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Schatz, adaptier du sie!

Hits aus fremden Landen, für den heimischen Markt angepasst: Eine einst wiederholt verfolgte Idee, die langsam zur Rarität wird. Doch «Fack Ju Göhte» zieht offenbar immer.

Um zusätzlich zu unseren drei wöchentlichen Quotengeheimnissen ein weiteres zu verraten: Das ZDF fiel kürzlich in der späten Filmschiene brutal auf die Nase. Am Donnerstag, den 3. August, zeigte der öffentlich-rechtliche Sender ab 23 Uhr die französische Komödie «Mama gegen Papa – Wer hier verliert, gewinnt». Die rabenschwarze Produktion aus dem Jahr 2015, die einen erbitterten Scheidungskrieg darüber zeigt, wie sich zwei Eltern in immer wahnsinnigere Aktionen hineinsteigern, um nicht das Sorgerecht für ihre Kinder übernehmen zu müssen, erreichte bloß 0,67 Millionen Fernsehende. Dies reichte für miese 5,1 Prozent Marktanteil. 0,16 Millionen 14- bis 49-Jährige glichen zudem überschaubaren 3,0 Prozent.

Somit zieht die in Frankreich sehr erfolgreich gelaufene Filmidee ihre hiesige Pechsträhne weiter durch. Bereits im Kino blieb das Interesse an «Mama gegen Papa» äußerst gering, es wurden gerade einmal rund 70.000 Eintrittskarten gelöst. Ein deutsches Remake namens «Schatz, nimm du sie» mit Carolin Kebekus in der Hauptrolle wurde dieses Jahr ebenfalls vom Kinopublikum ignoriert, kratzte jedoch wenigstens an der 100.000-Kinobesucher-Marke.

«Fack Ju Göhte» zieht auch in Mexiko


Während gewollt fieser (Anti-)Familienhumor in Frankreich punktet und in Deutschland sowohl in der Originalversion als auch in der deutschen Bearbeitung scheitert, konnte «Fack Ju Göhte» seinen Erfolgszug über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus tragen. Die Schulkomödie von Bora Dagtekin gehört nicht nur zu den größten Exportschlagern, die das hiesige Mainstreamkino in den vergangenen Jahrzehnten gekannt hat – mit «No manches Frida» feierte zudem ein spanischsprachiges Remake großen Erfolg.

Der mit Omar Chaparro und Martha Higareda besetzte Film arbeitete sich in Mexiko zum zweiterfolgreichsten eigenheimischen Film des Jahres 2016 hoch. In einem Kinomarkt, der in jüngsten Jahren noch stärker von Hollywood dominiert wird als der deutsche sind die 5,1 Millionen Besucher, die gezählt wurden, ein sehr löbliches Ergebnis. Unter anderem überholte das Remake «The Revenant – Der Rückkehrer» und «Rogue One – A Star Wars Story». Ein italienisches «Fack Ju Göhte»-Remake ist ebenfalls in Arbeit.

Ein aussterbender Markt


Gemeinhin werden grenzüberschreitende Neuverfilmungen immer seltener: Wurden zeitweise recht viele Filme für lokale Märkte neu adaptiert, behalten sich aktuell vornehmlich die Amerikaner diesen Marktschritt vor. Eines der letzten deutschen Remakes vor «Schatz, nimm du sie» stammt aus dem Jahr 2003 und hört auf den Titel «Adam & Eva». Die tragikomische Romanze zwischen Simon Schwarz und Marie Bäumer basiert auf dem gleichnamigen dänischen Film von 2003 – beide Filme scheiterten in Deutschland daran, die 100.000-Ticket-Marke zu durchbrechen. Im Herbst sorgt Sat.1 mit dem Remake einer italienischen Schulkomödie wieder für Nachschub in Sachen Neuadaptionen speziell fürs hiesige Publikum.

Generell gilt dennoch: Mit international agierenden Streamingplattformen wie Netflix und Amazon Prime, die ihrem Kundenstamm Filme aus aller Welt anbieten, sinkt zunehmend die Hemmschwelle für jeden einzelnen, sich an fremdsprachige Filme heranzutrauen. Grenzen überschreitende Remakes werden somit noch unattraktiver – diese benötigen fortan mehr denn je eine Daseinsberechtigung in Form von künstlerischer oder kultureller Neuausrichtung.
07.08.2017 06:52 Uhr Kurz-URL: qmde.de/94937
Sidney Schering

super
schade


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