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Das soll Stephen Kings Magnum Opus sein?: «Der dunkle Turm»

Der Fantasyactioner «Der dunkle Turm» entführt uns in die Welt, die Star-Autor Stephen King einst in mehreren Romanen zu seiner wichtigsten Schöpfung erklärte.

Filmfacts: «Der dunkle Turm»

  • Kinostart: 10. August 2017
  • Genre: Fantasy/Action
  • FSK: 12
  • Laufzeit: 96 Min.
  • Kamera: Rasmus Videbæk
  • Musik: Junkie XL
  • Buch: Akiva Goldsman, Jeff Pinkner, Anders Thomas Jensen, Nikolaj Arcel
  • Regie: Nikolaj Arcel
  • Darsteller: Idris Elba, Matthew McConaughey, Tom Taylor, Katheryn Winnick, Jackie Earle Haley, Abbey Lee, Nicholas Hamilton, Dennis Haysbert
  • OT: The Dark Tower (USA 2017)
Für Stephen King ist sein «Der dunkle Turm»-Zyklus eigenen Angaben zufolge sein bislang wichtigstes Werk. Und wenn man einmal in der Historie der bisherigen King-Verfilmungen zurückblickt, dann müsste man meinen, eine Leinwandadaption hätte niemals entstehen können (respektive dürfen). Wir erinnern uns: Stanley Kubricks Horrorepos «Shining» ist unbestritten ein Meisterwerk des Schauerkinos – dem Autor der Vorlage erschloss sich diese Faszination jedoch nie, obwohl er sonst relativ aufgeschlossen gegenüber den Verfilmungen seiner eigenen Werke ist. Die Entstehung von «Der dunkle Turm» hat der streitbare Schriftsteller nun sogar mit beaufsichtigt und zeigte sich nach Fertigstellung angetan. Uns überrascht diese Euphorie und auch die internationalen Bewertungsplatformen sprechen eine gänzlich andere Sprache. Direkt nach den ersten Screenings in den USA schwappten die negativen Pressestimmen auch nach Deutschland herüber. Nicht ganz so radikal wie zuletzt bei «Emoji – Der Film» («Der dunkle Turm» bringt es aktuell immerhin auf einen Rotten-Tomatoes-Wert von 18 anstatt von Null (!) Prozent), doch den Ruf als Blockbuster-Enttäuschung des Sommers hat der Film längst weg. Dabei sind derart negative Stimmen zwar nachvollziehbar, aber auch äußerst tragisch, denn in «Der dunkle Turm» blitzt gerade zu Beginn und in einigen ausgewählten Szenen zwischendurch so viel Potenzial auf, dass man den Drang verspürt, zu erfahren, wie es weitergeht.

Oder aber, wie der Film geworden wäre, hätte man ihn in voller Länge in die Kinos gebracht. Denn spätestens seit bekannt wurde, dass «Der dunkle Turm» mit einer Länge von gerade einmal 96 Minuten in die Kinos kommt, wurde es zum offenen Geheimnis, dass hieran ordentlich herumgeschnitten wurde. Und genau das ist dann auch das größte Problem – erst recht, wenn man mit dem Romanstoff nicht vertraut ist.

Der Revolvermann gegen den Mann in Schwarz


Revolvermann Roland Deschain (Idris Elba) ist der letzte seiner Art und gefangen in einem ewigen Kampf mit Walter O’Dim, auch bekannt als der Mann in Schwarz (Matthew McConaughey). Roland ist fest entschlossen, ihn daran zu hindern, den Dunklen Turm zu Fall zu bringen, der das ganze Universum zusammenhält. Das Schicksal aller Welten steht auf dem Spiel, als das Gute und das Böse in einer ultimativen Schlacht aufeinanderprallen. Denn Roland ist der Einzige, der den Dunklen Turm vor dem Mann in Schwarz verteidigen kann.

