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«Mila»: Reicht ‘nett’ für den Vorabend aus?

Mit der “Daily Romantic Comedy” bestreitet Sat.1 neue Wege. Könnte der Serie aber die über weite Strecken fehlende Ernsthaftigkeit zum Verhängnis werden? Außerdem: Unser erster Eindruck vom neuen Magazin «Unser Tag».

Unser erster Eindruck von «Unser Tag»

Am Montag startete um 19.30 Uhr auch das von nun an täglich um 19.30 Uhr live aus Köln kommende Magazin «Unser Tag», eine Produktion von ProSiebenSat.1-Firma Red Seven und der Magazin-erfahrenen Firma Me Works (produziert viel für RTL).
Die Moderatorin Mara Bergmann machte einen sympathischen Eindruck, war aber wohl angewiesen, schnell auf den Punkt zu kommen und keinesfalls einen Störfaktor darzustellen. Sonderlich herausfordernd dürfte ihr Job also nicht sein.
Die Themen: Susan Sideropoulos im Privat-Interview zum Einstieg, eine kurze und emotionale Flüchtlingsgeschichte (man ist also durchaus um Aktualität bemüht) und dann als größere Story: Lassen Kinder einen Fremden einfach in die Wohnung? Außerdem: «Fack ju Göhte», Promi-News und Umkleidekabinen und ihre Tücken beim Shoppen.
Das Studio: Produziert wird die 25 Minute lange Sendung in einem echten Set, das gemütlich, aber nicht zu kuschelig ist. Die im Studio hängenden Lampen hat man sich offenbar von Sky-Talk «Sky 90» abgeschaut.
Fazit: «Unser Tag» ist unaufdringlich, besticht durch viele und relativ kurze Beiträge und passt sich somit den aktuellen Zapping-Gewohnheiten der Zuschauer an. Bleibt aber die Frage, ob das Publikum um 19.30 Uhr - also weit nach «taff», «Brisant», «Explosiv» und Co. noch ein Magazin haben will.
Sat.1 hat also eine Neue. Vorabend-Soap. Die soll nicht Soap heißen und auch nicht nur "Daily", sondern "Daily Romantic Comedy" und ist sozusagen das, was der Sender aus zahlreichen Versuchen ein solches Format nach und neben «Verliebt in Berlin» und «Anna und die Liebe» zu etablieren, gelernt hat. Genau das macht die Serie für Beobachter der Szene eigentlich so spannend. Hinter den Kulissen arbeitet UFA Serial Drama an dem Format, das ähnlich wie Sat.1, auf ihrem Fachgebiet zuletzt ebenfalls einige Rückschläge einstecken musste, lässt man die langlaufenden Soaps bei RTL mal außen vor. «Verbotene Liebe» konnte man trotz größter Mühen nicht retten, neue Serien - etwa eine Telenovela namens «Wege im Glück - Spuren im Sand» oder «Eine wie Keine» in Sat.1 - sprachen nicht genügend Leute an.

Stattdessen wurde die UFA mehr und mehr von filmpool überholt, das kostengünstig Laiendarsteller zu Soap-Helden macht und nicht im Studio, sondern in echten Wohnungen und anderen Schauplätzen dreht. All diese Erfahrungen, die Sender und Produzent also in den zurückliegenden Jahren haben sammeln können, schlagen sich in einer komplett neuen Serie natürlich viel mehr nieder als in schon laufenden Formaten, die ja immer nur Stück für Stück und äußerst behutsam nachjustiert werden.

So ist es fast schon logisch, dass «Mila» nicht im Studio hergestellt wird, sondern ebenfalls On-Location. Die Produktionsfirma hat für die neue Serie ein ehemaliges Ballhaus umgebaut. Hier liegt aber ein kleiner Unterschied. Die Wohnungen und Zimmer sind schon extra für die Serie hergerichtet - die Darsteller haben also kürzere Wege als beispielsweise bei «Berlin - Tag & Nacht», wo die realen Sets eben immer ein Stück weit auseinander liegen. Optisch hat die Sat.1-Serie demnach auch nichts mit «BTN» oder «Köln» zu tun, sondern ähnelt in der Tat eher in der Primetime gezeigten Romantic Comedys, für die Sender Sat.1 schließlich auch bekannt ist. Die Sets und Schauplätze sind knallig und bunt eingerichtet - Milas Wohnwelt in grün, die Redaktion in Rot, das elterliche Anwesen in dunklen, aber nicht zu finsteren Tönen.

«Mila» beginnt gleich mal ungewöhnlich, nämlich mit einem direkt in die Kamera geführten Gespräch zwischen Mila und ihrer besten Freundin. Mila, gespielt von Ex-«GZSZ»-Sternchen Susan Sideropoulos, berichtet von ihren ungewöhnlichen vergangenen 24 Stunden, die die Ausgangssituation für die komplette Serie gelegt haben. Deutlich wird, wie sehr der Fokus wirklich auf der Hauptfigur liegt - zumindest zu Beginn. Mila wird als normales Mädel Anfang 30 beschrieben, ein bisserl chaotisch, vielleicht zu tollpatschig, aber unter dem Strich auf jeden Fall liebenswert. Nur mit den Männern klappt es halt nicht - was Mila selbst auch gar nicht so schlimm findet. Auf dem Weg zu ihrer Familie rauscht sie dann noch fast mit einem schönen jungen Mann zusammen - es bahnt sich der eigentlich perfekte Magic Moment an ("der Moment, in dem alles die Balance verlor"), den die Produzenten aber bewusst damit zerstören, dass Mila nach kurzer Einblendung eines hübschen Regenbogens rund um den jungen Kerl namens Alex ihren ausgestreckten Mittelfinger in die Höhe reckt.

