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«The Amazing Spider-Man 2»: Tatsächlich "amazing" oder doch nur Reboot-Spinnerei?

Mit «The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro» geht Sonys umstrittener Reboot des «Spider-Man»-Franchises nun bereits in die zweite Runde. Können Regisseur Marc Webb und Hauptdarsteller Andrew Garfield damit auch die letzten Zweifler an ihrer Neu-Interpretation bekehren?

Das «Avengers»-Erfolgsrezept

Da die Filmrechte von «Spider-Man» nicht bei Figurenschöpfer Marvel selbst, sondern bei Sony liegen, wird Spidey trotz entsprechender Comic-Vorlagen auf absehbare Zeit nicht bei den Leinwand-Avengers um Iron Man, Captain America und Co. mitmischen. Daher plant Sony nun, sein Universum auf eigene Faust mit aufeinander bezogenen Filmen auszubauen. Neben zwei weiteren bestätigten Fortsetzungen zu «The Amazing Spider-Man» sollen so auch Kult-Widersacher «Venom» und die Bösewicht-Gruppe «The Sinister Six» demnächst eigene Spin-Offs bekommen.
Vor gerade einmal zwei Jahren hat sich Regisseur Mark Webb («(500) Days of Summer»), nur wenige Jahre nach dem dritten Teil von Sam Raimis (zu zwei Dritteln) großartiger «Spider-Man»-Trilogie, einem Neustart der Reihe im Kino angenommen. Auch wenn dem Unterfangen im Vorfeld durchaus mit berechtigter Skepsis begegnet wurde, brauchte sich das Endergebnis nicht allzu weit hinter Raimis «Spider-Man»-Auftakt zu verstecken. Nun steht bereits der zweite Teil von «The Amazing Spider-Man» mit dem vielsagenden Untertitel «Rise of Electro» in den Startlöchern. Trotz des raschen Nachschlags ist der Comic-Blockbuster alles andere als ein liebloser Schnellschuss geworden. Mit furiosen Action-Sequenzen, einer Menge Humor und viel Herz knüpft Webb nahtlos an den Vorgänger an und liefert abermals vorzügliches und emotionales Popcorn-Kino mit grandiosen Hör- und Schauwerten.

Peter Parker alias Spider-Man (Andrew Garfield, «The Social Network») hat alle Hände voll zu tun. So muss er nicht nur den Kampf gegen das niemals ruhende Verbrechen in New York und seinen bevorstehenden High-School-Abschluss unter einen Hut bringen, sondern möchte dabei auch seine Freundin Gwen Stacy (Emma Stone, «Crazy, Stupid, Love.») nicht zu kurz kommen lassen. Allerdings plagen ihn mehr und mehr Zweifel an der Richtigkeit der Liebesbeziehung, hat er Gwens sterbendem Vater (Denis Leary, «Rescue Me») einst doch versprochen, Gwen durch sein Helden-Dasein als Spider-Man nicht in Gefahr zu bringen.

Jenes Versprechen gewinnt unverhofft an Relevanz als mit Max Dillon (Jamie Foxx, «Django Unchained»), der nach einem Unfall beim OsCorp-Konzern zum Blitze verschießendem Electro wird, ein neuer mächtiger Gegenspieler auftaucht. Der einsame Max, der sich in erster Linie nach Aufmerksamkeit sehnt, fühlt sich von Spider-Man im Stich gelassen und sagt dem Wandkrabbler als Electro schließlich den Kampf an. Inmitten dieses Trubels kehrt auch noch Peters Kindheitsfreund Harry Osborn (Dane DeHaan, «Chronicle») in die Stadt zurück, wo er als Erbe von OsCorp bald seine ganz eigenen Ziele verfolgt.

«The Amazing Spider-Man 2» macht vieles ähnlich wie Teil Eins und legt somit auch erneut großen Wert auf Peter Parkers persönliche Konflikte, allen voran seine komplizierte Beziehung zu seiner großen Liebe Gwen Stacy, mit der er sich auch diesmal wieder einige unterhaltsame Wortgefechte liefert. Hin und wieder schrammen die Dialoge dabei zwar an der Grenze zum Kitsch entlang, doch machen nicht zuletzt die perfekt harmonierenden Hauptdarsteller Andrew Garfield und Emma Stone auch derartige Passagen erträglich. Dass ihre Beziehung als emotionaler Kern des Films dabei weiterhin wunderbar funktioniert ist die essentielle Voraussetzung für den bleibenden Eindruck der folgenschweren Geschehnisse im Laufe der Handlung.