«Der dunkle Turm» beginnt vielversprechend und ernüchternd zugleich: Da ist auf der einen Seite der Plot rund um den jungen Jake Chambers (Tom Taylor), der nach dem Tod seines Vaters von düsteren Visionen heimgesucht wird (was ein zurate gezogener Psychologe mit erschreckendem Desinteresse feststellt). Die Handschrift eines Stephen King ist unverkennbar: Da ist dieser kleine Junge, Außenseiter und Mobbingopfer in der Schule – erst recht nach dem Tod seines Vaters wäre er wie gemacht für den „Club der Verlierer“ aus Stephen Kings «Es», auf den es in «Der dunkle Turm» direkt mehrere Anspielungen gibt. Wie schon in besagtem Clown-Horror forciert King auch hier nur an der Oberfläche um Grusel, Grauen und Gänsehaut – es ist die Schicksalserzählung eines Heranwachsenden und wie auch in «Stand by Me» oder «Carrie» – um nur ein paar wenige Beispiele zu nennen – geht es auch in diesem Film darum, dass ein Kind sich selbst und seine Stärken entdeckt, um sich aus eigener Kraft aus dem Schlamassel zu ziehen. Doch dann ist da auch noch der Plot um den Revolvermann Ronald sowie dessen tödliche Fehde mit dem Mann in Schwarz (der im Roman übrigens gar kein einzelner Bösewicht ist, sondern die Reinkarnation sämtlicher von Stephen King erschaffener Bösewichte).

Beide bekriegen sich; während der eine die Welt in Schutt und Asche sehen will, versucht der andere, sie zu retten. Zumindest darstellerisch passt das auch: Idris Elba («Bastille Day») mimt den gutherzigen, vom Willen nach Frieden besessenen Kämpfer (der im Film leider nur sehr selten seine außergewöhnlichen Fähigkeiten am Schießeisen unter Beweis stellen kann – ein Großteil der Shootouts entspricht Hollywood-Standard). Und Matthew McConaughey («Gold») ist einmal mehr so sehr das kaltherzige Arschloch, wie er es schon in vielen anderen Filmen gezeigt hat. Doch bis auf das äußere Erscheinungsbild bringen beide Schauspieler nicht viel mehr mit, um ihre Rollen mit Leben zu füllen. Nicht zuletzt, weil man weder über den Einen, noch über den Anderen wirklich was erfährt.

Zu wirr für Neulinge und zu lieblos für Fans


Damit genau das geschieht und der Zuschauer überhaupt Interesse an den Charakteren aufbaut – zumindest in der Anfangsphase gelingt das bei dem immerhin halbwegs substanziell eingeführten Jake noch ganz gut – bräuchte es allerdings nicht bloß rudimentäre Informationen über den einen oder anderen Charakter. Vor allem bräuchte es eine Motivation, die beider Handeln erklärt, die wiederum zum Großteil aus der Handlung selbst resultieren könnte. Doch genau hier beginnen die großen Probleme, mit denen «Der dunkle Turm» zu kämpfen hat: Dramaturgisch schreitet der Film so inkohärent voran, als bekäme man hier das Pitching zu einer Serienstaffel zu sehen, indem man dem Zuschauer je eine halbe Stunde aus der ersten, fünften und finalen Folge zeigt. Ein grobes Gefühl für Story und Stimmung gibt es also, doch gehört man nicht zu denjenigen, die ohnehin mit der Buchvorlage vertraut sind, bleiben ganze Eckpfeiler der Geschichte unklar. Was es überhaupt mit dem titelgebenden Turm auf sich hat, der ein paar Mal spektakulär auf der Leinwand erscheinen darf und der laut dem Schwarzen Mann unbedingt zerstört werden muss, erfährt man als Zuschauer nicht.

