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Die Kritiker: «Polizeiruf 110: Wolfsland»

Ungewöhnlicher Krimistoff: Ein Dorf wehrt sich gegen die Ansiedlung von Wölfen in Brandenburg. Skurille Figuren - und Fabian Hinrichs, künftiger «Tatort»-Ermittler, der sich schon mal sonntags um 20.15 Uhr ausprobieren darf.

Inhalt:


Hinter den Kulissen

  • Produktion: EIKON Media GmbH
  • Musik: Martin Probst
  • Kamera: Sebastian Edschmid
  • Buch: Rainer Butt und Ed Herzog
  • Regie: Ed Herzog
Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski und Polizeihauptmeister Horst Krause werden ins entlegene, brandenburgische Kaskow gerufen - genauer gesagt, ins alte Schloss des Ortes. Ein Anrufer hat einen Leichenfund gemeldet. Vor Ort finden die beiden allerdings keine Leiche vor, sondern ein totes Tier und zwei aufgebrachte Menschen in einer skurrilen Situation: Schlossherrin Elisabeth von Taupitz bedroht mit ihrem Jagdgewehr Stefan Waldner, der mit einem erschossenen Wolf auf ihrem Grundstück steht. Waldner ist Wolfsbeobachter und beschuldigt von Taupitz, den Wolf umgebracht zu haben und die Dorfbewohner gegen die Tiere aufzuhetzen.

Darsteller:


Maria Simon («Herzversagen») ist Olga Lenski
Horst Krause («Der Landarzt») ist Horst Krause
Fritz Roth («Kripo Holstein») ist Polizist Wolle
Fabian Hinrichs («Hochzeitspolka») ist Stefan Waldner
Alexander Beyer («Sechzehneichen») ist André Sobowski
Ulrike C. Tscharre («Im Angesicht des Verbrechens») ist Marion Sobowski
Isabel Bongard («Tod einer Polizistin») ist Jule Sobowski
Götz Schubert («Unsere Mütter, unsere Väter») ist Hagen Stamm

Kritik:


„Altbacken, behäbig, lieblos“ – so urteilte Quotenmeter.de über den Krimi „Vor aller Augen“, den bisher letzten «Polizeiruf 110» mit Lenski und Krause, dem dienstältesten Ermittlerpaar der ARD-Reihe. Übrigens: Horst Krause heißt auch in Wirklichkeit Horst Krause. Dem «Polizeiruf» haftet immer noch ein bisschen das Image der Ost-Variante des «Tatorts» nach – und in der Tat: So manche Ausgaben der Krimireihe sind wirklich schwach. Nicht aber der nun anstehende «Polizeiruf 110: Wolfsland». Vorsicht ist dennoch geboten, denn einen gewöhnlichen Krimi haben die Autoren Rainer Butt und Ed Herzog wahrlich nicht auf die Beine gestellt.

Die ersten Bilder zeigen die Figur Stefan Waldner, der sich um angesiedelte Wölfe in der Region kümmern will, durch die Einöde gehen. Weite Felder, schönes Licht, relaxter Gitarrensound im Hintergrund. Dann wird es recht schnell aber recht skurill. Neben dem künftig «Tatort: Franken»-Darsteller Fabian Hinrichs überzeugt auch Monika Lennartz als kauzige und mürrische Schlossherrin, die Stefan Waldner direkt mit ihrem riesigen Jagdgewehr begrüßt. Dass sie ihren Hass auf die Wölfe daher zieht, dass ihr Bruder einst mal von Wölfen zerfleischt wurde, geht dann allerdings wieder ins recht stereotypische. Es ist also manchmal ein schmaler Grat, den dieser Krimi beschreitet.

«Polizeiruf 110» versteht es in diesem Fall eindrucksvoll die Atmosphäre des entlegenen Dorfs Kaskow in Brandenburg zu vermitteln. Es ist ein bisschen wie in «Close to Home», der einstigen Bruckheimer-Serie, die ebenfalls das ländliche erklärten vermochte. Da wird aus den Fenstern gespäht und schnell der Vorhang wieder zugezogen, da wird hinter vorgehaltener Hand getuschelt. Und jeder macht irgendwie ein eigenes Ding. Ungewöhnliches fällt sofort auf – und Wölfe sind in der Gegend überhaupt nicht erwünscht.

Der ganze Stoff aber ist schon ein gutes Stück entfernt von der deutschen Lebenswirklichkeit. Ansiedlung von Wölfen, ein Verrückter, der auf Wohnwägen ballert – wahrlich keine typische Krimikost. Das wird vermutlich auf Kosten einiger Zuschauer gehen, letztlich ist es aber genau das, was Fernsehkritiker immer fordern. Mutige Geschichten mit spannenden Charakteren. Und die bietet dieser «Polizeiruf 110» im Minutentakt.

Einzig die Ermittler bilden manchmal ein gewisses Manko – da ist vielleicht der Ost-Touch des «Polizeiruf 110» noch zu spüren. Horst Krause ist das Kontrastprogramm zum Jugendwahn im «Tatort» - er verkörpert den klassisch-öffentlich-rechtlichen Kommissar. Maria Simon ist zumindest optisch ein Hingucker, aber auch ihre Figur Olga Lenski ist nicht sonderlich gut ausgearbeitet. Wohlwollend betrachtet, könnte man sagen, dass extrovertierte Ermittler die gesamte Szenerie hier möglicherweise auch zu unruhig gemacht hätten.

Alles in allem ist «Polizeiruf 110: Wolfsland» eine der besseren Folgen der Reihe – und dennoch wird sie in Deutschland nicht jedem gefallen. Pluspunkte gibt es hier aber allein schon deshalb, weil die erste (menschliche) Leiche erst nach 28 Minuten auftaucht.

Das Erste zeigt «Polizeiruf 110: Wolfsland» am Sonntag, 15. Dezember 2013 um 20.15 Uhr.
14.12.2013 11:30 Uhr Kurz-URL: qmde.de/67923
Manuel Weis

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