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Filmcheck: Her mit der Schere! Filme ab 16 bei ProSieben

Gekürzte Filme zur besten Sendezeit: Rümpft das TV-Publikum die Nase oder schaltet es schulternzuckend ein?

Die medialen Jugendschutzbestimmungen in der Bundesrepublik Deutschland schreiben vor, dass im Free-TV Filme mit einer Freigabe ab 16 Jahren erst nach 22 Uhr gezeigt werden dürfen. Da jedoch nicht nur Nischenfilme, sondern auch kultige Geheimtipps, namhafte Kassenschlager und diverse Prestigeprojekte eine solche Jugendfreigabe aufweisen, stellt dies eine missliche Lage für die Fernsehsender dar: Lieber einen Hollywood-Blockbuster, der Teil eines kostspieligen Rechtepakets ist und der neben seiner FSK-Freigabe ab 16 Jahren zudem ein großes Publikumspotential aufweist, zu später Stunde versenden? Oder ihn für eine Freigabe ab 12 Jahren zurechtstutzen und sich auf ahnungslose oder gleichgültige Zuschauer verlassen?

In den vergangenen 24 Monaten entschieden sich die Programmplaner von ProSieben zwölf Mal dafür, den sogenannten Mega-Blockbuster-Programmplatz um 20.15 Uhr am Sonntagabend mit einem gezähmten 16er-Film zu bestücken. In der finalen Ausgabe unserer Filmcheck-Rubrik blicken wir auf diese Ausstrahlungen, um eine Tendenz abzulesen: Machen sich Auswertungen von FSK-ab-16-Filmen für den Münchener Privatsender überhaupt bezahlt? Oder zeigen TV-Nutzer den zurechtgestutzten Produktionen die kalte Schulter?

Am 26. Juli 2015 etwa holte «Tropic Thunder» 1,48 Millionen Gesamtzuschauer und 1,11 Millionen Umworbene zu ProSieben. Dies mündete in passable 5,2 Prozent bei allen und solide 11,2 Prozent bei den Jüngeren – für den am Sonntagabend erfolgsverwöhnten Kanal eher ernüchternd. Jedoch handelte es sich hierbei auch um die bereits dritte 20.15-Uhr-Auswertung der Kriegs- und Medienkomödie bei ProSieben, die bei ihrer Free-TV-Premiere noch voll einschlug.

Am 9. August 2015 kam der Thriller «Wer ist Hanna?» besser an: 2,18 Millionen Fernsehende schalteten ein, davon waren 1,39 Millionen im Alter von 14 bis 49 Jahren. Somit bescherte die Regiearbeit des «Anna Karenina»-Regisseurs Joe Wright ProSieben tolle 8,0 Prozent insgesamt und sehr gute 14,6 Prozent der Werberelevanten. «Hänsel und Gretel: Hexenjäger» lief am 27. September 2015 unterdessen mit sehr guten 7,3 und guten 12,8 Prozent ebenfalls ansehnlich. Die Reichweite belief sich auf 2,46 beziehungsweise 1,60 Millionen. Am 13. März 2016 kam eine erneute Ausstrahlung des Action-Comedyhorrors indes auf maue 4,8 und 8,9 Prozent.

Der Sci-Fi-Film «Looper» unterdessen ging am 10. Januar 2016 unter: 1,60 Millionen Fernsehende, darunter 1,03 Millionen Werberelevante, führten zu gerade einmal 4,5 und 7,8 Prozent. Zwei Wochen später schnitt David Finchers «Verblendung» mit Rooney Mara und Daniel Craig derweil etwas besser ab. Mit 6,8 beziehungsweise 10,3 Prozent Marktanteil bei 2,20 respektive 1,29 Millionen Zuschauern lief der Thriller allerdings auch nur bestenfalls akzeptabel. Am 6. März 2016 kam auch Ridley Scotts «Prometheus – Dunkle Zeichen» als gekürzter Film nicht gut an: 1,77 Millionen Sci-Fi-Fans, darunter 1,23 Millionen Umworbene, bedeuteten 5,1 und 9,3 Prozent.

Daraufhin pausierte ProSieben – von einer prominenten Ausnahme abgesehen – erstmal die Ausstrahlung von Filmen mit einer 16er-Freigabe auf dem Mega-Blockbuster-Slot. Am 8. Januar 2017 zeigten die Münchener dann aber «Kingsman: The Secret Service». Die räudige Actionkomödie, die Agentenfilme persifliert und zugleich glorifiziert, wurde um einige ihrer berühmtesten Szenen erleichtert, was aber 4,19 Millionen Neugierige nicht vom Einschalten abhielt. Dies führte zu beeindruckenden 11,7 Prozent Marktanteil bei allen. 2,56 Millionen Werberelevante entsprachen zudem zu sehr stattlichen 19,7 Prozent in der Zielgruppe.

Auch David Finchers Bestselleradaption «Gone Girl» lief überdurchschnittlich gut: Am 26. Februar 2017 entschieden sich 1,49 Millionen Jüngere, also 13,4 Prozent der umworbenen TV-Nutzer, dazu, die geschnittene Fassung zu schauen. Insgesamt wurden 2,37 Millionen und 7,5 Prozent eingefahren. Besonders stark lief aber «Django Unchained» in der ProSieben-Primetime: Der Kinohit wurde von den Münchenern in den vergangenen 24 Monaten drei Mal am Sonntagabend um 20.15 Uhr eingeplant und schnitt mit 14,3, 11,8 und 12,5 Prozent Marktanteil bei den Umworbenen stets positiv ab. Mit 8,5, 6,3 und 7,6 Prozent insgesamt fielen die Werte insgesamt etwas unsteter aus – dennoch ist der Quentin-Tarantino-Hit ein eindrucksvoller Beweis, dass sich viele TV-Nutzer nicht um Selbstzensur der Sender scheren.

Fazit: Es lassen sich nicht alle FSK-ab-16-Filme von guten Quoten begleitet dem TV-Publikum vorsetzen – dunkle Thriller und härtere Sci-Fi fand bei ProSieben in geschnittener Form wenig Gegenliebe. Doch davon abgesehen ist eine gekürzte Fassung auf dem populären ProSieben-Filmslot kein Hindernis auf dem Weg zum Quotenglück.
16.04.2017 15:08 Uhr Kurz-URL: qmde.de/92387
Sidney Schering

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