In seinen Auftritten als Spider-Man darf Garfield noch stärker als zuvor seinem Comic-Vorbild alle Ehre machen und den vorlauten Superhelden geben. Die arrogante Art der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft und die Hipster-Attitüde seines Alter Egos erschweren dabei anfangs ein wenig die gänzliche Etablierung der Figur als Sympathieträger, doch wenn es drauf ankommt, kriegt Peter Parker schließlich immer noch die Kurve. So zum Beispiel bei seinen Nachforschungen zum mysteriösen Tod seiner Eltern, die abseits bereits bekannter Versatzstücke einen wesentlichen Teil zur eigenen Identität des neuen «Spider-Man»-Franchises beitragen. Der Handlungsstrang birgt aufgrund seines Neuheitswertes und des ungemein packenden Einstiegs einiges an Spannung, die sich bei seiner vorläufigen, etwas unspektakulären Auflösung dann jedoch nicht bis zum Ende rundum befriedigend entspinnt.

Bei all dem persönlichen Ballast, den Peter Parker mit sich herumtragen muss, kommen aber auch die Action-Sequenzen keineswegs zu kurz. Die entsprechenden Szenen fallen für einen Comic-Blockbuster dieser Größenordnung gewohnt pompös aus, sind allerdings jeweils von überschaubarer Dauer und somit erfreulich kurzweilig. Als absolut grandios stechen dabei noch einmal die Auseinandersetzungen zwischen Spider-Man und Electro hervor. Während der am ehesten als eine Mischung aus Dr. Manhattan aus «Watchmen» und Cole MacGrath aus den «inFamous»-Videospielen daherkommende Bösewicht ohnehin von seinem beeindruckenden Design profitiert, sucht die Wucht seiner Wutausbrüche ihresgleichen. Besonders bezeichnend ist hierbei das ungewöhnliche Spiel mit Soundeffekten und der von Hans Zimmer und Pharrell Williams kreierten Filmmusik, die auf eigenwillige Art und Weise in das Handlungsgeschehen hineinragen, um sich als gemeinsame Komposition letztlich dermaßen kraftvoll zu entladen, dass nicht nur die Leinwand unter Strom gesetzt wird, sondern die Kinosessel gleich mit.

Dass der Electro zu Grunde liegende Charakter Max Dillon (ähnlich wie auch einige erstaunlich alberne Nebenfiguren) mit seinen überzeichneten Zügen bisweilen schon an der Schwelle zur Karikatur steht, tut der Nachvollziehbarkeit seines tragischen Daseins keinen Abbruch. Auch dank der einnehmenden Darstellung von Oscar-Preisträger Jamie Foxx ist Electro somit die Empathie garantiert, die nötig ist, um Mitleid für ihn zu empfinden. Vor allem aber visuell ist «Rise of Electro» erwartungsgemäß über jeden Zweifel erhaben. Marc Webb und sein Team haben ihre Methoden noch einmal ein gutes Stück verfeinert, um auch mithilfe der 3D-Technik und des wohl dosierten Zeitlupeneinsatzes ein streckenweise schier atemberaubendes Gefühl für Spider-Mans übermenschliche Fähigkeiten und seine waghalsigen Flugmanöver durch die Häuserschluchten New Yorks zu vermitteln.

Fazit: «The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro» ist feinste Blockbuster-Unterhaltung, bei der auch die Emotionen nicht zu kurz kommen und die trotz einer stolzen Laufzeit von fast zweieinhalb Stunden zu keiner Sekunde langweilig wird. Obwohl die Handlung ab und an etwas holprig und nicht immer ganz plausibel von A nach B springt, greifen die einzelnen Aspekte des Comic-Spektakels wohl balanciert ineinander und machen gerade auch durch das ergreifende Ende und den abschließenden vielversprechenden Ausblick Lust, in den kommenden Jahren noch tiefer in Sonys wachsendes Marvel-Universum einzutauchen.
14.04.2014 13:02 Uhr Kurz-URL: qmde.de/70146
Markus Trutt

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