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«Der Denver-Clan»-Reboot: Zur falschen Zeit am falschen Ort

Die Neuauflage des 80er Jahre-Hits «Der Denver-Clan» startete diese Saison in den USA und ist seit Kurzem auch in Deutschland abrufbar. Kann die Serie den Glanz des Originals ins Jetzt transportieren?

«Der Denver-Clan»: Facts zum Original

  • Genre: Seifenoper
  • Schöpfer: Richard & Esther Shapiro
  • Darsteller: John Forsythe, Linda Evans, Joan Collins, John James, Gordon Thomson u.w.
  • Episodenzahl: 220 (9 Staffeln)
  • Erfolgreichste Staffel: 1984/1985, Staffel 5 (Rating: 25 Prozent)
  • Run (USA): 12. Januar 1981 bis 11. Mai 1989 (ABC)
Anfang der 80er Jahre. Wir schreiben das goldene Zeitalter der Primetime-Soaps, die die USA in alle Welt exportiert und damit die ersten globalen Serienhits schafft, die Jahrzehnte später wie selbstverständlich flächendeckend auf Streaming-Portalen erscheinen oder durch Syndikation ihren Weg ins Ausland finden werden. CBS machte es mit «Dallas» ab 1978 vor: 14 Staffeln lang läuft das Format um J.R. Ewing und Co. in 357 Episoden. In der Blütezeit sehen im Schnitt 21 Prozent aller Amerikaner zwischen 18 und 49 Jahren die Seifenoper, die erfolgreichste Ausgabe erreicht weltweit sogar 350 Millionen Zuschauer. Das Fernsehen hat eine neue heilige Kuh – und die muss gemolken werden. Also zieht ABC 1980 mit dem «Denver-Clan» nach, der Originaltitel: «Dynasty».

«Dynasty»: Reinkarnation einer Primetime-Sensation


Fernsehzuschauer, die den Aufstieg beider Formate mitverfolgt haben werden sich erinnern, dass bald fast ein Glaubenskampf zwischen Fans von «Dallas» und dem «Denver-Clan» ausbrach. Man hatte eine der beiden Serien zu schauen und gut zu finden, falls doch beide, dann nur hinter vorgehaltener Hand. Zwar hielt sich der «Denver-Clan» nicht so lange im US-Fernsehen, zeitweise kam die Produktion von Richard und Esther Shapiro dem Erfolg von Vorbild «Dallas» aber sehr nahe. So viel zur Vergangenheit.

Fast 30 Jahre nach dem Ende des Originalformats, als Crime-Procedurals und Sitcoms Primetime-Soaps als Quotenbringer schon längst abgelöst hatten, wurde die aus dem «Denver-Clan» bekannte Familie Carrington wiederbelebt. Die Entscheidung dazu stand auch stellvertretend für seine Zeit. Schon seit einigen Jahren scheut sich die hegemoniale US-Unterhaltungsindustrie vor zu gewagten neuen Ideen und baut lieber auf Themen, die in anderen Medien oder zu anderen Zeiten schonmal Erfolg brachten. Das Reboot eines der erfolgreichsten Formate aller Zeiten war daher fast folgerichtig. Für Stirnrunzeln sorgte jedoch der Ort der Neuauflage von «Der Denver-Clan». Das kleine US-Network The CW nahm sich einer zeitgemäßeren Version des 80er-Jahre-Hits ab Oktober 2017 an. Der Sender, der auf Dauer den abgeschlagenen fünften Rang unter den frei empfangbaren Programmen in den USA hinter CBS, NBC, ABC und FOX belegt, konzentriert sich seit jeher vor allem auf das junge Publikum. Das kriegt vor allem Serienadaptionen von Comics serviert, darunter «iZombie» oder «Riverdale», und vor allem Superhelden-Serien wie «The Flash» oder «Arrow». Mit «Jane the Virgin» testete The CW ab 2014 zwar schon Telenovela-Gewässer, so richtig „soapy“ wurde es dort aber noch nicht.

