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Die Kritiker: «Polizeiruf 110: Muttertag»

Ein passabler «Polizeiruf 110»-Fall von der deutsch-polnischen Grenze mit mütterlichem roten Faden zum Muttertag.

Cast und Crew

  • Regie: Eoin Moore
  • Darsteller: Maria Simon, Lucas Gregorowicz, Robert Gonera, Klaudiusz Kaufmann, Fritz Roth, Ulrike Krumbiegel, Anton Spieker, Kathleen Gallego Zapata, Anjorka Strechel, Jörg Westphal, Tomek Nowicki, Katharina Bellena
  • Drehbuch: Eoin Moore, Anika Wangard
  • Kamera: Florian Foest
  • Schnitt: Dagmar Lichius
  • Musik: Warner Poland
  • Produktionsfirma: Real Film Berlin
Zum dritten Mal zeigt das Erste einen «Polizeiruf 110» über Olga Lenski (Maria Simon) und ihren Kollegen Adam Raczek (Lucas Gregorowicz). Dieses Mal ist der Krimi von der deutsch-polnischen Grenze bei Frankfurt an der Oder zum Anlass des Tages passend «Muttertag» betitelt und testet konsequenterweise die Belastbarkeit seiner weiblichen Hauptfigur, deren Pflichten als Mutter einer vierjährigen Tochterangerissen werden: Weil die Kommissarin mitten in der Nacht zu einem Einsatz gerufen wird, aber keinen Babysitter organisieren kann, nimmt sie ihre Alma kurzerhand mit. Adam hat dafür sichtbar wenig Verständnis – der mitten in einem Wald befindliche Tatort eines blutigen Mordfalls sollte kinderfreie Zone bleiben.

Das Mordopfer ist Janusz Kubiak, der eine Frau und zwei kleine Kinder hinterlassende Chef eines kleinen polnischen Tischlereiunternehmens. Kürzlich wurde er erpresst – womöglich wegen seines Liebesverhältnisses mit der Deutschen Sabrina Uhl. Kurz nach dem Mord an Janusz meldet Sabrinas Mutter Liane (Kathleen Gallego Zapata) ihre Tochter als vermisst. Zwar kann ihr Kumpel Enrico Schoppe (Anton Spieker) Sabrinas Auto orten, aber die Wagenbesitzerin bleibt verschollen. Die Ermittler wittern, dass Enrico mit seinem Engagement nur von sich ablenken will – ist er etwa in den Mord an Janusz involviert?

Waren sich Olga Lenski und Adam Raczek in den ersten beiden Fällen ihrer «Polizeiruf 110»-Reihe alles andere als grün, tauen sie in diesem Fall (dem schwierigen Start und wiederkehrendem Mutter-Tochter-Stress zum Trotz) allmählich auf. Maria Simon und Lucas Gregorowicz stellen diese schleichende Sympathiegewinnung füreinander solide dar – wenn sie einander genervt sind, werden die strengen Blicke nach und nach weniger streng, die Stimmfarbe wird in Gesprächen miteinander sukzessive sanfter. Durch den netteren Tonfall zwischen den Ermittlern hält auch etwas mehr Dialogwitz in diese Krimireihe Einzug, wobei das Autorenduo Eoin Moore und Anika Wangard diese Zutat nur dezent dosiert ins Skript streut.

Stärker betonen sie die Komplexität und Vielseitigkeit von Mutter-Kind-Beziehungen, beäugen sie bei Lenski ebenso wie Verdächtigen und deren Müttern. Vor expliziten Dialogen und Analysen schrecken die Autoren zurück, vermeiden so die Bedrohung, in eine Pathos- oder Kalenderspruchfalle zu tappen. Stattdessen ist das Mutter-Element nur ein roter Faden in einem eigentlich recht geradlinigen Kriminalfall mit soliden, unauffälligen Darbietungen, bei dem die Protagonisten schlicht sehr lange auf Irrwegen tappen. Auch inszenatorisch ist dieser Neunzigminüter sehr alltäglich – abgesehen von den Szenen im "krummen Wald", denen der nicht nur fürs Drehbuch, sondern auch die Regieführung verantwortliche Eoin Moore mit nebliger Ausleuchtung eine durchaus bedrückende Ästhetik verleiht.

«Polizeiruf 110: Muttertag» ist am 14. Mai 2017 ab 20.15 Uhr im Ersten zu sehen.
14.05.2017 09:35 Uhr Kurz-URL: qmde.de/93109
Sidney Schering

super
schade


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Tags

Muttertag Polizeiruf 110 Polizeiruf 110: Muttertag


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