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Popcorn und Rollenwechsel: Drei Gründe, kein Filmkritiker zu werden

"Oh, du wirst dafür bezahlt, Filme zu gucken? Was für ein Traumjob! Daran kann es doch gar keine Schattenseiten geben!" Ähm. Nope. Der Job ist nicht ganz so rundum perfekt, wie du denkst!

Für Kritiker ist der Kinosaal Alltag – und somit noch weniger Heiligtum als für viele zahlende Besucher …


Der Kinosaal ist für mich ein besonderer Ort. Einer, in den Menschen pilgern, um sich durch auf die Leinwand projizierte Bilder in eine andere Welt, in eine Geschichte, ein Schicksal oder eine Gemütsverfassung versetzen zu lassen. Es gibt natürlich Ausnahmen, doch gemeinhin bedeutet das für mich: Wenn der Film läuft, hat das Publikum die Klappe zu halten. In regulären Vorführungen läuft das leider gelegentlich anders ab. Aber Kritiker, also Leute, die das Medium Film lieben müssten, die werden sich doch im Kinosaal wohl zu benehmen wissen, oder?

Leider falsch gedacht. Natürlich gibt es Kritiker, die den Kinosaal als Ort der cineastischen Magie zu ehren wissen. Aber, heiliges Kanonenrohr, gibt es viele Kritiker, die sich daneben benehmen! Und auch noch grantig werden, wenn man versucht, sie zu ermahnen. Während des Films lauthals in den Saal gestelltes Gemecker. Entnervtes Gestöhne. Geknister mit Bäckertüten, Geklapper mit Kaffeetassen. Über zwei Reihen hinweg geführte Kollegengespräche. Bei mir ist es mittlerweile so weit, dass ich Wochenendvorstellungen in Multiplexen zuweilen als Entspannungsgegenprogramm zum PV-Alltag an gewissen Standorten betrachte.

Es ist eine Berufung, der man sich nicht verwehren kann. Kein Beruf, den man wählen sollte.


Journalismus ist eine Profession, über die ungeheuerlich oft gemeckert wird. Oft ungerechtfertigt, etwa wenn der pöbelnde Mob mal wieder von der linksgrünversifften Merkel-Propagandamaschine labert. Doch nicht selten ist die Kritik auch berechtigt. Da Journalismus jedoch nicht gut bezahlt wird, ist es fast schon eine selbsterfüllende Prophezeiung. Und wisst ihr, was schlechter bezahlt wird als durchschnittlicher Politik-, Wirtschafts-, Sport- oder Enthüllungsjournalismus? Sämtlicher Medienjournalismus. Denn den braucht angeblich kein Mensch (egal, wie viele Leute ihn offenbar mit strengem Blick verfolgen und sofort wütend sind, wenn der vermeintlich falsche Film gelobt oder kritisiert wird).

Wer beruflich Kinokritiken schreibt, entscheidet sich gegen jegliche Vernunft dafür. Weil etwas aus der Tiefe der eigenen Seele danach drängt, diese Profession zu verfolgen. Urlaub? Vorzugsweise auf Balkonien! Oder in Sofastan! Und die Hausbaupläne sollten besser auf die lange Bank geschoben werden. Sofern keine wirtschaftlich besserstehende Person bereit ist, einen Lebensbund einzugehen. Oder die Glücksfee einen Sechser im Lotto herbeizaubert.

Alle hassen Kritiker. Wenn es ihnen gerade passt.


Wer bei seiner Berufswahl Wert auf die soziale Achtung legt, sollte sich das dreifach überlegen, ins Kritikermetier einzusteigen. Werdet lieber Bäcker. Niemand hasst Bäcker – es sei denn, es hat sich eine harschere Anti-Kohlenhydrate-Lobby gebildet, als ich gerade mutmaßen würde. Aber Kritiker? Regisseure haben Angst vor ihnen. Verleiher mögen sie nur, wenn sie Sätze fabrizieren, die sich im Filmmarketing gut machen. Und die Leserschaft zerreißt sich liebend gern das Maul über das, was sie so schreiben oder sagen. Oh, und andere Menschen, deren Arbeit irgendwie ins Journalismus-Spektrum fällt? Die blicken auf Kritiker herab, weil sie ja doch nur Filme und Serien bewerten, statt „denen da oben als vierte Macht ordentlich ans Bein zu pissen!“

Kurzum: Filmkritiker ist eine Berufswahl, die ich niemandem empfehlen würde. Jedem würde ich sagen, sich nach anderen Feldern umzuschauen. Und jene, die dennoch danach streben. Genau die gehören in diese Profession hinein. Die, die es wollen. Es lieben. Film atmen und leben. Und daher im Saal nicht Kaffeekränzchen und Stammtischtreffen abhalten.
13.03.2017 13:02 Uhr Kurz-URL: qmde.de/91775
Sidney Schering

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schade

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