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UFA Serial Drama-Chef Brunnemann: „Eine gut funktionierende Daily ist für einen Sender das Rückgrat“

2018 wird spannend – nicht nur wegen eines weiteren Specials der überragend laufenden RTL-Serie «GZSZ», sondern auch wegen diverser Neustarts. Gleich drei Piloten sind für Sat.1 in der Mache, für RTL machen die Daily-Spezialisten das neue «Freundinnen». Ein Gespräch über Hits und Flops, Chance und Risiko für die Sender und über «Verbotene Liebe» als Hit bei YouTube.

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Wir haben das Thema ‚Daily’ klassisch durchdefiniert. Dass Sat.1 von jeder unserer Idee jetzt einen Piloten produzieren und testen lässt, freut uns natürlich sehr. Bei uns arbeiten komplett eigenständige Teams an den Formaten.
Markus Brunnemann, Geschäftsführer UFA Serial Drama
Sat.1 will im Herbst wieder mit einer Daily angreifen, hat Piloten bei Ihnen und Producers at Work bestellt. Zu hören war, dass diese vier Testballons in gänzlich andere Richtungen gehen: Klassische Telenovela, eine moderne Telenovela, eine mit Humor und eine mit starkem Crime-Anteil.
Ich freue mich, dass wir im Bereich Daily wieder für Sat.1 arbeiten dürfen. Von uns kommen drei Ideen, die wir Sat.1 gepitched haben, diese Ideen sind alle sehr unterschiedlich. Wir haben das Thema ‚Daily’ klassisch durchdefiniert. Dass Sat.1 von jeder unserer Idee jetzt einen Piloten produzieren und testen lässt, freut uns natürlich sehr. Bei uns arbeiten komplett eigenständige Teams an den Formaten – wir wollen, dass es auch innerhalb unserer Firma den größtmöglichen Wettbewerb gibt, um aus jeder Idee die bestmögliche Pilotfolge zu machen.

Worauf kommt es denn an, wenn knapp 25 Minuten ausschlaggebend sind? Die Hauptfigur? Das Setting und somit die Optik? Starke Geschichten?
Es muss alles sitzen. Die Zuschauer, die uns bewerten, haben richtig viel Ahnung, das sind im Bereich der Dailys Spezialisten, die genau wissen, was sie wollen. Eine grundsätzliche Frage ist ja immer, wo man solche Geschichten verortet. Sie brauchen immer Plätze, an denen man Figuren sinnvoll zusammenführen kann. Die ARD erzählt nachmittags in Hotels, jüngere Formate spielen in WGs, Bars sind ein beliebter Treffpunkt.

Welche Örtlichkeiten liegen im Zeitgeist momentan vorne?
Dass der Zeitgeist alleine eine Rolle spielt, um geeignete Orte zu finden, das glaube ich nicht. Aber natürlich gibt es klassische Begegnungsstätten, wie Hotels, Schulen, Büro-Situationen oder Krankenhäuser. Da finden wir ein breites Spektrum vor.

Spielt eine der Sat.1-Ideen im Krankenhaus?
Das verrate ich nicht.

Alle Frauen in unserer Serie stellen sich zu ihrer jeweiligen Lebenssituation für sie wichtige Fragen. Sie formulieren klare Ziele, Wünsche und Hoffnungen. Wir wollen mit «Freundinnen» allerdings auch ein sehr positives Lebensgefühl transportieren.
Markus Brunnemann, Geschäftsführer UFA Serial Drama
Dann sprechen wir mal über den RTL-Neustart «Freundinnen». Sie erzählen die Geschichten von vier Mädels knapp über 30, die absolut im Leben stehen und durchstarten wollen. Jetzt kommt meine Ferndiagnose, abgegeben nur anhand dieser wenigen Infos. Wo bleibt die Fallhöhe?
Auf lange Sicht braucht jede Geschichte eine Fallhöhe. Und die ist vorhanden. Alle Frauen in unserer Serie stellen sich zu ihrer jeweiligen Lebenssituation für sie wichtige Fragen. Sie formulieren klare Ziele, Wünsche und Hoffnungen. Wir wollen mit «Freundinnen» allerdings auch ein sehr positives Lebensgefühl transportieren. Es soll eine Serie werden, auf die man sich nach getaner Arbeit freut. Es soll vor allem auch um positive Emotionen gehen.