Genauso sehr bleibt die Weltenbildung in «Der dunkle Turm» lückenhaft und oberflächlich und die in diesem Universum vorherrschenden Logikgrundsätze lassen zu keinem Zeitpunkt erkennen, was hier alles möglich ist und was eben nicht. Zuschauer, die außerdem nicht mit dem vielzitierten «Shining»-Roman (oder Film) in Berührung kamen, werden außerdem einen weiteren elementaren Handlungsaspekt nicht verstehen: Dass Jake Chambers aufgrund seines stark ausgeprägten Shinings (also dem Vermögen, sich in die Gedanken anderer hineinzuversetzen) so wichtig für die Zerstörung des Turms ist, wird zwar in der Theorie erläutert, doch was genau das Shining ist, weiß eben nur, wer ohnehin Vorkenntnisse hat.

Auch optisch kein großer Wurf


Wer diese hingegen besitzt, dürfte ebenfalls weitgehend ernüchtert den Kinosaal verlassen, denn das von Akiva Goldsman («Winter’s Tale»), Jeff Pinkner («Die 5. Welle»), Anders Thomas Jensen («The Salvation») und Regisseur Nikolaj Arcel («Erlösung») verfasste Skript dreht immer wieder eklatant an jenen Schrauben, die einst den Erfolg des Romans ausmachten. So verlaufen nicht bloß viele angerissene Erzählstränge im Nichts, während Figuren wahllos auftauchen und verschwinden, auch der kommunikative Austausch gerät so stockend, dass mitunter der Eindruck entsteht, bei wichtigen Dialogen nicht dabei gewesen zu sein, da plötzlich ein Wissen vorausgesetzt wird, das man als Zuschauer nicht besitzt. Blieben noch die technischen Aspekte, die aus einem inhaltlich missratenen Film immerhin noch ein annehmbares Style-over-Substance-Gewitter machen könnten, doch auch hier präsentiert sich «Der dunkle Turm» so unspektakulär, dass einen noch nicht mal die mittelklassigen Computereffekte überraschen.

Lediglich ausgewählte Slow-Motions, die den Revolvermann in Aktion zeigen, geraten durchaus mitreißend. Insgesamt dominiert in «Der dunkle Turm» allerdings ein tristes Grau-in-Grau, das nur zeitweise vom Allzweckwaffen-Setting New York durchbrochen wird. Nach welchem Muster (irgendwie können die beiden Hauptfiguren durch verschiedene Welten reisen, was allerdings ebenfalls keinerlei Logik folgt), dies geschieht, bleibt trotzdem unklar. Schade – denn eigentlich wüssten wir schon gern, weshalb wir gerade 96 Minuten im Kino verbracht haben. Ein gewisses Potenzial lässt der Film nämlich vereinzelt erkennen.

Fazit


Die Verfilmung von «Der dunkle Turm» lässt erahnen, weshalb das Buch so viele Fans hat. Doch für sich genommen ist der düstere Fantasy-Actioner eine zähe, emotionslose und vor allem total wirre Angelegenheit auf visuell unterdurchschnittlichen Niveau.

«Der dunkle Turm» ist ab dem 10. August in den deutschen Kinos zu sehen.
06.08.2017 12:45 Uhr Kurz-URL: qmde.de/94931
Antje Wessels

super
schade

17 %
83 %

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Es gibt 6 Kommentare zum Artikel
Sentinel2003
07.08.2017 10:37 Uhr 4
Ist mir irgendwie völlig zu hoch.....da produziert man einen Film mit den Hintergedanken, das der ein Flop wird und fasst aber trotzdem den Entschluss, daraus eine Serie zu machen....WER bitte soll das verstehen?
Waterboy
07.08.2017 10:49 Uhr 5
Wer bitte macht einen Film mit dem Hintergedanken das dieser ein Flop wird?

Was denn das für ein Unsinn?

Die Vorlage gibt viel her, ist Kings Lebenswerk und hat Millionen fans. Als man die Idee der Verfilmung nachging könnte niemand wissen das sich die ganze Produktion als Desaster während der Dreharbeiten entpuppt.
Columbo
07.08.2017 12:04 Uhr 6
Finde es auch schade, dass er scheinbar so misslungen ist. Ich stecke gerade mitten im 3. Buch... der Stoff würde so viel hergeben.
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