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Aldi will unterhalten: Wie die Discounter medial wachsen

Früher beschränkten sich Aldi und Lidl auf Zeitungswerbung, heute erreicht man ein Millionenpublikum beispielsweise mit dem „Aldi Bistro“.

Während deutsche Discounter im Ausland stetig wachsen, ist das Feld in der Bundesrepublik Deutschland stark umkämpft. Große Strategien von Aldi und Lidl enden meist damit, dass sie kleine Marktanteile von den Supermärkten abgreifen – allerdings handelt es sich hierbei um Milliarden. Seitdem die Gründer Theo Albrecht und Hans Albrecht in den Jahren 2010 und 2014 verstarben, wandeln sich die zwei Unternehmen. Inzwischen stecken ALDI Süd und ALDI Nord deutlich mehr Energien in Marketing – und erneut folgt ihnen die gesamte Branche.

Seitdem die zwei ALDI-Unternehmen Fernseh- und Radiospots buchen, gehen auch die Anzeigen in den Tageszeitungen zurück. Der größte Coup der jüngeren Geschichte war das „Aldi Bistro“, das als Pop-Up-Restaurant durch Deutschland tourt. Bislang war es in Köln und München unterwegs und bot den Kunden eine Vorspeise, Hauptgang und Nachtisch aus Aldi-Produkten für 7,99 Euro. Zwar mag das Unternehmen damit nur einen kleinen Gewinn machen, aber die mediale Reichweite ist riesig. Die ProSieben-Sendung «Galileo» hat ausführlich darüber berichtet und auch die Clips im Netz sind ein Erfolg. Ein Clip von Bild zum Bistro zählte über sechs Millionen Zuschauer, ein weiterer «Galileo»-Clip verbuchte bislang 1,6 Millionen Aufrufe. Das Bistro war zur Eröffnung ein riesiger medialer Hit – die Kosten des Discounters waren gering.



Edeka erkannte schon früher, wie man sich gratis Aufmerksamkeit sichert. Der Clip „Supergeil“ von Friedrich Liechtenstein läutete vor drei Jahren die mediale Kampagne ein. Inzwischen kommt der YouTube-Clip auf 18 Millionen Zuschauer, dieser war auch in verkürzter Form mehrfach im Fernsehen zu sehen. Das Unternehmen Edeka war damit im Gespräch und führte diese Strategie fort: Der Weihnachtsspot von Edeka namens „#Heimkommen“ wurde in der Öffentlichkeit diskutiert. Ist es geschmacklos, dass in einem Werbespot ein Großvater seinen Tod vortäuscht, damit seine Familie an Weihnachten zusammen kommt? Bei YouTube zählt der Clip fast 60 Millionen Aufrufe, die ProSieben-Show «Circus HalliGalli» parodierte den Spot mit Udo Waltz und Co.





Inzwischen sind die Edeka-Weihnachtsspots keine Überraschung mehr, dennoch ist die Aufmerksamkeit und die damit verbundene kostenfreie Werbung gigantisch. Aldi-Rivale Lidl wollte etwas von diesem Kuchen abhaben und setzte im vergangenen Jahr auf eine Parodie von «La La Land». Mit nur eineinhalb Millionen Views erreichte man allerdings noch nicht die Aufmerksamkeit von Aldi und Edeka. Dennoch: Die Satire ist so gut, dass man sich vorstellen könnte, davon auch einen ganzen Film zu sehen.



Die Discounter wie Aldi probieren sich in den Medien immer weiter aus. Doch eigene Angebote wie die YouTube-Kanäle haben meist wenig Klicks. Dennoch ruhen sich die Unternehmen nicht aus und versuchen den nächsten Hit zu landen. Geld verdienen die Discounter damit zwar nicht, aber das müssen sie auch nicht. Ohnehin optimieren Branchenexperten sukzessiv die Märkte, sodass der Kunde künftig öfter als bisher und dabei mehr einkauft. Aldi Süd hat inzwischen drei Aktionstage und führte zuletzt auch ein „Endlich Wochenende!“-Angebot ein, dass es nur freitags und samstags gibt. Kostenfreie Bargeldabhebungen ersetzen den Weg zur Sparkasse, durch den Kauf neuer Kassen mit schnellster Wiege-Technik wurde auch das lose Obst eingeführt. In bereits umgebauten Filialen testet der Discounter unter anderem derzeit eine Alternative der Backautomaten.
11.02.2018 15:08 Uhr Kurz-URL: qmde.de/98934
Fabian Riedner

super
schade


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Tags

Circus HalliGalli Galileo La La Land


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