Trotz Hitvorlage muss «Der Denver-Clan» aus sich heraus überzeugen


Facts zum Reboot:

Schöpfer: Sallie Patrick, Josh Schwartz & Stephanie Savage
Darsteller: Elizabeth Gillies, Nathalie Kelley, James Mackay, Robert Christopher Riley u.w.
Episodenzahl: 14 (von 22 in Staffel 1)
Executive Producer: Robert & Esther Shapiro, Stephanie Savage, Josh Schwartz, Brad Silberling & Sallie Patrick
Handlungsort: Atlanta, Georgia
Produktionsfirma: CBS Television Studios
Weltpremiere: 11. Oktober 2017 (The CW)
Nun also «Der Denver-Clan», das zur TV-Saison 2017/2018 an den Start ging und seit Kurzem auch über Netflix in Deutschland abrufbar ist. Darin erwarten Zuschauer wieder Liebe, Herzschmerz und Intrigen – alles, wofür Soaps eben bekannt sind. Doch The CW macht es sich mit «Dynasty» schwer. Zwar kommen Adaptionen bekannter und im Falle des «Denver-Clan» sogar ikonischer Stoffe meist gewinnbringend daher, allerdings nur weil Fans der Vorlage - seien es Filme, Serien, Romane oder Comics - zumindest von Beginn an ein Interesse an der neuerlichen Umsetzung mitbringen werden und die Serien-Adaption daher aus dem Stand heraus ein Publikum erreicht.

Doch wer soll «Dynasty», das seine Blüte in den 80er Jahren hatte, heute noch schauen? Fans der Serie sind heute mindestens 45 Jahre alt und sehen lieber «Navy CIS» auf CBS als die auf Jugendliche und junge Erwachsene ausgerichteten Serien von The CW. Der neue «Denver-Clan» musste also fast alleine durch seine Qualität überzeugen. Was er nicht tat. Dabei machte The CW zuletzt mit «Riverdale» vor, wie eine zeitgemäße Soap für junge Menschen funktionieren kann. Während letzteres Format sich in der zweiten Staffel inhaltlich etwas verlief, kam «Der Denver-Clan» zum Start kaum vom Fleck weg.

Kaum eine Spur vom Glanz des Originals


Ein paar Darstellerleistungen nötigen zwar Respekt ab und der Glanz des Originals blitzt hier und da auf, gerade der essenziell wichtige Blake Carrington, gespielt von Grant Show, kommt in den ersten Episoden aber überhaupt nicht wie das diabolische Genie herüber, das er eigentlich sein soll. Dabei dreht sich die Serie um den Industriemagnaten in Atlanta, dessen Machenschaften allerlei Entwicklungen in Gang setzen. Elizabeth Gillies, die Blakes ambitionierte Tochter Fallon spielt, setzt ihre Rolle mit all ihren dramatischen Charakteristika und ihrer Zotigkeit perfekt um, anders als Blakes weinerlicher Schwarm Cristal, die für Schauspielerin Nathalie Kelley schlicht zu zweidimensional angelegt wurde. Bleibt im Wesentlichen Blakes Sohn Steven (James Mackay), der einige Lichtblicke bringt und die ersten Chancen nutzt, sich als einnehmender Gegenpart seines manipulativen Vaters aufzustellen.

Der neue «Denver-Clan» funktioniert am besten, wenn das Format und seine Charaktere so schnippisch und scharfzüngig agieren, wie es Primetime-Fans über die Jahre lieben gelernt haben. Sehr negativ fällt auf den ersten Blick dafür der Produktionswert des Reboots ins Gewicht. Auch weil Auftraggeber The CW sich keine teuren Sets leisten kann, sehen diese teilweise regelrecht schäbig aus. Für die Reinkarnation eines einstigen Welthits hätte man hier keine Kompromisse eingehen dürfen, gerade weil Primetime-Soaps nun einmal eher durch ihre Oberflächlichkeit und Schauwerte bestechen als durch tiefschürfende inhaltliche Entwicklungen. Das gleiche gilt für die Kostüme, die bei Weitem nicht an die schillernde Garderobe des 80er Jahre-Vorbilds heranreichen.