Für Sender ist eine neue Daily ein großes Risiko. Der Vorlauf einer solchen Produktion ist lang, was ja auch dazu führt, dass kleinere Sender wie etwa RTL II neue Dailys mit 15 Folgen testen. Da muss man dann fast schon Sorge vor einem Erfolg haben, weil dann der Nachschub fehlt. Für Sie als Produzent ist das eine gewaltige Aufgabe?
«Freundinnen» ist bei uns schon sehr lange in der Entstehung. Guido Reinhardt, verantwortlicher Produzent, arbeitet seit längerer Zeit an dem Projekt und wir haben bereits viel Know-How, aber natürlich auch Geld investiert. Mein Kollege Joachim Kosack und ich haben schon vor einem Jahr gesagt, dass wir auch auf die Sendeplätze schauen müssen, bei denen etwas weniger Budget zur Verfügung steht, als wir bisher gewohnt sind. Von daher brauchen wir clevere Lösungen.
Das Risiko eines Senders beim Start einer neuen Daily ist natürlich dennoch hoch. Als Produzent versuchen wir es so klein wie möglich zu halten. Doch ein Risiko lässt sich nie ausschließen. Deshalb testen Sender auch häufig die ersten Folgen einer neuen Serie.
Markus Brunnemann, Geschäftsführer UFA Serial Drama
Wir müssen zum Beispiel lange Vorläufe reduzieren. «Freundinnen» drehen wir außerdem komplett On Location. Wir erreichen somit mehr Authentizität und den Vorteil, kein Vorab-Invest durch aufwändigen Studiobau betreiben zu müssen. Das Risiko eines Senders beim Start einer neuen Daily ist natürlich dennoch hoch. Als Produzent versuchen wir es so klein wie möglich zu halten. Doch ein Risiko lässt sich nie ausschließen. Deshalb testen Sender auch häufig die ersten Folgen einer neuen Serie, bevor weitere Folgen beauftragt werden. Im Erfolgsfall gehen sie dann das Risiko ein, dass erst einmal ein paar Monte pausiert werden muss, bis die nächsten Folgen ausgestrahlt werden.

Das sind ja aber genau auch die Themen, denen sich Sat.1 jetzt gerade stellen muss.
Natürlich spricht man immer über alle Szenarien. Keiner will, dass ein neues Format ein Flop wird. Aber keiner kann das ausschließen. Tatsache ist: Eine gut funktionierende Daily ist für einen Sender das Rückgrat. Von daher ist es zwar ein Risiko, das Sat.1 hier eingeht, aber die Chancen für die Stabilität des Vorabends bei einer gut funktionierenden Daily sind auch entsprechend hoch.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Sieht Brunnemann schon eine Daily für einen Streaming-Dienst kommen? Und was sagt er zu seiner nächsten Premiere, einer neuen Crime-Serie für RTL, die teils improvisiert wurde?
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18.03.2018 13:00 Uhr Kurz-URL: qmde.de/99603
Manuel Weis

super
schade

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Es gibt 4 Kommentare zum Artikel
dirk.malinski
24.03.2018 12:50 Uhr 2
Nicht nur die Klickzahlen von "Verbotene Liebe" auf youtube sind ein positiver Trend. Auch die Fanreaktionen der abrupt abgesetzten Soap auf der facebook-Fanseite "Verbotene Liebe retten" https://m.facebook.com/profile.php?id=785793421452556&ref=content_filter sprechen auch drei Jahre (!) nach Absetzung eine eigene Sprache. Wozu also nach neuen Daily-Formaten suchen, wenn sich ein Format bereits beim Publikum etabliert hat? Bei der Produktion von "Verbotene Liebe" sind zum Schluss in punkto Storyline und mangelnder Erneuerung Fehler gemacht worden. Jedoch keine, die nicht wieder auszubügeln wären. Die Marke ist bekannt, der Wiedererkennungswert unverwechselbar hoch - und die Wahrscheinlichkeit für einen Flop gering. Zurück zu den Wurzeln - "Verbotene Liebe" rebooten und die riskanten Manöver für neue Formate sind Geschichte.
Familie Tschiep
24.03.2018 14:37 Uhr 3
Sie haben es mit "Verbotene Liebe" lange versucht, es hat nichts geklappt, sie lief auch länger als das australische Original. Wenn eine Serie Spannung bietet und was Neues ist, wird es sich auch durchsetzen, selbst wenn die Marke noch nicht bekannt ist.

Bei der Freundinnen-Soap habe ich meine Zweifel. Die Grundidee ist aus anderen Serien bekannt, es hat auch keinen Dreh, der etwas Neues daraus macht, der Verzicht auf Studio ist nichts Neues mehr, selbst der Titel ist nichts Neues mehr.
klaus.stutzer
03.04.2018 16:24 Uhr 4
Ein oder gar zwei neue Daily Formate zu etablieren beweist nicht nur Mut. Es ist auch ein klares Indiz dafür, dass es Ufa Serial Drama auch finanziell recht gut geht. Für Unverständnis sorgen dann aber die Kürzungen der Gagen für Darsteller, Kleindarsteller und auch Komparsen bei den laufenden Serien.

Das im Interview erwähnte Verantwortungsgefühl sollte sich auch auch auf Fairness für die eigenen Angestellten beziehen, denn sie bilden die Säulen für den langjährigen Erfolg der etablierten Serien. Da Herr Brunnenmann allerdings noch nicht all zu lange in der Verantwortung steht, muss man ihm diese Missstände fairer Weise auch nicht direkt vorwerfen. Aber wie hieß es ja auch immer bei "Alles was zählt": "Es ist nie zu spät!"
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