft für ihre Figuren verloren. Jeder Charakter für sich weckt noch Sympathien beim Zuschauer, selbst wenn sie teils unterschiedliche Meinungen vertreten. Zu Gute kommt den Darstellern zudem die oft recht erfrischend geschriebenen Dialoge und die damit verbundene Möglichkeit gegen die alte Kollegin bzw. den alten Kollegen auch mal auszuteilen.

Hinzu kommt ein starker Ulrich Noethen, der glaubwürdig den aufgewühlten und verzweifelten Vater auf der Suche nach Gerechtigkeit verkörpert. Er ist besessen von dem Gedanken, einer Verschwörung um den Tod seines Sohnes auf der Spur zu sein und versucht mit aller Macht selbst an Informationen zu kommen. Dabei entwickelt er eine emotionale Bindung zu Kommissarin Prohacek, die er als einzige Verbündete in einem Morast aus Lügen wahrnimmt.

Der Nebenplot, rund um eine Liebschaft des Kommissariatsleiters Dr. Claus Reiter, fügt sich nahtlos in die Haupthandlung ein, die ein solides Spannungsniveau hält. Ermittlungen im Umfeld der Bundeswehr und der bayerischen Rüstungsindustrie sind zweifellos ein guter Aufhänger für einen Krimi. Auf die fragwürdige Lobbyarbeit, die Waffenhersteller beim Staat und dessen Institutionen verrichten, kann man nicht oft genug hinweisen. Allerdings handelt es sich bei den ungeliebten Rüstungsfirmen natürlich um ein sehr dankbares Feindbild, welches leider unvermeidlich durch ausgesprochen unsympathische Charaktere repräsentiert wird. Dem Klischee entsprechend steht der finanzielle Gewinn im Vordergrund, Moral spielt keine Rolle.

Weniger vorhersehbar, aber ebenso nachdrücklich, wird zudem auf Missstände in der Bundeswehr aufmerksam gemacht. Die theoretische Bereitschaft zu Töten und tatsächlich ein Leben zu nehmen sind nun einmal zwei völlig unterschiedliche Dinge. Ein Soldat als Kriegsdienstverweigerer? Ein Albtraum für die Bundeswehr, die viel Geld und Zeit in die Ausbildung ihrer Rekruten gesteckt hat. Auch Traumatisierung ist kein seltener Begleiter für diejenigen Soldaten, die aus Kriegsgebieten zurückkehren. Diese werden durch Anian Reibl (Johannes Zirner) symbolisiert, der zudem den Waffentest ausführte, welcher Thorsten Wemmer lebensgefährlich verletzte. Er befindet sich im klassischen Zwiespalt zwischen Gewissen und Karriere. Auch das Verhältnis der Presse zu ihren Informanten bzw. Informationsaustausch zwischen Beamten und Journalisten wird thematisiert.

Das ZDF zeigt «Unter Verdacht - Verschlusssache» am Samstag, den 14. April um 20.15 Uhr.
13.04.2018 12:00 Uhr Kurz-URL: qmde.de/100273
Christopher Schmitt

super
schade

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