Sonderbar wirkt auch, wie ernst sich die The CW-Serie selbst nimmt. In einer Zeit, in der das Soap-Genre unzählige Male durchdekliniert und dekonstruiert wurde und daher für junge, anspruchsvolle Serienfans längst nicht mehr zeitgemäß wirkt, sollte eine Neuschöpfung zumindest ein hintergründiges Augenzwinkern als Kommentar auf die vordergründig oft hanebüchenen Entwicklungen zu Tage fördern. Die andere Möglichkeit wäre, zumindest mehr Realismus in die Serie zu bringen und damit gesellschaftliche Debatten unserer Zeit zu kommentieren. Auch davon ist wenig zu sehen. Der altbackenen inhaltlichen Herangehensweise fehlt es an bedeutenden Interaktionen, tiefen Charakteren und Entwicklungen, um ansatzweise relevant zu sein. Daher stellt «Der Denver-Clan» nicht mehr dar als ein für Soap-Fans hinreichend ansprechendes Format dar, das ohne die Qualitäten seines Originals auskommen muss und daher auch in keinster Weise Nostalgie erzeugt.

Hat «Dynasty» also eine Zukunft? Dass die Serie bei The CW nicht an die Werte des Originals heranreichen würde, war ohnehin klar. Auch für die Verhältnisse des kleinen Networks startete die Soap aber quotentechnisch sehr ausbaufähig. Der Vorteil liegt darin, dass Quoten The CW ohnehin nicht so wichtig sind und dass der Sender wesentlich mehr Geduld mit seinen Formaten aufbringt, solange die Produktionen beispielsweise im Netz für Gesprächsstoff sorgen. Gerade der internationale Deal mit Netflix bringt «Dynasty» erst einmal ein finanzielles Polster. Sollte der Streaming-Dienst jedoch bald merken, dass die Serie kaum nachgefragt wird, könnte jedoch noch immer ein jähes Ende folgen. Zumindest eine zweite Staffel ist daher sehr wahrscheinlich, in der die Seifenoper jedoch unbedingt an Fahrt aufnehmen muss.
13.03.2018 11:13 Uhr Kurz-URL: qmde.de/99575
Timo Nöthling

super
schade

44 %
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Es gibt 3 Kommentare zum Artikel
tommy.sträubchen
13.03.2018 11:21 Uhr 1
Ich bin immer noch sauer auf dieses CW.... Eine Frechheit was die aus Kult Soaps gemacht haben. Melrose Place haben sie ruiniert.. 90210 war schlecht...man streckte es nur denn eigentlich waren die Quoten ab Staffel 3 auch nur auf MP Niveau...und nu Dynastie.. Wenn dann bitte richtig oder garnicht. Eine Prime Time Soap darf nicht das Daily Soap Feeling haben und schon garnicht so aussehen.
5vor
13.03.2018 17:28 Uhr 2
Daily Soap Feeling aus den 90ern muss man dazu noch erwähnen. Denn sieht man von den Kulissen ab und betrachtet man Schauspiel und Storytelling ist das Billigtrash hoch 10! Jede aktuell laufende Soap in Deutschland hat mehr Niveau und Tiefgang. Super schade, denn das Format hätte potential gehabt.
Sentinel2003
14.03.2018 12:02 Uhr 3
Ich frage mich sowieso, wieso man aus diesem Reboot fast eine Verballhornerung des Originals gemacht hat! Schon bei den Trailern mußte ich fast Kotzen....ich habe den "Denver Clan" damals total gerne gesehen, daß damals war aber ein Drama und eben keine Verarschung im deftigen Comedy Stil!
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