Den Magic Moment nicht zu über-romantisieren, haben schon andere tägliche Serien versucht (teilweise wurde er gar komplett weggelassen); bisher wurde das aber in jedem der Fälle später bereut. Dafür gibt es gegen Ende der Folge noch eine Art zweite Chance für Mila und Alex. Er trägt ihr nämlich - ganz nach dem «Cinderella»-Vorbild - ihren verlorenen Schuh nach, Regenbogen-Einblendung erneut inklusive. «Mila» aber ist, das wird nicht nur in diesen Momenten deutlich, gewollt anders als alle Dailys, egal ob Soap oder Telenovela. Die Macher erzählen zwar die durchgehende Geschichte, dass sie - nachdem sie ein Gespräch zwischen ihrer Mutter und der frisch verlobten Spießerschwester gehört hat - binnen 287 Tagen ihren "Mr. Right" finden möchte, arbeiten aber mit vielen kleinen Storys, die in jeder der rund 23 Minuten langen Episoden auch abgeschlossen werden. So könnten Fans selbst dann dem Geschehen folgen und ihren Spaß haben, wenn sie pro Woche nur zwei Mal reinschauen.

Die wichtigsten Hauptfiguren und ihre Soap-Vergangenheit

  • Susan Sideropoulos spielt Mila. Ex-Soap: «Gute Zeiten, schlechte Zeiten» als Verena Koch
  • Simone Hanselmann ist Milas Chefin beim #HeartMagazine. Ex-Soap: «Gute Zeiten, schlechte Zeiten» als Anna Meisner
  • Oliver Bender ist Milas Schwager in spe. Ex-Soap: «Gute Zeiten, schlechte Zeiten» als Tim Böcking
  • Florian Odendahl ist Milas Kollege Nick. Ex-Soap: «Lotta in love» bei ProSieben (als Gastrolle)
  • Laura Osswald ist Milas beste Freundin. Ex-Soap: «Verliebt in Berlin»
  • Dennis Schigioll ist Milas IT-Kollege. Ex-Soap: «Hand aufs Herz»
  • Jenny Bach ist Milas Schwester. Ex-Soap: «Alles was zählt»
  • Claudia Lietz ist Milas Mutter. Hatte zuvor Gastrollen in verschiedenen Soaps
Auch das ist ein recht mutiger Ansatz, der in Zeiten, in denen sich das Publikum eigentlich recht gern auf durchgehende Storys einlässt, irgendwie nicht ganz einleuchtend ist. In Sachen Besetzung gilt hingegen ein Schema, das man von Dailys der Sender Sat.1 (oder auch ZDF) bereits kennt. Es wird auf Personal zurückgegriffen, das durch Engagements bei - bevorzugt - «GZSZ» Schlagzeilen gemacht hat. Hier lässt sich PR-technisch leichter ansetzen. Schon vor Wochen waren in diversen bunten Blättern Geschichten zu finden, die sich mit den Soap-Sternchen und ihrem nun neuen Job für Sat.1 beschäftigten.

Auf Dauer muss die Serie aber selbst für gute Quoten sorgen; und da dürfen Zweifel doch angebracht sein. Um sich von den Eskalations-Geschichten einer Berliner Chaos-Truppe bei RTL II abzusetzen, herrscht bei «Mila» Heiterkeit, Harmonie, mitunter auch jede Menge Kitsch und (zumindest in der Debüt-Folge) zu viele Albernheiten. Das mag einen Primetime-Film tragen, für eine tägliche Soap hat es bislang aber auch immer eine Prise Spannung und Ernsthaftigkeit gebraucht. Sonst könnte es nämlich recht schwer werden, die mitunter doch stark überzeichneten Figuren wirklich lieb zu gewinnen und das, was die Macher erzählen, auch selbst für voll und zumindest halbwegs real zu nehmen. Besonders Ersteres ist nötig, schließlich senden sie alle in Konkurrenz zu anderen täglichen Formaten, die ihre Zuschauer seit Jahren Werktag für Werktag finden.

Allzu große Intrigen sind in «Mila» derweil nicht gewollt - Heiterkeit soll das Böse ganz klar überstrahlen -, auch wenn Simone Hanselmann, bekannt geworden einst ebenfalls in «GZSZ», als strenge Chefin durchaus als Art Gegenspielerin zur verträumten Mila positioniert ist. «Mila» ist - ohne Frage - nett, aber nett reicht oftmals halt nicht. Das gewisse Etwas ließ sich noch nicht feststellen und so dürfte die Gefahr, dass man sich gegen zwei etablierte Soaps um 19.00 Uhr nicht durchsetzt, relativ groß sein. Möglich ist aber auch das Gegenteil, denn wer hätte vor zehn Jahren schon gedacht, dass die Romanze mit der auf dick getrimmten Alex Neldel derart an die Decke geht?
07.09.2015 20:18 Uhr Kurz-URL: qmde.de/80623
Manuel Weis

super
schade

59 %
41 %

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