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Die Kritiker: «Tatort - Sturm»

Ursprünglich für eine Ausstrahlung Ende 2016 vorgesehen, wurde die Dortmunder «Tatort»-Folge wegen der inhaltlichen Nähe zum Terroranschlag in Berlin verschoben. Unsere Vorab-Kritik zur Premiere am Ostermontag:

Cast & Crew

Vor der Kamera:
Jörg Hartmann als Peter Faber
Anna Schudt als Martina Bönisch
Stefan Konarske als Daniel Kossik
Aylin Tezel als Nora Dalay
Felix Vörtler als Muhammad Hövermann
Ercan Karacayli als Günsay

Hinter der Kamera:
Produktion: Unafilm GmbH
Drehbuch: Sönke Lars Neuwöhner und Martin Eigler
Regie: Richard Huber
Kamera: Robert Berghoff
Produzent: Titus Kreyenberg
Nachts in Dortmund: Zwei Polizisten werden in ihrem Dienstwagen kaltblütig niedergeschossen. Als ihr Kontakt zur Zentrale abbricht, schickt man von dort aus Verstärkung. Die rasch verständigten Kollegen sperren den Tatort großräumig ab, wonach die herbeigeeilten Kommissare Faber (Jörg Hartmann) und Bönisch (Anna Schudt) erste Hypothesen zum Tathergang aufstellen.

Schnell entdeckt Faber, wie in einem verlassenen Bankgebäude ein korpulenter Mann sitzt, der hastig an einem der Computer zugange ist. Gut möglich, dass der etwas mit den erschossenen Polizisten zu tun hat. Als Faber und Bönisch ihn festnehmen wollen, dreht er durch und zeigt ihnen die Sprengstoffweste, die er am Körper trägt. Bönisch ergreift die Flucht und informiert die Kollegen von der neuen Gefahrensituation, während Faber beim Bombengürtelträger bleibt, um einen Gesprächsfaden in Gang zu bringen.

Muhammad Hövermann (Felix Vörtler) heiße er, sei mit einer Syrerin verheiratet und zum Islam übergetreten. Doch die Konversation mit dem provokant-strategischen Faber bleibt für ihn eine Nebenbeschäftigung: Vordergründig hackt er weiter auf die Tastatur ein, um große Geldbeträge in den Nahen Osten zu schaffen. Wahrscheinlich in den Islamischen Staat, vermutet das Dortmunder Ermittlerquartett, nachdem Nora Dalay (Aylin Tezel) und Daniel Kossik (Stefan Konarske) am frühen Morgen hinzustoßen.

Dass Hövermann kein radikaler Konvertit ist, der aus einem verblendet ideologischen Motiv terroristischen Gruppen veruntreutes Geld zuschanzt, um sich anschließend in die Luft zu sprengen, werden Faber und die Kollegen bald merken. Es folgt die Jagd auf die Hintermänner.

„Sturm“ ist ein «Tatort», der zwischen allen Stühlen sitzt: Er könnte besonders psychologisch erzählen, indem er das Wechselspiel zwischen einem menschenkenntnisreichen Faber und einer brandgefährlichen Geisel in den Fokus rückt. Er könnte aber auch besonders soziologisch erzählen, indem er mit Feingefühl und Augenmaß den Konflikt zwischen radikalen Islamisten und der weit überwiegenden Mehrheit friedliebender Moslems durchdekliniert. Oder er könnte sich als Til-Schweiger-esker Action-«Tatort» inszenieren, mit allerhand Explosionen, Verfolgungsjagden, Schusswechseln und Ticking Clocks.

Blöd, dass „Sturm“ all das bedienen will. Damit ist Oberflächlichkeit vorprogrammiert. Faber, Bönisch, Dalay und Kossik üben sich in alberner Küchenpsychologie, während der Reluctant Fundamentalist Muhammad Hövermann didaktisch-gestelzte Dialoge über die Friedfertigkeit des Islams von sich absondern muss.

Damit setzt sich der Trend fort: Der Dortmunder «Tatort» hat sich von den inhaltlichen Glanzzeiten seiner ersten Folgen weit entfernt und ist in der Beliebigkeit angekommen, der man nur noch durch Peter Fabers zunehmend aufgesetztes aufbrausendes Gehabe entkommen will. „Sturm“ ist ein Film, der an seinen Möglichkeiten scheitert, weil er keine dramaturgischen Prioritäten setzt und seine Geschichten lieber diffus anerzählt, um alle irgendwie zu bedienen. Statt einer sinnigen, relevanten Begegnung mit dem Thema Terror in Deutschland ist dieser «Tatort» eine unangenehm vereinfachende, weitgehend belanglose Fernsehfilm-Melange aus Klischees und stereotypisierten Vorstellungen.

Das Erste zeigt «Tatort – Sturm» am Montag, den 17. April um 20.15 Uhr.
17.04.2017 07:40 Uhr Kurz-URL: qmde.de/92526
Julian Miller

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